Im Gespräch
07.08.2019

«Richtige Oltnerin zu werden braucht Zeit»

Spontan, aktiv und gerne unterwegs. «Ich lache fast immer», sagt die Floristin und Neu-Oltnerin Jenny Wüthrich. (Bild: S. Furter)

Spontan, aktiv und gerne unterwegs. «Ich lache fast immer», sagt die Floristin und Neu-Oltnerin Jenny Wüthrich. (Bild: S. Furter)

Jenny Wüthrich’s Leben ist voller Farben. In Olten hat die 26-Jährige ihre Wahlheimat gefunden und sie geniesst die Postkarten-Aussicht beim Blick auf die alte Holzbrücke vom Aarebistro aus.

Sonja Furter

Es ist wichtig, im Moment zu leben und ihn wertzuschätzen. «Auch Blumen kann man nur im Jetzt geniessen. Gerade deren Vergänglichkeit macht einen Teil ihrer Faszination aus», so die Floristin und Neu-Oltnerin Jenny Wüthrich. Mit nur 26 Jahren ist sie bereits Jungunternehmerin und führt seit vier Jahren ihr eigenes Geschäft «allerart blumen» eingangs der Altstadt. Die berufliche Selbstständigkeit liegt in der Familie. «Mein Vater ist als selbstständiger Bergführer tätig. Meine Schwester arbeitet wie ich als Floristin im eigenen Laden. Meine Mutter hat eine kaufmännische Ausbildung gemacht und hilft mir bei der Buchhaltung.» Vor dem Schritt zum Unternehmertum habe sie nie Angst gehabt, so Wüthrich. «Ich habe viel nach Bauchgefühl gehandelt. Sein eigener Chef zu sein bringt auch viele Freiheiten und Flexibilität.» Manchmal müsse sie jedoch schmunzeln: «Zum Beispiel, wenn ich realisiere, dass meine Lehrlinge gar nicht so viel jünger sind als ich.»

Frisch gestrichen

Das Lachen der jungen Frau mit dem goldenen Nasenpiercing und der dezent aufgetragenen Mascara ist ansteckend. Sich selbst beschreibt Wüthrich denn auch als fröhlich und zielstrebig. «Ich lache fast immer.» Sie sei spontan, aktiv und gerne unterwegs. «Joggen, biken oder das 1000er- Stägli in Aarburg hochlaufen», zählt sie auf und verrät, dass ein gutes Essen ihr Herz höherschlagen lässt. Die Freude am Geschmack reicht dabei von der thailändischen über die italienische bis zur gutbürgerlichen schweizerischen Küche. Nach der Schule hat sie in den Berufen Innendekorateurin, Malerin und Hochbauzeichnerin geschnuppert und damit viele Betriebe von innen gesehen. «Aber schlussendlich hat mir die Farbe in diesen Berufen gefehlt.» Diese fand sie beim Sträusse binden im Floristik-Geschäft ihrer älteren Schwester. Bunte Blumen überall. Farben zuhauf. «Ich wusste, das ist es.» Ihre Leidenschaft für Dekoration oder Gestaltung könne sie im Geschäft beim Umstellen des Ladens ausleben. Oder wenn sie mit der Auswahl von Möbeln, Lampen und Grünpflanzen einen Raum neu gestalte. «Wenn ich eine Wand gar nicht mehr ansehen mag, wird sie frisch gestrichen», sagt Wüthrich mit einem Lachen. Ihre Lieblingsblume variiere je nach Saison, so die 26-Jährige. Alles, was in unseren Breitengraden gedeihe, gefalle ihr. «Wiesenblümchen, Pfingst- oder Gartenrosen, die gut duften. Hauptsache, möglichst natürlich.»

Post-it-Zettel

Gerade war die Unternehmerin drei Tage im Bünderland, wo sie wandernd und mit dem Velo unterwegs war. «Ich mag das Stadtleben. Aber ich liebe auch die Magie der Berge. Diese Gegensätze zwischen urbanem Zentrum und Land sind spannend.» Auch mag sie es, in der Sonne zu liegen, mit dem Hund der Eltern spazieren zu gehen oder Freunde zu treffen. Ge-boren und aufgewachsen ist Jenny Wüthrich in Wiedlisbach im Kanton Bern. Als Kind habe sie eine kurze intensive Phase gehabt, in der sie viel Blödsinn gemacht habe, erzählt Wüthrich mit einem Schmunzeln. «Einmal habe ich die Fensterbank mit Leim bestrichen und bunte Post-it-Zettel darauf geklebt. Über die Kombination mit Glitzer haben sich meine Eltern wohl besonders gefreut. Schon damals war meine Kreativität grenzenlos.»

Neu-Oltnerin

Die Dreitannenstadt habe sie bis vor sechs Jahren nicht gekannt, so Wüthrich. «Mir war Olten nur vom Umsteigen auf den Zug nach Aarau ein Begriff.» Das änderte sich, als sie als Angestellte einen Job als Floristin in Olten fand. «In der Altstadt habe ich mich sofort wohlgefühlt. Die Ladenbesitzer sind sehr freundlich untereinander. Als ich wenig später das Geschäft übernahm, wuchs in mir der Wunsch, nach Olten zu ziehen. Ich wollte hier wohnen und nicht nur arbeiten.» Gesagt, getan. Heute lebt sie in einer 3er-WG und träumt davon, irgendwann in einer Altstadt-Wohnung mit Balkon zu Hause zu sein. «Man weiss nie, was das Leben bringt. Aber ich plane schon, hier in Olten zu bleiben und Wurzeln zu schlagen.» Gegenüber Freundinnen habe sie sich immer wieder erklären müssen, warum sie gerade in die Dreitannenstadt ziehe. Dabei sei es richtig schön hier. «Die Altstadt mit den vielen Beizli hat Charme.» Das Aare-Bistro mit Blick auf die alte Holzbrücke biete sogar ein Postkartenmotiv als Aussicht. Sie sei zwar Neu-Oltnerin, aber in der Stadt auch als Auswärtige willkommen, freut sich Wüthrich. Dennoch, eine richtige Oltnerin zu werden, brauche Zeit. Deshalb engagiert sie sich in der jungen Wirtschaftskammer JCI und bei Gewerbe Olten. «Ich beginne immer besser zu verstehen, wie diese Stadt tickt. Ich will wissen, was Olten bewegt.»

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