Im Gespräch
10.06.2020

Der Gesellschaft zuliebe

Elmar Buchmüller an seinem Wohnort, dem Engelberg ob Dulliken: «Wenn ich dieses Panorama sehe, dann bin ich zu Hause.» (Bild: Franz Beidler)

Elmar Buchmüller an seinem Wohnort, dem Engelberg ob Dulliken: «Wenn ich dieses Panorama sehe, dann bin ich zu Hause.» (Bild: Franz Beidler)

Elmar Buchmüller Zuerst die Kindheit in der Jungschar, dann die Lehre in der Wirtschaftskrise und nun der Einsatz für die Sanität: Vielfältig war der Alltag von Elmar Buchmüller schon immer. Abwechslung sei halt seine Sucht.

Von: Franz Beidler

Wenn er mit dem Auto von Bern oder Basel nach Dulliken und dann den Engelberg hochfahre, dann tauche er in eine andere Welt ein. «Wenn ich dieses Panorama sehe, dann bin ich zu Hause», sagt Elmar Buchmüller. Dabei wollte der 29-Jährige vor vier Jahren eigentlich gar nicht hier hinziehen. «Da bin ich weg von allem», lautete sein Einwand, als ihn seine Freundin Joana von einer Besichtigung einer Wohnung auf dem Engelberg zu überzeugen versuchte. Joana setzte sich schliesslich durch und bald darauf zog das Paar um. «Da bin ich weg von allem», begründet Buchmüller seither, warum er so gerne auf dem Engelberg wohnt. Bern, sein Studienort und Basel, sein Arbeitsort, rücken hier schnell in den Hintergrund. Buchmüller befindet sich in Ausbildung zum Rettungssanitäter und arbeitet für die Sanität Basel-Stadt. Das bringt unübliche Arbeitszeiten mit sich: zwei Mal Tagschicht, dann zwei Mal Nachtschicht, jeweils von sieben Uhr bis sieben Uhr. «Nach 48 Stunden im Einsatz innerhalb von vier Tagen bin ich ziemlich groggy», sagt Buchmüller. Danach hat er vier Tage frei. An denen arbeitet er an seiner Diplomarbeit oder lernt für die Abschlussprüfung. Im März des nächsten Jahres schliesst er die Ausbildung ab. Es ist seine zweite.

Lehrantritt bei Wirtschaftkrise

Als erste Ausbildung machte Buchmüller eine Lehre als Polymechaniker. «Bei der Bernex in Olten», erzählt er. Er habe noch Ersatzteile für Saurer-Lastwagen hergestellt, «ein letzter Hauch einer vergangenen Epoche.» Doch mit seinem Lehrantritt im Jahr 2008 brach die Weltwirtschaft ein. Die Firma führte Kurzarbeit ein und die Angst vor Entlassungen ging um. Für den frischen Lehrling Buchmüller war das eine prägende Erfahrung: «Mir wurde klar, dass das kein sicherer Job ist.» Dabei arbeitete er gerne mit den Händen. Später, bei der ZMB in Schönenwerd, fertigte er Prototypen nach Kundenwunsch an. «Schweissen, bohren, verzweifeln dann zersägen», beschreibt Buchmüller seinen damaligen Arbeitsablauf lachend. Die unvorhersehbaren Probleme von Prototypen zu lösen, brachte viel Abwechslung. «Meine Sucht», sagt Buchmüller lächelnd. An dieser Arbeit habe er immer Freude gehabt, «das ist höchste Lebensqualität.» Trotzdem wollte er sich beruflich neu ausrichten und erinnerte sich an seinen alten Berufswunsch, eben jenen des Rettungssanitäters. «Den Entschluss habe ich nie angezweifelt», sagt Buchmüller. «Ich bin ziemlich vergesslich, das ist mein Schutzmechanismus», witzelt er und erklärt dann: «Ich kann in meinem Kopf die Schublade aufmachen und mich erinnern, wenn ich das will.» Gesichter von Verunfallten würde er aber vergessen, denn: «Um eine Beziehung zu den Patienten aufzubauen, bleibt gar keine Zeit.» Selten, nur manchmal, vermisse er die Arbeit mit den Händen und den etwas raueren Umgangston unter Mechanikern. «Unkompliziert», beschreibt ihn Buchmüller.

Tanzen und «mit den Jungs essen»

«Man lebt schon etwas an der Gesellschaft vorbei», kommentiert Buchmüller seine ungewöhnlichen Arbeitszeiten. Umso wichtiger sind ihm die fixen Verabredungen: Mit Joana geht er jeden Mittwochabend tanzen: Salsa, Rock’n’Roll oder Boogie Woogie. Und jeden zweitletzten Freitag im Monat geht er «mit den Jungs essen.» Acht Leute seien sie, die zusammen in Gretzenbach, Däniken und Niedergösgen aufwuchsen. «Alle gingen irgendwann zusammen in die Schule», erzählt Buchmüller. Und mit manchen von ihnen ist er im Cevi in Gretzenbach zusammengewachsen, obwohl er aus dem Dorf schon als 6-Jähriger wegzog, «nach Niedergösgen», erinnert er sich. Sein damaliger Nachbar leitete eine neue Gruppe der Jungschar und lud Buchmüller ein. Unzählige Samstagnachmittage und so manches Ferienlager verbrachte er mit dem Cevi. «Da entstehen Freundschaften fürs Leben.» Im Alter von 15 Jahren absolvierte Buchmüller den Hilfsleiterkurs, mit 18 die Leiterausbildung von Jugend und Sport. Für das 20-jährige Jubiläum des Cevi Gretzenbach im Jahr 2013 half Buchmüller mit, ein Fest zu organisieren. «Aus dem OK des Fests entstand schliesslich ein Verein», erzählt Buchmüller. So gehört er zu den Gründungsmitgliedern des Jugendvereins Cevi Gretzenbach, war lange Vorstand und Vizepräsident. «Dank dem Cevi bin ich bis heute in Gretzenbach verwurzelt», sagt Buchmüller. So steht er stets am Gretzenbacher Beizlifest im Röstizelt des Cevi im Einsatz. «Das ist einfach Kult.» Schliesslich lernte er vor zehn Jahren auch Joana im Cevi kennen. «Drei Monate später waren wir ein Paar», erinnert sich Buchmüller. «Sie sagt, wir hätten schon zusammen den Kindergarten in Gretzenbach besucht, bevor ich wegzog», erzählt Buchmüller schmunzelnd. «Ich erinnere mich aber nicht daran.» An seinen freien Tagen kocht er für sie beide. «Alles, ausser Fenchel.» Obwohl er den immer wieder probiere, habe er ihn noch nicht lieben gelernt. Irgendwann will Buchmüller wieder Theater spielen, wie er es als Jugendlicher tat. «Wegen dem Gruppenerlebnis.» Er geniesse Gesellschaft. «Mir kann man mit purer Anwesenheit alleine schon eine Freude bereiten», bestätigt Buchmüller lachend. Deshalb freue er sich immer über Besuch, auch spontanen. «Ich bin nicht so gerne verplant.»

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