Im Gespräch
04.12.2019

Mit ungewohntem Blick auf die Welt

Chris Hunter lädt am Dienstag, 10. Dezember um 19 Uhr am Bahnhof Olten zu Feierabendbier und Gesprächen ein. (Bild: mim)

Chris Hunter lädt am Dienstag, 10. Dezember um 19 Uhr am Bahnhof Olten zu Feierabendbier und Gesprächen ein. (Bild: mim)

Chris Hunter Am Dienstag, 10. Dezember um 19 Uhr lädt Künstler Chris Hunter zum Feierabendbier an den Oltner Bahnhof und hofft damit auf viele spannende Gespräche.

Mirjam Wetzstein

Montagmorgen, 8 Uhr im Bahnhofbuffet Olten, einige Meter entfernt vom ehemaligen Dienstraum, den das Kunstmuseum Olten auf Einladung der SBB bespielt. Sieben Werke und Installationen wurden bisher im kleinen Glasraum auf Gleis 7 gezeigt. Noch bis Sonntag, 12. Januar ist das Werk «Amore Roma» des Künstlers Chris Hunter zu sehen. Als farbenfroh und mit seinen Scharnieren abtransportierbar mutet das Werk an, das mit seinen roten Streifen auch Parallelen zum Bahnhof aufweist.

Kunst im zweiten Anlauf

Chris Hunter ist seit Beginn des Jahres als Techniker und Vermittler im Oltner Kunstmuseum tätig, wohnt in Basel und reist an diesem Morgen mit einem Zwischenstopp in der Dreitannenstadt weiter nach Pontresina in Graubünden, denn aufgewachsen ist der 36-Jährige in Flims. Obwohl an den Wänden des elterlichen Hauses einige Kunst der Verwandtschaft hing, waren es seine Tanten, die Hunter als kleiner Junge an die Kunst heranführten. Im Gymnasium wählte er als Schwerpunktfach Bildnerisches Gestalten. Sich jedoch für eine Kunstschule zu bewerben, war zu dieser Zeit kein Thema. «Vielleicht durch das Aufwachsen in einer Lehrerfamilie war für alle klar, dass ich die Pädagogische Hochschule absolviere», erzählt Hunter. Während der PH, gefördert durch Werklehrer, reifte jedoch die Idee, eine Kunstschule zu besuchen. Nach dem Abschluss unterrichtete Hunter auf ein Jahr befristet ausserhalb von Chur an einer kleinen Schule. «In dieser familiären Atmosphäre, fernab von starren Strukturen fühlte ich mich sehr wohl. Mir wurde jedoch klar, dass ich an keiner grösseren Primarschule unterrichten könnte», erzählt der Künstler. Nach einem Jahr Zivildienst, in welchem Hunter erstmals ein Werk für die Jahresausstellung in Graubünden einreichte, absolvierte er sein Bachelor-Studium an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel. Bis dahin widmete er sich insbesondere der Malerei. «Zudem fertige ich seit der Anfrage durch das Junge Theater Graubünden vor vielen Jahren deren Bühnenbilder an. Diese Mischung aus Fiktion und Realität fasziniert mich noch heute. Von mir wird jedoch nie eine figurative Landschaft zu sehen sein, dafür umso mehr ein Bühnenbild, das Raum für die eigene Fantasie lässt.»

Mehrfach ausgezeichnet

Das Studium hat Hunter als bereichernd in Erinnerung behalten. «Es war eine tolle Zeit, in der ich in die Kunst eintauchen konnte und vor allem von Menschen umgeben war, die sich für dieselben Themen interessierten», so Hunter und fügt an, dass man bei einem Kunststudium wohl am meisten von seinen Mitstudenten profitiert. Auf den Austausch legt der 36-Jährige nach wie vor viel Wert. «Durch die Möglichkeit, meine Ideen mitzuteilen, kann ich diese weiterentwickeln oder sie aufgeben, wenn ich merke, dass ich mich wohl mit einer Überlegung verrannt habe», erzählt Hunter lächelnd. Nach seinem Bachelor-Abschluss war der Künstler in zahlreichen kollaborativen (Kunst-)-Projekten sowie als Kurator tätig und arbeitete an eigenen Projekten, für die er mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurde. Wie mit dem Atelierstipendium des Kantons Graubünden für einen sechsmonatigen Aufenthalt in Paris und mit dem Somedia-Kunstpreis für einen Aufenthalt im bündnerischen Nairs. «Paris war inspirierend und bot mir die Möglichkeit, viel Neues zu entdecken. Ich fuhr während dieser Zeit häufig mit der Bahn an die Endstationen und ging zu Fuss zurück in die Stadt. Dabei fiel mir auf, dass anders als bei uns viel Sperrmüll auf die Strasse an die Bäume gelehnt wurde, was ein spezielles Bild abgab, das ich fotografisch festhielt. Diese Fotos verwendete ich später in einem Buch», erzählt Hunter.

