Kolumne
17.11.2021

Langmut

Stefan Nünlist, Leiter Unternehmenskommunikation und Politiker.
         
         
            
               (Bild: Dominik Hetzer)

Stefan Nünlist, Leiter Unternehmenskommunikation und Politiker.

Von: Stefan Nünlist

Der Vorteil des fortgeschrittenen Alters ist das Wissen um die eigenen Schwächen. Mit 30 ärgert man sich noch über all die Unzulänglichkeiten dieser Welt. Im Verlauf des Lebens erkennt man, dass Ursachen von Unmut weniger mit dem Fehlverhalten anderer als vielmehr mit eigenen Schwächen und Einstellungen zu tun haben.

So eine Unzulänglichkeit von mir, als im Tierkreis Schütze mit Aszendent Zwilling Geborenem, ist das Verhältnis zur Zeit oder besser gesagt meine latente Ungeduld. Bei genauerem Überlegen weiss ich zwar oft nicht, warum ich in Eile bin. Ob ich etwas länger auf einen verspäteten Zug warte, jeden Morgen eine gefühlte Ewigkeit vor den Fussgängerampeln auf dem Weg zum Oltner Bahnhof stehe oder die Sanierungen von Strassen in unserem Städtchen oder im Kanton endlos dauern: Im Grunde spielt das keine grosse Rolle. Wäre es klüger, anstatt sich zu ärgern und zu schimpfen, sich in Langmut zu üben? Auch das Warten als kostbare Lebenszeit zu betrachten und so eine versöhnliche Brücke zwischen sich und den vermeintlichen Zeitfressern zu bauen?

Situationen, die unsere Hatz bremsen und uns die Relativität der Zeit in Erinnerung rufen, sind Chancen der persönlichen Entwicklung. Unter diesem Gesichtspunkt gilt es, die diversen unkoordinierten Ampeln in unserer Stadt und die Dauer, mit der etwa der Bahnhofquai, die Jura- oder die Hübelistrasse in Olten oder die Hauptstrasse nach Solothurn saniert werden, in einem anderen Licht, vielleicht sogar mit Dankbarkeit den zuständigen Behörden gegenüber zu betrachten. Und falls Sie mich mal bei Rot genervt über die Strasse huschen sehen – auch ich bin noch daran, mich in Langmut zu üben.

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