Im Gespräch
25.03.2020

Quartierladen in neuen Händen

Isabelle Hachen (l.) und Regula Jäger (r.) übergeben per 1. April ihren Quartierladen im Kleinholz an Rebekka Häfeli vom Verein WG Treffpunkt. (Bild: mim)

Isabelle Hachen (l.) und Regula Jäger (r.) übergeben per 1. April ihren Quartierladen im Kleinholz an Rebekka Häfeli vom Verein WG Treffpunkt. (Bild: mim)

Quartierladen Kleinholz / Quartierladen Chlyformat Nach rund zweieinhalb Jahren übergeben die Geschäftsführerinnen Isabelle Hachen und Regula Jäger ihren Quartierladen im Kleinholz per 1. April an den Verein WG Treffpunkt.

Von: Mirjam Wetzstein

Um 9 Uhr morgens herrscht gemütliches, jedoch stetiges Treiben im Quartier-laden im Oltner Kleinholz. Ein Lieferant lädt seine Waren ab, ein älterer Herr streift zwischen den Regalen hindurch und ein Mann in Arbeitskleidung bedient sich am Automaten in der Café-Ecke. Regula Jäger begleitet währenddessen zwei Mädchen durch den Quartierladen und hilft ihnen Punkt für Punkt der Einkaufsliste abzuhaken.

Energie reicht nicht mehr

Vor zweieinhalb Jahren erfüllten sich die beiden Schwestern Isabelle Hachen und Regula Jäger den Traum aus Kindertagen und eröffneten ihren eigenen «Chrämerliladen». Einen Monat nach der Eröffnung erhielt Isabelle Hachen die Diagnose Krebs. Zwar gehe es ihr viel besser, erzählt sie, trotzdem reiche die Energie nicht mehr für ein eigenes Geschäft. Deshalb suchten die Schwestern nach einer Nachfolge, die sie schliesslich im Verein WG Treffpunkt und Rebekka Häfeli als neue Betriebsleiterin fanden. «Der eigene Laden war eine schöne Sache. Wir haben etwas Gutes aufgebaut, das wir nun übergeben können», sind sich die beiden einig. «Der Quartierladen ist mit seiner Café-Ecke zudem ein Treffpunkt für die unterschiedlichsten Personen geworden», freuen sich die Schwestern. Momentan ist diese jedoch weggeräumt. Auf die Frage, ob sie in den vergangen Tagen überrannt worden seien, meint Hachen: «Wir haben auf jeden Fall eine Zunahme an Kundschaft gehabt.» Dabei habe es sich jedoch nicht um Hamsterkäufer gehandelt, sondern um Personen, die nun im Homeoffice arbeiten würden und beispielsweise ihr Mittagessen eingekauft hätten. «Wir bedauern, dass wir in Anbetracht der aktuellen Situation den geplanten Abschiedsapéro nicht durchführen können. Deshalb möchten wir uns auf diesem Weg bei unserer treuen Kundschaft bedanken», so die Schwestern.

Entscheidung abgenommen

«Für den Verein WG Treffpunkt war es seit dem vergangenen Sommer ein Thema, einen kleinen Laden zu eröffnen, um zusätzliche Integrationsplätze zu schaffen. Damals war noch unklar, ob dies auf der «grünen Wiese» geschehen oder etwas Bestehendes übernommen werden soll», erzählt die zukünftige Betriebsleiterin Rebekka Häfeli. Mit der Suche nach einem Nachfolger im vergangenen Sommer hatten die beiden Schwestern der Institution die Entscheidung abgenommen. WG Treffpunkt erbringt sozialtherapeutische und integrative Dienstleistungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, wie der Verein auf seiner Webseite schreibt. Das Angebot beinhaltet mehrere Wohnheime und -gruppen, ambulante Angebote, Arbeitsbereiche, Klein-firmen und Beratungsstellen.