Bevorzugt wird die Abgeschiedenheit

«Ich merkte jedoch, dass mir die Arbeitsatmosphäre ausserhalb der Grossstädte mehr entspricht, da diese weniger Ablenkung bietet», so der Kunstvermittler, der seine Inspiration im Alltag und draussen auf der Strasse findet. «Als besonders spannend empfinde ich Baustellen und Bauernhöfe, auf denen nicht selten behelfsmässig zusammengebundene Konstruktionen geschaffen werden, die für mich in einer unbewussten Art ein Teil der Gestaltung der Umwelt darstellen», zeigt der Künstler auf. Auch erfreut er sich an älteren, teils auch abgenutzten Gegenständen. «Eingefügt in einen sauberen Raum, werden diese Objekte umso augenfälliger», so Hunter, der sein Masterstudium in diesem Jahr abschloss.

Keine Zweckmässigkeit

Ein Werk müsse nicht unbedingt praktisch sein, wie sich dies auch bei «Amore Roma» dem ausgestellten Werk im Dienstraum am Bahnhof zeigt. «Ein Kunstwerk muss auch nicht immer eine Funktion haben und rentieren. Den ungewohnten Blick auf die Welt empfinde ich als sehr wichtig, gerade auch im Bereich Kunstvermittlung. Eine freie Meinungsbildung ist essenziell, denn es ist nicht nötig, dasselbe zu denken wie der Nachbar», betont Hunter, der auf sein Gegenüber zurück-
haltend und überlegt wirkt, insgeheim aber einen rebellischen Teil mit grossem Freiheitsdrang in sich trägt. Eine gewisse Angepasstheit erlebt Hunter auch in der Kunstvermittlung im Kunst-
museum Olten. Je nach Anmeldungen finden zur aktuellen Ausstellung jeweils am Samstag die Kunstlupe statt. «Eine schöne Möglichkeit, um intensiver an einem Thema zu arbeiten», so Hunter. Daneben werden gemeinsam mit der Leiterin der Kunstvermittlung Jolanda Ludwig auch Workshops für Schulklassen angeboten. «Je kleiner die Kinder sind, desto offener scheint ihr Geist zu sein. Sie wagen sich ohne lange zu überlegen auch an eine offene Aufgabenstellung heran, während Kinder, die bereits die Schule besuchen, eher zweifeln», bemerkt Hunter. Er schätze es, die vermittelnde Tätigkeit wieder anwenden zu können, diese jedoch in einem Bereich einzusetzen, für den er brenne. Fernab von einem starren Schulsystem. Ab Januar allerdings muss das Kunstmuseum Olten während sechs Monaten auf seinen Vermittler verzichten, da Hunter für einen Atelieraufenthalt in die argentinische Hauptstadt Buenos Aires reist. «Ich freue mich zwar auf viel Inspiration, weiss allerdings nicht, ob es im Moment gerade die Grossstadt ist, die mich weiterbringt oder es doch eher die Abgeschiedenheit wäre», so der Künstler und lächelt. Erstmals hofft Hunter jedoch, beim Feierabendbier am Dienstag, 10. Dezember mit vielen Interessierten ins Gespräch zu kommen.

Dienstraum am Bahnhof Olten, Gleis 7
«Amore Roma» von Chris Hunter
bis 12. Januar 2020

Feierabendbier
Dienstag, 10. Dezember, 19 Uhr
Mehr Infos: www.kunstmuseumolten.ch

www.chrishunter.ch

 

 

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