Im Gespräch
08.01.2020

Mit Aussensicht und Herz für Olten

Mit fröhlichem Gemüt, Engagement und viel Beharrlichkeit hat sich Finja Basan ihren Platz in Olten erobert. (Bild: mim)

Mit fröhlichem Gemüt, Engagement und viel Beharrlichkeit hat sich Finja Basan ihren Platz in Olten erobert. (Bild: mim)

In eigener Sache: Das Quartett der Stadtanzeiger Olten-Kolumnisten erfährt einen Wechsel. Auf Schauspieler, Autor und Satiriker Rhaban Straumann folgt Finja Basan als zweite Frau und mit Aussensicht.

Von: Mirjam Wetzstein

Unser langjähriger Kolumnist Rhaban Straumann hatte sich im Herbst dazu entschlossen, mit einigen Engagements weniger ins neue Jahr zu starten. Wir bedanken uns an dieser Stelle ganz herzlich bei ihm für die fünf Jahre als Stadti-Kolumnist und seine rund 60 berührenden und manchmal auch aufrüttelnden Kolumnen. Den frei gewordenen Kolumnisten-Platz hat sich Finja Basan mit ihrer engagierten, jungen und spritzigen Aussensicht ergattert.

Kreatives Grossstadtmädel

Finja Basan lebt seit ziemlich genau drei Jahren in der Schweiz. Sie habe in Olten ihre neue Heimat gefunden, erzählt die 25-jährige gebürtige Hamburgerin und strahlt übers ganze Gesicht. Ohnehin kann die junge Frau als regelrechter Sonnenschein bezeichnet werden. Basan ist gemeinsam mit ihrer Schwester bei der Mutter im Süden von Hamburg aufgewachsen. Mit 14 Jahren zog die Familie mit dem Stiefvater ins Zentrum. Neben ihrem Abitur jobbte Basan im Catering und in der Eisdiele, um sich etwas Geld zu verdienen. Nach dessen Abschluss im Jahr 2013 nahm sie sich eine schulische Auszeit, jobbte weiter und versuchte in zwei Praktikas ihre Hobbys, die Fotografie und das Essen, zu verbinden. Beim einen Praktikum bei einem Kundenmagazin kam Basan erstmals in Berührung mit redaktionellen Schreibarbeiten. «Privat stand ich viel in der Küche, buk Süssigkeiten, fotografierte sie und stellte die Rezepte und die Fotos auf meinen Foodblog. In dieser Zeit habe ich aufgrund meines Hobbys zu viel gegessen, was mich schliesslich dazu brachte, mich näher mit der Ernährung und Lebensmitteln auseinanderzusetzen», erzählt Basan, die im Jahr 2014 ihr Studium der Ernährungswissenschaften im Schwerpunkt Marketing begann und in eine eigene Wohnung links der Alster umzog, zehn Minuten von der Reeperbahn entfernt. Die Studentin war weiterhin im Service tätig und genoss das Grossstadtleben mit Uni, arbeiten und feiern. «Ich arbeitete in dieser Zeit sehr viel, auch um mir verschiedene Reisen leisten zu können.» Dabei waren die Ansprüche nicht besonders hoch: Neben Rom und Amsterdam reiste sie Couch surfend durch New York.

