Im Gespräch
22.01.2020

Wenn drei Freunde Musik machen

Drei Freunde, die gemeinsam Musik machen: «Trisma» sind (v.l.) Noby Lehmann, Beat Escher und Tom Gröli. (Bild: Franz Beidler)

Drei Freunde, die gemeinsam Musik machen: «Trisma» sind (v.l.) Noby Lehmann, Beat Escher und Tom Gröli. (Bild: Franz Beidler)

Konzert «Trisma» Wenn das Trio «Trisma» am Sonntag, 26. Januar um 17 Uhr im Oltner Galicia auf der Bühne steht, erklingt nicht einfach ein Konzert. Zu erleben sind drei alte Freunde, die sich auf eine musikalische Reise begeben.

Franz Beidler

Das müsse wohl im Spätsommer des Jahres 2017 gewesen sein, werweissen der Schlagzeuger und Perkussionist Noby Lehmann, der Geiger Beat Escher und der Pianist Tom Gröli. Nach einem langen Probesamstag stehen sie mit Sandwiches in der Hand im Bandraum in der Oltner Rötzmatt und versuchen herauszufinden, wann genau sie «Trisma» eigentlich gründeten. Die Entstehungsgeschichte ihrer Band nachzuzeichnen, ist schwierig, schliesslich kennen sich die Drei schon ihr halbes Leben und fanden nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich immer wieder zusammen. «Also, Beat und ich haben schon Ende der 70er-Jahre zusammen Musik gemacht», stellt Lehmann fest, «da waren wir noch Teenager», endet er den Satz mit einem prustenden Lachen. Gröli spielte mit Escher Ende der 80er-Jahre in einer Winznauer Band und mit Lehmann in den 90ern in «Puls», einer Formation aus Solothurn. «Tom und ich spielten aber auch Sonaten zusammen, also klassische Musik», erklärt Escher. Sowohl er als auch Gröli haben am Konservatorium klassische Musik studiert. Als Trio kamen Escher, Gröli und Lehmann aber erst als «Trisma» zusammen. Plötzlich blickt Gröli von seinem Tablet auf und sagt: «Unsere erste Probe fand am neunten August 2017 statt.» Der Termin sei als «Probe Trisma» in seinem elektronischen Kalender eingetragen. Spätestens damals begann also, was am kommenden Sonntag, 26. Januar um 17 Uhr im Oltner Galicia zu hören sein wird: Die gemeinsame musikalische Reise der Band «Trisma».

Treu dem musikalischen Grundrezept

Auch im Galicia wird «Trisma» ihrem musikalischen Grundrezept treu bleiben: Auf ein virtuoses und penibel einstudiertes Thema, meist aus der Feder Eschers, folgen Improvisationen, die durch kurze Einschübe geschickt strukturiert werden. Weil sich dieses Grundrezept aber nur auf die Form und nicht den Inhalt bezieht, bleibt «Trisma» klanglich vielfältig. «Die meisten Leute schreiben unsere Musik dem «World Jazz» zu», weiss Lehmann und Escher ergänzt: «Eigentlich hat aber jedes Stück sein eigenes Genre.» So kann ein Stück, das mit Tabla und Flötenklang an orientalische Musik erinnert, neben einem stehen, das mit verzerrter Geige und rockigem Schlagzeug eher dem Fusion Jazz zugerechnet werden müsste. Die klangliche Vielfalt braucht allerdings eine gute Rückenmuskulatur, denn «Trisma» reisen mit viel Gepäck an. Während Lehmann neben einem Schlagzeug eben auch Tablas oder ein Djémbe mitnimmt, muss Escher zwei Geigen sowie elektronische Effekte tragen. Im Vergleich scheint Grölis E-Piano leicht transportabel. Doch mit dem Seaboard, einer computergesteuerten Keyboardoberfläche aus weichem Kunststoff, hat auch er ein Zweitinstrument dabei. Die Technik erlaubt es «Trisma», wie eine Grossformation zu klingen, sollte das gewünscht sein. Dabei behalten sie die Vorteile des Trios: «Kleine Besetzungen sind terminlich einfacher zu organisieren», zeigt sich Escher pragmatisch, «ausserdem geniessen wir so mehr Freiheiten.» Eine kleine Formation findet musikalisch meist leichter und schneller zueinander. «Kommunikatives Spielen» nennen es «Trisma».