Sprung ins kalte Wasser

In den Bereich Lebensmittel sei sie mittels Kursen seit einiger Zeit daran, sich einzuarbeiten, erzählt Häfeli, die bis anhin in ihrem erlernten Beruf als Augenoptikerin und Kontaktlinsenspezialistin tätig war und wie Regula Jäger selbst im Kleinholz-Quartier wohnt. Die gebürtige Lostorferin unterstützt den Verein WG Treffpunkt seit einigen Jahren ehrenamtlich. «Ich habe beim Aufbau des Jugendhauses in Trimbach mitgeholfen, das acht Wohnplätze anbietet», erzählt Häfeli. «Geschäftsführer Marcel Bürge hat mich schliesslich im vergangenen Sommer angefragt, ob das Führen eines solchen Ladens nicht etwas für mich wäre», erzählt die 35-Jährige, die bis im Februar die vorangegangenen Arbeiten neben ihrer Tätigkeit als Augenoptikerin gestemmt hat. «Es war eine zeitintensive aber mit der Entwicklung des Ladens auch eine schöne Phase», betont Häfeli. Ab April wird die neue Betriebsleiterin von einer ausgebildeten Verkäuferin und einem Lehrling unterstützt. Zudem werden Personen aufgrund des Integrationsmassnahmen-Auftrags mitarbeiten. «Bei diesen Mitarbeitern variiert das Pensum je nach Belastungsmöglichkeit, welches schliesslich stetig aufgebaut werden soll», erzählt Häfeli. Zudem soll das Team durch zwei bis drei Springer unterstützt werden, zu denen auch Regula Jäger gehört. «Ich werde einspringen, wenn Not an der Frau ist», meint die 56-Jährige lächelnd.

Kleinere Anpassungen vorgesehen

Die Verkaufsfläche des Ladens soll gemäss Häfeli vorerst mehrheitlich gleich bleiben. Auch die regionalen Produkte, wie die Eier vom Ruttigerhof in Olten, Bio-Quark vom Schlatthof in Wolfwil, Fleischwaren von Bigler in Büren an der Aare, Gemüse vom Kreuzplatzhof in Boningen, Brot von Fredy’s in Baden sowie Produkte von «So natürlich» der Region Thal werden weiterhin im Quartierladen erhältlich sein. Aktuell geplant sei jedoch eine Umgestaltung der Café-Ecke. «Wir haben mit der eigenen Schreinerei viele Möglichkeiten für eine individuelle Gestaltung», zeigt Häfeli erfreut auf. Wann diese Ecke fertiggestellt werden kann, sei in Anbetracht der aktuellen Situation schwierig zu sagen, erklärt Häfeli und fügt an: «Vielleicht im Juni. Auf jeden Fall hoffen wir erst mal am Mittwoch, 1. April am Nachmittag um 14 Uhr, wie beabsichtigt, unsere Quartierladen-Türe öffnen zu können.» Bis dahin gibt es aber noch einiges zu tun. «Es müssen alle Produkte in das in der vergangenen Woche gelieferte neue Kassensystem eingespiesen und das Personal eingeführt werden», erzählt Häfeli, die ihre Familie mit den Gottenkindern als grösstes Hobby bezeichnet und ihren Ausgleich bei Gesellschaftsspielen, beim Wandern sowie mit dem Besuch von Theatervorführungen, Musicals und an Poetry Slams findet. Nervös sei sie zumindest momentan noch nicht. «Ich bereite mich ja bereits seit dem vergangenen Sommer auf diese Tätigkeit vor», meint Häfeli lachend.



Angebot für Risikogruppe

Der Quartierladen Kleinholz, respektive der Quartierladen Chlyformat, bietet in Zusammenarbeit mit Collectors für Menschen, welche in die Risikogruppe gehören, einen Bestelldienst an. Die Liefer- und Kassierpauschale pro zwei Taschen beträgt zehn Franken. Der Service gilt für Olten, Trimbach und Starrkirch-Wil.

Bestelldienst

Quartierladen Kleinholz
T 062 213 83 81

ab 1. April: Quartierladen Chlyformat
T 062 205 46 00
E hallo@chlyformat.ch
Bestellungen per E-Mail mit Angabe der Telefonnummer für allfällige Rückfragen
www.wgtreffpunkt.ch

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