Einhändig

Daniel Kissling, Kulturschaffender und Barkeeper. (Bild: M. Isler)
Daniel Kissling, Kulturschaffender und Barkeeper. (Bild: M. Isler)

Was ich diese Woche gelernt habe: Mit Baby auf dem Arm schreiben, funktioniert nur mässig. Zwar ist meine Tochter noch klein, ein Unterarm reicht ihr noch als Schlafplatz. Auf dem liegt sie dann wie ein Faultier, ihr Köpfchen in meiner Armbeuge, die Beinchen in der Luft, der Sabber auf meinem Pulli und könnte nicht friedlicher schlummern, doch einhändig tippen schaff ich nicht. Die Spülmaschine, ja, die lässt sich so ausräumen und die Kaffeemaschine anstellen, die Zeitung holen und sogar umblättern, doch mit dem Schreiben ist das eine andere Sache.

Dabei fällt mir das Verfassen dieser Kolumne nicht nur aus motorischen Gründen schwerer als sonst. Es ist das erste Mal, dass ich über meine Tochter schreibe und übers Vatersein. «Das Vatersein», das Wort gibt es laut Duden, komisch klingt es trotzdem. Was bedeutet das? Was macht das mit mir? Werde ich jetzt nur noch übers Glücksgefühl reden, das einen durchaus erfüllt, wenn die kleine Tochter einen nach dem Wechseln der Windeln anlächelt? Im Stadtrat für Spielplätze auf Kosten der Kultur votieren? Und mich hier an dieser Stelle darüber auslassen, dass es an manchen Bahnhöfen noch immer nur Treppen und keine Rampen gibt und das mit dem Kinderwagen schon verdammt mühsam ist?

Ich verspreche, das nicht zu tun. Das Vatersein löscht meine anderen «Seins» ja nicht aus, weder das Autorsein, das Linkssein, noch das Rauchersein (ausser es geht nach meiner Freundin) und auch das Oltnersein nicht. Es wandelt sich einfach. Plötzlich freue ich mich auf den neuen Generationenspielplatz, der derzeit im Stadtpark fertiggebaut wird, nicht mehr nur aus gesellschaftlichen Gründen. Und plötzlich hab ich eine prima neue Entschuldigung fürs zu späte Abliefern meiner Texte.

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