Im Gespräch
26.02.2020

«Für mich als Musiker ist Olten ideal»

«Das Faszinierende an der Trompete ist, dass ich die Schwingung und den Klang selbst erzeuge», sagt der Musiker Fröhlicher über sein Instrument. (Bild: S. Furter)

«Das Faszinierende an der Trompete ist, dass ich die Schwingung und den Klang selbst erzeuge», sagt der Musiker Fröhlicher über sein Instrument. (Bild: S. Furter)

Stephan Fröhlicher ist Trompeter und ein Draufgänger, der auf dem Mountainbike in unebenem Gelände unterwegs ist. Ein Gespräch über Blechblasinstrumente, Stromerbuden und Mittagspausen.

Von: Sonja Furter

Dieses Jahr wird es für Stephan Fröhlicher am Mountainbike-Etappenrennen «Cape Epic» in Südafrika keine Massage geben. «Ich war zu spät, um das Angebot zu buchen», erklärt Fröhlicher und ergänzt lachend: «Dafür werde ich umso mehr meine Muskeln dehnen.» Der 33-jährige Oltner ist Trompeter und begeisterter Mountainbiker. Musik und Sport haben schon früh in seinem Leben eine wichtige Rolle gespielt. «Als Dreikäsehoch habe ich gerne meinem Vater zugehört, wenn er Trompete gespielt hat. Für mich war klar, dass ich Trompeter werde, wenn ich gross bin.» Und auch Velo sei er eigentlich schon immer gefahren, könne sich an eine Zeit ohne Zweirad gar nicht mehr erinnern. «Später im Gymnasium bin ich jeden Tag mit einem Kollegen im höchsten Gang den «Kanti-Hoger» hinaufgefahren. Natürlich ging es damals immer um die Frage, wer von uns beiden der Schnellere ist.»

Hobby als Beruf

Aufgewachsen ist Fröhlicher zusammen mit seinem älteren Bruder in der Dreitannenstadt. Der Vater arbeitete als Bezirksschullehrer, die Mutter als Sekretärin beim Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst. Damals wie heute sei er ein Draufgänger-Typ, erzählt Fröhlicher. «Was ist auf dem Velo alles möglich, ohne zu bremsen?» Ausserdem beschreibt sich der 33-Jährige als gesprächig und offen. «Ich versuche, authentisch zu sein und mich nicht zu verstellen.» Musik ist dasjenige Hobby, welches Fröhlicher zum Beruf gemacht hat. «Andere Freizeitaktivitäten sind das Biken im Sommer oder das Langlaufen im Winter. Auch lese ich gerne und mag die philosophische und psychologische Auseinandersetzung mit mir selbst.»

Klang und Schwingung

«Mein Ziel war immer, die Matur im Sack zu haben, um Musik studieren zu können», erzählt Fröhlicher, der an der Jazzschule Musiktheorie büffelte und einen Master in Instrumental-Pädagogik abgeschlossen hat. Aktuell unterrichtet er Harmonielehre an der Agostini Drum School Olten, ist Trompetenlehrer an zwei Kantonsschulen und Leiter der Big Band Olten. Ausserdem wirkt er regelmässig in Musical-Produktionen als Trompeter mit und ist Mitglied diverser Bands wie «Molotow Brass Orkestar», «Strawberry Jam» und «Special Quest». «Musik öffnet den Horizont und offenbart eine andere Welt.» Und was fasziniert ihn am Klang der Trompete? «Das kann ich nicht genau sagen», wehrt er ab, um dann doch hinzuzufügen: «Bei der Trompete erzeuge ich den Klang und die Schwingung selbst. Da es ein lautes Instrument sein kann, brauche ich den Willen, mich zu exponieren. Das gefällt mir.» Nebst seiner musikalischen Tätigkeit hilft Fröhlicher auch hin und wieder in einer Stromerbude als Handlanger aus. «Diese Tätigkeit braucht mehr die Hände und weniger den Kopf. Dadurch bietet sie mir einen guten Ausgleich.» Seine Freundin hat Fröhlicher in der Big Band Olten kennen gelernt. Er philosophiert: «Die Musik der Liebe klingt immer anders. Jede Beziehung ist im Fluss, dynamisch und von Wechseln charakterisiert.»

Mittagspause

Seit nunmehr zehn Jahren ist Fröhlicher mit dem Mountainbike unterwegs und fährt aktuell rund drei Mal pro Woche auf die umliegenden Hügel. «Im Wald über Steine zu fahren ist eine technische Herausforderung.» Mit seinem Radkollegen Aldo Nünlist war er bereits 2017 am «Cape Epic», einem Mountainbike-Etappenrennen in Südafrika. Nachdem er damals mit 40 Grad Fieber nach der ersten Etappe abbrechen musste, soll es dieses Mal klappen. «Dieses Jahr werde ich das Rennen fertig fahren», ist Fröhlicher sich sicher. Sein Kollege Nünlist und er haben sich wieder angemeldet. «Obwohl ich der Jüngere bin, plädiere ich bei gemeinsamen Fahrten jeweils für eine längere Mittagsause, während Aldo bereits wieder zum Aufbruch drängt», so Fröhlicher schmunzelnd.

Landei

Über seine Geburtsstadt Olten sagt Fröhlicher: «Ich muss nicht aus Olten rauskommen. Ich kenne die Dreitannenstadt und fühle mich hier sehr wohl.» Allen Auswärtigen, die von Olten nur den Bahnhof gesehen haben, versichere er: «Ihr habt Olten noch nie richtig erlebt.» Gerade dank des Verkehrknotenpunktes und der Züge sei er sehr mobil, sagt Fröhlicher: «Für mich als Musiker ist die Eisenbahnerstadt ideal.» Olten sei gleichzeitig urban wie auch klein und familiär. «In gewisser Weise bin ich ein Landei. Zu städtisch passt mir nicht. Wenn ich in Olten unterwegs bin, treffe ich immer wieder Leute an, die ich kenne.»

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