Kolumne
07.04.2022

Der, die, das Schweizerdeutsch

Finja Basan, Wahloltnerin und Kommunikationsmitarbeiterin.
         
         
            
               (Bild: Timo Orubolo)

Finja Basan, Wahloltnerin und Kommunikationsmitarbeiterin.

Von: Finja Basan

Du hast übrigens inzwischen einen leichten Schweizer Akzent haha», das war erst vor kurzem eine Antwort auf eine meiner Voice Mails. Die ging von mir an meinen ehemaligen Hamburger Mitbewohner. Wir hatten lange keinen Kontakt, und was er als Schweizer Akzent erahnt, ist mein Singsang. «Ich rede erst wieder mit dir, wenn du deine Sätze anständig betonst», sagte mir meine Mutter schon vor etwa drei Jahren im Scherz, als ich sie in Hamburg besuchte und meine hochdeutschen Sätze fröhlich und freundlich schweizerisch vor mich hin sang. Nach zwei Tagen war ich dann zurück in der Monotonie und wieder akzeptiert.

Was blieb und bleibt sind die Schweizer Wörter, die sich in meinen Sätzen verstecken – natürlich eingedeutscht. Ich gehe mittlerweile in den Ausgang, weil das deutsche «Feiern» manchmal echt übertrieben klingt, ich esse eine Glace oder muss noch schnell mein Velo holen. Ich frage auch manchmal aus Versehen, ob`s no guet gsi esch, weil «war es noch ein schöner Abend?» viel zu lang und unhandlich ist. Und ich betone die WG oder das WC ganz selbstverständlich auf dem falschen Buchstaben.

Aber es gibt Dinge, da hört bei mir die sprachliche Integration auf. Das ist der Moment, wenn das Spray zu der Spray und die Butter männlich wird, wenn die Mehrzahl von Sneaker ein «s» erhält. Die Mohrrübe wird nicht zum Rüebli und der Flur nicht zum Gang.

Und spätestens als ein Deutscher mich letzte Woche fragte, ob ich einen deutschen Akzent habe, und meine Kollegin ergänzte, ich klänge manchmal schwäbisch, machte ich mir ernsthaft Gedanken um mein Hochdeutsch und diese Phase der Integration. Ist das nun vielleicht der Punkt, an dem andere Deutsche entschieden, komplett auf Schweizerdeutsch switchen? Denn um Himmels Willen: Eine Hamburgerin ist keine Schwäbin – Autsch!