Im Gespräch
11.03.2020

«Der Hund zählt zu den sozialsten Tieren»

Beat Bleuer mit seiner ungarischen Laufhündin Köri, einem Erdélyi Kopó, die ihm einiges Kopfzerbrechen bescherte. (Bild mim)

Beat Bleuer mit seiner ungarischen Laufhündin Köri, einem Erdélyi Kopó, die ihm einiges Kopfzerbrechen bescherte. (Bild mim)

Beat Bleuer ist bereits als kleiner Junge auf den Hund gekommen. Er erklärt, was Mantrailing ist und wie wichtig eine Führungsrolle in der sozialen Kommunikation mit dem Hund ist.

Von: Mirjam Wetzstein

Die Nase am Boden läuft der Riesenschnauzer scheinbar orientierungslos umher. Doch die Hündin hat den Geruch der zu suchenden Person längst in der Nase und versucht die Fährte zu erschnüffeln. «Gib ihr mehr Leine», rät Beat Bleuer. Nach einem kurzen Verweilen und Herumschnuppern hat die grosse Hündin die Fährte wieder aufgenommen und führt zielstrebig durchs Unterholz, direkt an die Aare. Die Freude ist auf beiden Seiten gross, als der Vierbeiner die zu suchende Person findet, was mit viel Lob belohnt wird.

Mit dem Hund arbeiten

«Ich habe schon immer Hunde gehabt», antwortet der 62-jährige Bleuer, der bereits mit einem besten vierbeinigen Freund an seiner Seite aufgewachsen ist. «Als Erwachsener hatte ich den Hund immer mit dabei, auch wenn ich beispielsweise mit den Pferden unterwegs war», erzählt der gebürtige Oltner, der sich während 20 Jahren in seiner Freizeit dem Reiten widmete und fügt an: «Tatsächlich gearbeitet mit den Hunden habe ich jedoch nie. Es waren Familienhunde.» Dies war so bis zum Jahr 2000 als der Stüsslinger eine Frau beobachtete, die mit ihrem Hund an einer extrem langen Leine unterwegs war. «Ich fragte mich, was das soll und vermutete wieder einen neuen Hype», erzählt Bleuer schmunzelnd. Doch was er gesehen hatte, fasziniert ihn, weshalb er begann, sich über das Mantrailing zu informieren, das ins Deutsche übersetzt so viel bedeutet wie «Menschenspur». Das Mantrailing ist eine Form der Personensuche, die in Amerika ihren Ursprung hat und dort auch verbreitet in der Polizeiarbeit eingesetzt wird. Dabei sucht der Hund anhand eines Gegenstandes oder Kleidungsstücks, das den Duft des Menschen trägt, nach der Person. Der Unterschied zwischen einem Mantrailer und anderen Suchhunden besteht darin, dass der Mantrailer bei der Suche verschiedene menschliche Gerüche voneinander unterscheiden kann und sich trotz vieler Verleitungen ausschliesslich an den Geruchsmerkmalen der gesuchten Person orientiert.

Das Gefühl des erfolgreichen Findens

«Im Jahr 2003 kaufte ich mir einen Bluthund, eine Rasse, die gerne in der Menschensuche eingesetzt wird», erzählt Bleuer, der schliesslich bei Ulla Massen in Deutschland seine Sporen verdiente und bei den amerikanischen Polizeihundeausbildern Jack Shuler und Behesha Grist sowie dem Engländer Alun Williams Weiterbildungen besuchte. «Auch bei uns und in Deutschland absolvierten zu dieser Zeit viele Polizisten mit ihren Hunden die Kurse», so Bleuer, der als Ausbilder für Personensuchhunde und Coach für soziale Kommunikation mit dem Hund tätig ist. «Das Gefühl, gemeinsam mit dem Hund vor einer gesuchten Person zu stehen, stellt die Faszination dar.»

Wer ist der Rudelführer?

Sein verstorbener Bluthund «Quinto» sei im Umgang ein unkomplizierter Hund gewesen. Dies treffe jedoch auch auf seine 14-jährige Spinonehündin «Mira» zu, die stets gut mitgearbeitet habe, im Gegensatz zu seiner 3-jährigen ungarischen Laufhündin «Köri». «Sie ist eine lehrreiche Herausforderung», so Bleuer vielsagend schmunzelnd, der mit ihr bereits in jungen Jahren mit dem Trailen begonnen hatte. «Die üblichen Probleme, welche 90 Prozent der Halter mit ihrem Hund haben, erlebte ich nun ebenfalls», erzählt der Zahntechniker, der seit 29 Jahren mit seinem Kollegen in Olten ein Zahntechniklabor betreibt. Der Stüsslinger suchte deshalb nach einer Lösung, denn die Arbeit mit seinem Jagdhund hinterliess bei dem Hundenarr viele Fragen. «Ich stiess schliesslich auf Hubert Asam, der aus meiner Sicht mit seiner Rangordnungsarbeit nach verhaltensbiologischen Prinzipien der Einzige ist, bei dem die Mensch-Hund-Beziehung artgerecht und deshalb stimmig ist», erzählt Bleuer. «Vor dreieinhalb Jahren habe ich mich erstmals mit meinem Hund Köri mit Hubert Asam getroffen», erzählt Bleuer, der die Ausbildung bei Asam absolviert.

An der Beziehung arbeiten

«Wenn ich manchmal Hundehaltern begegne, frage ich mich, wieso sich diese scheinbar keine Gedanken darüber machen, dass sie offensichtlich mit ihrem Hund keine Kommunikation führen», so Bleuer, der heute überzeugt ist, dass der Halter an der Beziehung zu seinem Hund arbeiten sollte. Um dies zu merken, habe auch er viele Jahre gebraucht. «Die Halter nehmen oftmals die Führungsrolle in der sozialen Kommunikation mit dem Hund nicht wahr. Weder die gespannte Leine oder Futter noch konditionierte Übungen sollten die Beziehung bestimmen», betont der 62-Jährige und fügt an: «Der Hund braucht klare soziale Strukturen, denn er stammt vom Wolf ab und zählt damit zu den sozialsten Tieren überhaupt.» Dabei sei es wichtig, dass der Hund wisse, dass der Halter auf ihn acht gebe. «Gegenseitiges Vertrauen ohne den Hund zu vermenschlichen. Doch es geht nicht um Unterordnung, sondern darum eine soziale Absprache auf einer Ebene zu treffen, die der Hund versteht, ohne Leine und Leckerlis», erklärt Bleuer, der jeweils am Mittwoch mit seiner Hündin Köri trainiert, natürlich nicht auf einem Platz, sondern ohne begrenzende Zäune. Am Wochenende erteilt der Stüsslinger Mantrailing-Kurse oder besucht selbst Weiterbildungen, teilweise auch im Ausland. Angesprochen auf sein zeitintensives Hobby meint Bleuer, der mit seiner Partnerin in Stüsslingen wohnt, mit einem Lachen: «Ja, da muss man wohl angefressen sein.»

Führung durch Beziehung, Beat Bleuer
T 079 685 45 51, E beat.bleuer@bluewin.ch

www.die-unsichtbare-leine.ch

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