Im Gespräch
25.09.2019

«Guter Espresso ist Geschmack pur»

Lieber tot als entkoffeinierten Kaffee in der Tasse: Durch Adrian Dobler’ Adern fliesst zu Dreivierteln italienisches Blut. (Bild: S. Furter)

Lieber tot als entkoffeinierten Kaffee in der Tasse: Durch Adrian Dobler’ Adern fliesst zu Dreivierteln italienisches Blut. (Bild: S. Furter)

Adrian Dobler probiert alles aus und ist offen für vieles. Im Gespräch verrät der Masseur, wieso er für das Resultat und nicht für den Moment arbeitet.

Sonja Furter

Die Baseballmütze auf dem Kopf hat er sich lässig verkehrt herum aufgesetzt. «Das Basecap ist ein Markenzeichen von mir. Irgendwo liegt immer eines herum», sagt Adrian Dobler. Der 24-Jährige ist Medizinischer Masseur mit eidg. FA, in Ausbildung zum Physiotherapeuten, Italiener und Schweizer, Oltner und Unihockey-Spieler. Auf seinem Cap ist der Spruch «Death before Decaf» eingestickt. Frei übersetzt bedeutet dies: Lieber tot als entkoffeinierten Kaffee in der Tasse. «Tatsächlich ist der Genuss des Wachmachers eine Leidenschaft von mir. Guter Espresso ist Geschmack pur.» Bereits als Zweijähriger habe er aus anderer Leute Kaffeetassen die letzten Tropfen ausgeschleckt, erzählt er. «Schokomilch mochte ich noch nie.» Obwohl Dobler in der Schweiz aufgewachsen und von der hiesigen Lebensweise geprägt ist, entdeckt er auch die südländischen Seiten an sich. Durch die Adern des zweisprachigen Oltners fliesst zu Dreivierteln italienisches Blut. «Ich vereine beide Kulturen in mir. Als typisch schweizerische Eigenschaft bin ich gerne pünktlich an Ort und Stelle. Der Italiener zeigt sich in meiner spontanen und auch mal temperamentvollen Art. Auf Reisen benütze ich lieber den roten Pass. Dadurch stehen mir mehr Länder und Möglichkeiten offen. Bei der Küche ist es genau umgekehrt. Ohne Pizza und Pasta könnte ich nicht leben.»

Schallplatte

Er probiere einfach alles aus und sei offen für vieles, sagt der junge Mann, der sich selbst als extrovertiert, fröhlich, freundschaftlich und vertrauenswürdig beschreibt. «Einen neckischen Spruch bringe ich gerne über die Lippen, bin aber auch für andere da, wenn ich gebraucht werde.» Unihockey und Eishockey bezeichnet Dobler als eine Passion. «Ich mache und ich schaue es gerne.» Auch unternimmt der 24-Jährige Städtetrips und entdeckt Europa. «Was mich ausserdem reizen würde, ist eine Reise nach Russland. Es ist ein Land, das so nah und irgendwie doch so fremd ist», sinniert er und ergänzt lachend: «Die russische Sprache hört sich für meine Ohren wie eine Schallplatte an, die rückwärts gespielt wird.»

Körperskizzen

Aufgewachsen ist Dobler als Einzelkind einer kaufmännischen Angestellten und eines Elektro- installateurs. Als Junge hat er sich immer wieder Verletzungen zugezogen. Snowboard- und Velounfälle sorgten für Brüche oder angerissene Bänder: Die Liste ist lang. «Durch die vielen Therapien habe ich die Erfahrung gemacht, dass es Leute braucht, die nach einem Unfall helfen.» Er entschied sich deshalb für die Ausbildung zum medizinischen Masseur und lernte die verschie- denen Muskeln und Knochen auswendig sowie Krankheitsbilder zu erkennen. «Die Theorie mussten wir Studenten selber in der Praxis erproben.» So habe er in Unterhosen vor fünfzehn Mitschülern gestanden. «Alle gingen mit dem Schreibblock um mich herum, machten sich Notizen zu meiner Haltung und fertigten Skizzen meines Körpers an. Eine seltsame Situation.» Bei seiner Arbeit betreut er heute Patienten in einer Altersspanne von 16 bis 99 Jahren. Anders als ein «professioneller Öl-Verteiler», wie er einen Wellness-Masseur scherzhaft nennt, könne bei ihm eine Behandlung schon einmal schmerzhaft sein. «Ich mache keine Wohlfühlmassage. Ich arbeite für das Resultat, nicht für den Moment.»

Aktiv und passiv

Bei der Behandlung einer Brustkrebs-Patientin sei ihm eindrücklich bewusst geworden, dass eine Narbe mehr ist als nur verdickte Haut. «Wie aus dem Nichts hat die Frau begonnen, von ihrem drogenabhängigen Kind zu erzählen. Eine Behandlung kann Emotionen auslösen, an die weder die Patientin noch ich als Therapeut gedacht haben», so Dobler. Aktuell befindet er sich in der Ausbildung zum Physiotherapeuten. Diese betrachtet er als gute Ergänzung zu seinem bisherigen Beruf. Eine spannende Unschärfe in der Begrifflichkeit von aktiv und passiv erklärt er so: «In der Physiotherapie spricht man von aktiver Therapie, wobei ich den Patienten beobachte und unter- stütze. Beim Medizinischen Masseur spricht man von passiver Therapie, obwohl ich mich die ganze Zeit bewege. Gemeint ist daher der Patient, der aktiv oder passiv ist.»

Netflix sei Dank

«Freizeit ist für mich gleichbedeutend mit Olten. Ich bin immer in der Dreitannenstadt», sagt Dobler, der in Wangen bei Olten zu Hause ist. Er findet, dass man Oltner sein müsse, um die Stadt richtig zu schätzen. «Nur ein Oltner findet Olten schön.» Das Vorurteil der Nebelstadt sei vielleicht zu fünfzig Prozent zutreffend, meint er. «Dafür schätze ich das schöne Wetter umso mehr.» Manchmal verteidige er die Dreitannenstadt gegen Vorurteile, manchmal lasse er die Vorein- genommenheit einfach stehen. «Wir Dreitannenstädter sind bekannt. Ob nun jemand positiv oder negativ über die Stadt denkt: Jeder kennt Olten.» Es gäbe viele junge Menschen, welche von Olten wegziehen würden. «Aber es gibt auch viele, die bleiben.» Wenn er mit dem Zug in den Bahnhof einfahre, spüre er: «Hier bin ich zu Hause.» Überhaupt schätze er den Bahnhof, sagt Dobler. «Von Olten aus bin ich in 30 Minuten in jeder Grossstadt und in einer Stunde in jeder Ecke der Schweiz.» Das erfährt er auch ganz praktisch während seiner Ausbildung. Seine Schule befindet sich in St. Gallen, die Praxis, in der er arbeitet, in Rothenthurm im Kanton Schwyz. «Ans Pendeln habe ich mich, Netflix sei Dank, inzwischen gewöhnt.»

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