Im Gespräch
30.10.2019

Kunst zwischen Olten und Afrika

Nikolai Hodel in seinem Atelier mit den verpackten Bildern, bereit für die Ausstellung in Kapstadt. (Bild: ZVG)Fotografische Umsetzung des geschmolzenen Kunststoffes in Glasröhren, die an Fabelwesen aus den Bildern von George Lilangua und Eduard Tingatinga erinnern. (Bild: ZVG)

Nikolai Hodel in seinem Atelier mit den verpackten Bildern, bereit für die Ausstellung in Kapstadt. (Bild: ZVG)

Fotografische Umsetzung des geschmolzenen Kunststoffes in Glasröhren, die an Fabelwesen aus den Bildern von George Lilangua und Eduard Tingatinga erinnern. (Bild: ZVG)

Der Oltner Künstler Nikolai Hodel stellt vom 7. November bis 4. Dezember in der «Gallery One 11» im südafrikanischen Kapstadt seine Kunst aus. Die lebendige Farbgebung und der Duktus der Arbeiten aus Plastikabfall spiegeln die Vielfalt des afrikanischen Kontinents wider und machen auf aktuelle Probleme in der Abfall- entsorgung aufmerksam.

Sonja Furter

Für die Experimentserie hat Nikolai Hodel Makrostrukturen von Plastik extrem vergrössert und dadurch sichtbar gemacht, was dem Auge sonst verborgen bleibt. Seine Bilder präsentieren sich bunt, originell, abstrakt und in lebhafter Kolorierung. Blaue und orange Farbtupfer vermischen sich auf schwarzem Hintergrund mit rötlichen, gelb-grünen oder violetten Elementen. Darin erkennbar sind Formen und Figuren, Gesichter, Farben oder einfach nur Luftblasen. Im Auge des Betrachters liegt die Interpretation, entdecken tut in den Bildern deshalb jeder etwas Anderes. «Ich möchte die Ab- straktion in der Malerei so weit treiben, dass Gegenständlichkeiten von selbst entstehen und sich entwickeln. Ich als Künstler muss es nicht machen, sondern nur mithelfen, dass sie sichtbar wer- den. Beim einen sind das Ketten, andere sehen Städte und wieder andere eben Zellen oder Pilze.» Entstanden sind die Kunstwerke aus Plastikabfällen, die der Biologe bei seiner Forschungstätigkeit zu chronischen Krankheiten in Tansania gesammelt hat. In seinem Koffer landete sowohl bunter Plastik aus dem Meer als auch medizinischer Plastik wie Spritzen, Pipetten, Plastikröhrchen und Kulturschalen aus dem Spital. Zurück in Basel hat Hodel den Plastik aufgereinigt und durch Säuren ineinander überführt. Durch das Einschmelzen wurden die ursprünglichen Objekte verfremdet, durch fotografische Prozesse mit dem Vergrösserungsapparat auf analoges Fotopapier projiziert und an- schliessend entwickelt. «Die Serie ist aus dem Alltag heraus entstanden. Der künstlerische Prozess hingegen war dann doch ziemlich durchdacht. Nach der Vergrösserung habe ich nach Ausschnitten gesucht, die an Figuren und Tiere erinnern», so Hodel. Inspiriert hätten ihn dabei die beiden inter- national bekannten und einflussreichsten ostafrikanischen Künstler George Lilangua und Edward Said Tingatinga.

Gefühle und Gedanken

In Nikolai Hodlers Leben gibt es verschiedene Verlinkungen. Eine von der Wissenschaft zur Kunst, eine zwischen Biologie und Sub-Sahara Afrika und eine zwischen Olten und der weiten Welt. Seit dem Masterstudium in Epidemiologie ist Hodel als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Unispital Basel im Bereich öffentliche Gesundheit tätig. «Biologie ist ein interessantes Fach. Es fängt beim norma- len Bakterium an und hört beim gentechnisch veränderten Bakterium und dessen Einfluss auf Mensch und Umwelt wieder auf. Diese Komplexität auf dem aktuellen Stand des Wissens einiger- massen verstehen zu dürfen ist ein Privileg», sagt Hodel, der sich selber als Kopfmenschen bezeich- net. Die Kunst betreibt er als professionelles Hobby neben seinem Beruf. «Verglichen mit dem wis- senschaftlichen Arbeiten hat das Malen und Gestalten etwas Narzisstisches und Subjektives. In der Kunst kann ich das umsetzen, was ich selber machen will. Ich beschäftige mich mit der Frage, was meine Gefühle und Gedanken zu einer Form, Farbe, Licht und Raum sind», sagt der gebürtige Olt- ner, während er in seinem Atelier in Basel umhergeht. «In diesem Karton sind die Bilder verpackt und bereit für die Reise nach Südafrika.» In der «Galery One 11» in Kapstadt wird Hodel nebst den weissen Wänden den Kunstraum auch mit einem durchleuchtbaren Kubus bespielen. Mit der Aus- stellung ist für ihn ein Wunsch in Erfüllung gegangen. «Bereits als die Serie entstanden ist, dachte ich: Diese Bilder müssen wieder zurück nach Afrika.» Denn die Kunst widerspiegelt und beinhaltet Lebensrealitäten und Probleme, welche Staaten und Gesellschaften dieser Weltgegend noch zu lö- sen haben. «In Tansania wurden Plastikabfälle zur Entsorgung meistens verscharrt oder auf Feuern bei zu tiefer Temperatur verbrannt. Toxische Stoffe landen so in der Umwelt, weil ein funktionierendes Entsorgungssystem fehlt.» Auf diese Thematik will Hodel durch seine abstrakte Plastik-Kunst subtil aufmerksam machen.

Die kleine Welt

Hodel ist 1983 geboren und in Olten aufgewachsen. Dass ihm das Zeichnen liegt, habe er schon sehr früh gemerkt, erzählt der Künstler. In der Berufsschule hätten Kollegen jeweils seine Skizzen wieder aus dem Papierkorb gefischt. «Als ich das gesehen habe, durften sie sich aus meiner Zei- chenmappe ein richtiges Bild aussuchen.» Den Ort, an dem man aufwachse, vergesse man nicht, ist der 36-Jährige überzeugt. «In Olten hat mich die Nüchternheit, das Konkrete und Bodenständige geprägt.» Jedoch sei ihm Olten schon immer zu klein gewesen. «Ich beneide die Oltner darum, dass sie sich mit einer kleinen Welt zufriedengeben können», sagt er, um dann hinzuzufügen: «Trotzdem darf man diese kleine Welt nicht unterschätzen.» So wüssten in der Dreitannenstadt viele Leute, dass er Künstler sei und er werde regelmässig zu Ausstellungen eingeladen. «In Bezug auf Kunst ist meine Heimatstadt Olten ein wichtiger Ort. Hier habe ich 2008 den Jugend Art Förderpreis ge- wonnen und wurde eingeladen, den kleinsten Kunstraum Olten sowie den Schauraum zu bespielen.» Diese Auszeichnung und die daraus resultierenden Engagements haben auch sein Selbstbild ver- ändert: «Ich bin Künstler.»

www.nikolaihodel.ch

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