«Freundschaft ist wichtig für Musik»

Diskutieren Escher, Gröli und Lehmann ihr gemeinsames Musizieren, kommen sie zum Schluss: «Unsere Freundschaft ist wichtig für die Musik.» Gerade in den ausgiebigen Improvisationsteilen müssten sie sich aufeinander verlassen können. Ein Konzert sei eine gemeinsame Reise durch verschiedene Stimmungen, auch das erfordere Vertrauen. «Und wir hemmen uns nicht gegenseitig», fügt Lehmann hinzu. Gäbe es Schwierigkeiten mit einer Passage, werde das offen diskutiert. «Wir arbeiten die Stücke zusammen aus», erklärt Gröli, «das ist ein schöner Prozess.» Diese Arbeitsweise ist ebenso organisch gewachsen, wie die Band. Über zwanzig Jahre lang hatten Lehmann und Escher als Duo «Les Deux» bereits zusammengespielt, als Gröli sie im Jahr 2016 zu seiner Geburtstagsfeier einlud. «Eigentlich als Gäste, nicht als Musiker», erklärt er schmunzelnd. Dennoch spielten ihm «Les Deux» ein Ständchen und bald schon war die Idee des Trios geboren. «Nach all den Jahren im Duo hatten Noby und ich das Bedürfnis nach einer Erweiterung», erinnert sich Escher. Für die gewünschte Position des Pianisten sei nur Gröli infrage gekommen. Fortan fungierte das Trio unter dem Namen «Les Deux Plus». «Der Name hatte bereits eine gewisse Bekanntheit, das wollten wir ausnutzen», zeigt sich Escher marktbewusst. Doch glücklich seien sie damit nicht gewesen, fügt er an. «Für den Anfang war der Name in Ordnung», meint Gröli. Dennoch folgte bald die Suche nach einem neuen Namen. «Triamisu», «Trisonus» oder «Triasphere» standen zur Diskussion, doch die Wahl fiel schliesslich auf «Trisma». «Eine Kombination aus Trio uns Charisma», erklärt Escher. «Und es klingt ähnlich wie Prisma, eine Linse, die das Licht bricht und so das ganze Farbenspektrum zeigt», ergänzt Gröli. Das fanden sie passend. «Zudem war der Name noch für keine Webseite verwendet worden.» Erste Konzerte folgten 2018 unter dem neuen Namen.

Probetage im Piemont

Nach einem Konzert in der Kirche Härkingen im vergangnen Januar kam der Wunsch nach intensiven Probetagen auf. Also unternahmen «Trisma» im Sommer 2019 eine gemeinsame Reise nach Bergolo im Piemont in Italien. Im Anwesen von einem Freund Eschers tüftelte das Trio während vier Tagen an neuer Musik. «Das war intensiv, aber schön», erinnert sich Gröli. Neben dem gemeinsamen Musizieren hätten sie auch das Piemont genossen. «Wir nehmen uns gerne Zeit füreinander», erklärt Lehmann, «dann kommen wir ins Philosophieren», schmunzelt er. Auch das hätten sie im Piemont ausleben können. Die Reise mündete in ein Privatkonzert, das dermassen Anklang fand, dass «Trisma» im kommenden Sommer von der Gemeinde Bergola eingeladen wurde, im dortigen Kulturraum ein Konzert zu spielen. Denn auch im Piemont ist bekannt: Es entsteht eine unvergleichliche Reise, wenn drei Freunde gemeinsam Musik machen.

Konzert von «Trisma»
Sonntag, 26. Januar, 17 Uhr
Galicia, Unterführungsstr. 20, Olten

www.trisma.ch

 

 

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