Von der Grossstadt nach Olten

Die Verbindung zur Schweiz entstand vor vier Jahren am Silvesterabend in München, als Basan ihren Freund aus Niedergösgen kennenlernte. Nach acht Monaten Fernbeziehung zog er für vier Monate nach Hamburg. Im Januar 2017 kam Basan schliesslich in die Schweiz und schrieb an ihrer Bachelorarbeit. Daneben arbeitete sie in verschiedenen Gastro-Betrieben in Aarau, Gösgen und Trimbach. «Wir wohnten damals bei den Eltern meines Freundes in Niedergösgen, die mich sehr herzlich aufgenommen haben», erzählt Basan dankbar. Nur leicht seien die Anfänge mit einem Leben aus dem Koffer, der neuen Sprache Schweizerdeutsch und der etwas anderen Mentalität der Schweizer nicht gewesen. Auch bei der Arbeit im Service kam es hin und wieder zu Missverständnissen. «Als jemand «ein Grosses» bestellte, war mir nicht klar, was und wie gross dieses Grosse sein sollte. Als ein anderer eine Schale wünschte, habe ich in der Küche um eine solche gebeten», erzählt Basan schmunzelnd. Auch ihre direkte Art und fragen wie «Habt ihr schon was gefunden» eckten bei den Schweizern an. Die junge Frau liess sich jedoch nicht entmutigen. «Ich orientierte mich an meinen Arbeitskollegen und übernahm deren Ausdrücke und Fragestellungen, damit meine Aussagen in Schweizer Ohren nicht unhöflich klingen.» Zudem hatte Basan ihren Freund darum gebeten, mit ihr Schweizerdeutsch zu sprechen. Einen zusätzlichen Zugang zur Sprache verschaffte der Freundeskreis mit seinen Whats-App-Nachrichten. Im Herbst 2017 schloss Basan ihr Studium ab, bezog mit ihrem Freund eine Wohnung in Olten und arbeitete in verschiedenen Gastrobetrieben in der Dreitannenstadt und in der Region.

Marketing und freiwilliges Engagement

Auf Nachfrage gab das Restaurant Stadtbad der Wahloltnerin schliesslich die Chance im Marketing-Bereich, der auch ein Teil ihres Studiums war, Fuss zu fassen. Neben der Arbeit im Service übernahm sie in einem 20 Prozent-Pensum die Marketingtätigkeiten. Nach verschiedenen Pensen-Anpassungen arbeitet Basan inzwischen vollumfänglich im Marketing- und Eventbereich. In einem insgesamt 80 Prozent-Pensum ist sie beim «Hotel Olten», der «Kalten Lust» und «Bernheim Mode» angestellt. Die restlichen 20 Prozent arbeitet sie freischaffend und engagiert sich in ehrenamtlichen Projekten. Im vergangenen Jahr rief Basan zudem mit drei anderen Personen das erste Wandelbar-Festival ins Leben und unterstützte erstmals mit ihrer Social Media-Arbeit und einzelnen Einsätzen die 23 Sternschnuppen.

Geduld zahlt sich aus

Seit Mai wohnt die Wahloltnerin nun an der Mühlegasse. «Zentral und trotz Baustelle einfach wunderbar», meint Basan lachend. Neben der Arbeit zählt für die lebenslustige Frau auch heute noch das Reisen zu ihrem grossen Hobby. Dabei sind die unterschiedlichsten Formen willkommen. «Kürzlich war ich mit meinen Eltern in Schweden, um mir die Polarlichter anzuschauen und im Sommer reiste ich mit einer Freundin in den Süden Frankreichs, wo wir im Zelt in fremden Gärten übernachten durften», erzählt Basan. Neben der Übersichtlichkeit schätzt die einstige Grossstädterin das reiche Naherholungsgebiet rund um Olten und die guten Anschlüsse ans Bahnnetz für Tagesausflüge. «Ausserdem gehe ich gerne essen und treffe Freunde», freut sich Basan. «Freunde sind allerdings in der Schweiz schwer zu finden. Die Schweizer sind sehr zurückhaltend und es braucht Zeit, um ihr Vertrauen zu gewinnen», weiss die 25-Jährige. Mit Beharrlichkeit hat Basan inzwischen aber zahlreiche Schweizer Herzen erobert und sie weiss, dass sich diese Investition ausbezahlt, denn auf diese Freunde ist Verlass. «Ich besuche meine Familie rund drei Mal pro Jahr. Das letzte Mal reiste ich Ende November nach Hamburg und musste merken, dass die Stadt nicht mehr das ist, was sie mal für mich war. Nach drei Jahren kann ich nun sagen, in der Eisenbahnerstadt angekommen zu sein.» Auch wenn Basan sich durch ihren Willen und ihr Engagement schon sehr als Oltnerin bezeichnen kann, sind wir gespannt sowohl auf ihre Innen- als auch Aussensichten auf die Schweiz und insbesondere auf die Dreitannenstadt.

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