Stadt
24.07.2019

«Ich bin ein Heimatmensch»

«Technisch gesehen bin ich ein Nerd, wenn auch vielleicht nicht der Klassische», sagt der gelernte Elektroniker und Informatik-Quereinsteiger. (Bild: Daniela Friedli)

«Technisch gesehen bin ich ein Nerd, wenn auch vielleicht nicht der Klassische», sagt der gelernte Elektroniker und Informatik-Quereinsteiger. (Bild: Daniela Friedli)

André Hess will dahinter schauen, tiefer gehen. Der Unternehmer lebt nach seinem Kalender, der entsprechend voll ist mit Terminen. Im Gespräch verrät er, warum er als Jugendlicher Radios in Einzelteile zerlegt hat.

Sonja Furter

Die zentrale Lage von seinem Büro in der Innenstadt ist für ihn wie ein Sinnbild vom Standort Olten in der Schweiz. «Wir haben in der Dreitannenstadt zwar keinen See und keinen Berg, aber unsere Stadt ist verkehrstechnisch ideal gelegen», sagt André Hess. Der 40-Jährige technik- begeisterte Menschenfreund ist aktiver Fasnächtler und «Senator» der jungen Wirtschaftskammer Olten, Unternehmer und Inhaber der Firma «apload GmbH» sowie Vater einer fünfjährigen Tochter. «Es ist das Schönste, ein Kind aufwachsen zu sehen», schwärmt er. Schwimmen, wandern oder basteln sind Aktivitäten, welche Vater und Tochter gemeinsam unternehmen. Anders als die Technik sei ein Kind nicht berechenbar. «Ich lebe nach meinem stets vollen Kalender», so Hess. Die Geburt seiner Tochter habe diese Lebensart durcheinandergewirbelt.
Auf der Geburtsanzeige haben seine Frau und er den Satz geschrieben: «Ab jetzt bestimme ich, wann und wie lange bei uns geschlafen wird.» Durch die Vaterschaft sei er nun auch flexibler geworden.

Wurzeln

Im Herzen von Olten bietet der Unternehmer seit acht Jahren webbasierte Kommunikations- lösungen für Firmen an. Bei der Namensfindung für seine Firma hat er sich einem Wortspiel bedient. Zum einen entspricht der Name «apload» der deutschen Aussprache des englischen Wortes «upload». Zum anderen sagt Hess: «Wir haben das Know-How. Wir wissen wie, also we know how.» Am Programmieren faszinieren ihn die unendlichen Möglichkeiten, erzählt der gelernte Elektroniker, der als Quereinsteiger zur Informatik gekommen ist. Sein Leben ist von zwei Welten geprägt. Zum einen durch den Menschen und die Gesellschaft, zum anderen durch digitale Prozesse. «Aber auch ich nehme an ein Kundengespräch einen Schreibblock und einen Kugelschreiber mit.» Bereits als Schulkind und später als Jugendlicher hat ihn alles fasziniert, was mit Strom betrieben wird. Während seiner Lehre als Elektroniker seien deshalb in seinem Elternhaus auch immer mal wieder die Sicherungen rausgeflogen, erzählt er mit einem Schmunzeln. Zum Beispiel, wenn er ein Radio auseinanderbaute, wieder zusammensetzte und dann an den Strom anschloss. «Mich interessiert das Innenleben von Geräten.» Fernseher, Telefone oder Scheinwerfer hat er zu Studienzwecken schon in Einzelteile zerlegt. «Dahinter schauen, tiefer gehen. Das ist es, was ich will.» Heute sei er gerne im stillen Kämmerlein am Programmieren. «Technisch gesehen bin ich ein Nerd, wenn auch vielleicht nicht der Klassische.»

Fussgängerzone

Sich selbst beschreibt Hess mit den drei Eigenschaften kommunikativ, aktiv und engagiert. «Kommunikativ umfasst schon sehr vieles, was mein Leben ausmacht. Und aktiv bezieht sich vor allem auf die Tatsache, dass ich gerne unter Leuten bin.» Der Jüngste von drei Kindern ist in Olten geboren, in Rickenbach aufgewachsen und in Hägendorf zur Schule gegangen. «Weiter als bis Wangen bei Olten, wo ich heute mit meiner Familie lebe, bin ich nie von Olten weggezogen», schmunzelt er. «Wenn ich im Ausland bin, vermisse ich gefühlt 500 Leute.» Er kann sich deshalb nicht vorstellen, dass er die Umgebung von Olten einmal verlassen würde. «Ich bin ein Heimat- mensch. Meine Wurzeln sind hier.» Seit die Kirchgasse eine Fussgängerzone ist, zählt er sie zu seinen Lieblingsplätzen. «Olten ist überschaubar. Man kennt sich.»

Etwas anfangen

Hess ist aber auch ein Vereinsmensch und aktiver Fasnächtler. «Vereine bringen Leute zusammen», stellt der Schlagzeuger der Guggi Zunft fest. «Ich kann einfach nicht sein ohne Musik. Sie schafft Stimmung und transportiert Emotionen.» Trotz 18 Jahren im Vorstand, davon acht Jahre als Präsident, hat er das aktive Musizieren nie aufgegeben. Als weitere Hobbies nennt er Wandern, sich draussen in der Natur aufhalten und Lasershows. Am 1. August wird er im Namen von Gewerbe Olten am oberen Graben eine Lasershow präsentieren. «Ich würde auch den Menschen als Hobby bezeichnen.» Dieser Wunsch, andere zu unterstützen und zu fördern, habe zu vielem geführt, was er heute mache. So auch zum Beitritt bei der jungen Wirtschaftskammer Olten. Schlagworte des Vereins sind Wirtschaft, Unternehmertum, Weiterbildung und Wohl- tätigkeit. Für sein Engagement wurde Hess kürzlich mit dem Titel «Senator» geehrt, was ihn zu einem lebenslangen Mitglied macht. Bei der Junior Chamber International JCI sei er Mitglied geworden, weil er sein Netzwerk habe erweitern wollen. Geblieben sei er unter anderem, weil ihn das Anliegen der Wirtschaftskammer für wohltätige Projekte begeistert habe. «Der Grund, wieso man etwas begonnen hat, ist oftmals nicht derselbe, weshalb ein Engagement fortgeführt wird.»

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