Im Gespräch
09.10.2019

Als kreativer Querdenker durchs Leben

«Abstraktes Denken ist ähnlich wie abstraktes Malen», erklärt der Oltner Künstler und Coach Yves Pascal Oesch. (Bild: S. Furter)

«Abstraktes Denken ist ähnlich wie abstraktes Malen», erklärt der Oltner Künstler und Coach Yves Pascal Oesch. (Bild: S. Furter)

Yves Pascal Oesch findet in Olten seinen sicheren Hafen. Im Gespräch verrät der Künstler, warum seinem zweiten Vornamen Pascal eine besondere Bedeutung zukommt.

Sonja Furter

Geniale Menschen sind selten ordentlich, Ordentliche selten genial. Dieses Zitat von Albert Ein- stein inspiriert Yves Pascal Oesch: «Einstein war in seiner Arbeit als Physiker an streng wissen- schaftliche Regeln gebunden und gleichzeitig voller Fantasie. Auch ich lebe im Spannungsfeld zwischen Strukturen und Kreativität.» Als studierter Ökonom hat sich Oesch vor zwanzig Jahren selbstständig gemacht und ist heute Tänzer, Künstler, kulturell Interessierter, Kreativitätsexperte und Ideencoach in einem. Sich selbst beschreibt der 53-Jährige als wissbegierig, neugierig und fantasievoll. «Ich lerne gerne Neues und bin ein Querdenker.» Aufgewachsen ist Oesch als Erst- geborener mit einer jüngeren Schwester in Biel. Als ihn nach dem Studium die Arbeit in die Drei- tannenstadt führte, hat der Französischsprachige den Oltner Dialekt vor allem beim Paar-Tanz gelernt.

Excel-Tabellen

Die Wende von der Anstellung als Leiter Controlling bei gutem Lohn zur beruflichen Selbstständig- keit kam für Oesch 1998 durch eine Frage in einem Buch. «Was möchtest du sehen, wenn du einmal auf dein Leben zurückblickst?», erinnert sich der welsche Oltner an die lebensverändern- den Worte. «Ich habe mir vorgestellt, wie ich als 80-Jähriger auf Millionen von ausgefüllten Excel-Tabellen schaue. Das wollte ich nicht.» Er begann, als Innovationscoach für Firmen Ideenwork- shops anzubieten und Kreativitätskurse für Institute zu kreieren. Später kam das Unterstützen von Privatpersonen hinzu, die Ideen für die Gründung einer eigenen Firma suchen. Aus Neugierde besuchte er 2011 die Clown-Schule im Oltner Schwager-Theater, um den spielerischen Umgang mit Fehlern zu lernen. «Eine Fähigkeit, die in meinem kreativen Beruf sehr wichtig ist.»

Das neue Leben

2015 wendete sich Oesch im Alter von 50 Jahren der Kunst zu. Auslöser war sein Wunsch, etwas komplett Neues zu lernen und wiederum eine Frage. «Was haben Sie in Ihrem Leben mit dem zweiten Vornamen gemacht?», wollte damals ein Coach von ihm wissen. Bis zu diesem Moment sei der zweite Vorname Pascal unsichtbar und bedeutungslos gewesen, reflektiert Oesch und erklärt: «Heute hat der Pascal in mir dank der Kunstausbildung ein Eigenleben und dient mir als Teil meines Künstlernamens.» Ein Acrylmalerei-Kurs ebnete den Weg in die Welt des Gestaltens. «Da mir der Pinsel am Anfang sperrig in der Hand lag, bin ich zuerst zum Schwamm-Profi gewor- den», sagt Oesch, der von Beginn an «eine andere Art von Bildern malen» wollte. Er entwickelte immer mehr Ehrgeiz und lernte die abstrakte Malerei während zweieinhalb Jahren bei einer amerikanischen Professorin und Meisterin in Fine Arts in der Nähe von Zürich. Er findet seine Inspiration vor allem in Bäumen, Blumen und Bergen. Seine blühende Fantasie ergänzt er so mit der Kraft der Natur sowie mit spielerischen Elementen, die manchmal an einen Tanz oder eine Figur erinnern. Für sein Schaffen inspirieren ihn Paul Klee, Juan Miro und Art Brut. Es begeistert ihn, aus fast nichts, ein Bild zu kreieren. «Abstraktes Denken ist ähnlich wie abstraktes Malen. Ich warte oft, bis die Leinwand zu mir spricht. Angst von dem weissen Blatt kenne ich nicht.»

Der Hafen

«Ich habe überall Fach- und Kunstbücher stehen. Meine Wohnungsmiete bezahle ich mehr für meine Bücher als für mich selbst», sagt Oesch mit einem Schmunzeln. Bereits als Vierjähriger hat er angefangen zu lesen. Eine Leidenschaft, die bis heute andauert. Auch liebt Oesch das Kino und Improvisationstheater, Comedy, Kunst-Ausstellungen und exotische Tänze wie Salsa und Ki- zomba. «Paartanz ist Koordination für den Kopf und Sport für den Körper. Ich trainiere lieber auf der Tanzfläche als im Fitnesscenter.» Die Stadt Olten habe er in seiner Jugend nur aus Schach- turnieren gekannt, sagt Oesch. «Als erster Eindruck ist mir besonders die Altstadt im Gedächtnis geblieben.» Heute schätzt er vor allem, dass es innerhalb von 500 Metern alles gibt, was er braucht. «Arzt, Käserei und Migros sind in Gehdistanz.» Die Dreitannenstadt sei ein guter Kom- promiss zwischen Anonymität und Landleben, zwischen Dorf und Grossstadt. «Ich habe nie be- reut, dass ich nach Olten gekommen bin. Die Menschen, denen ich begegne, sind offen.» Auch beeindruckt ihn das grosse kulturelle Angebot. «Es läuft sehr viel, oft aus Eigeninitiative.» Das sei typisch oltnerisch, meint er. «Wenn Dreitannenstädter etwas auf dem Herzen haben, machen sie es selbst.» In ein Kaff aufs Land ziehe er dann vielleicht als Greis, scherzt Oesch und schliesst seine Erzählungen über die Dreitannenstadt poetisch: «Wenn ich im Berufsleben Stress gehabt habe, war Olten immer mein sicherer Hafen.»

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