Kolumne
16.01.2019

Das Los der Heimat

<em>Rhaban Straumann</em>, Schauspieler, Satiriker und Autor. (Bild: Anthony Troy)

Rhaban Straumann, Schauspieler, Satiriker und Autor. (Bild: Anthony Troy)

Rhaban Straumann

Heimat ist zeitlos. Das lehrt viel Liedgut. Oft leidlich gut, das Lied, manchmal weniger. Inhaltlich mehrheitlich einseitig. Es werden derart viel Berge, frische Luft und andere Klischees kitschig besungen, dass ich mich zuweilen frage, ob dereinst heimatlos wird, wer heute bei diesem Schönwetterpop nicht mit einstimmen will? Der Begriff Heimat darf nicht eng-spurig von guten Geschäftsleuten oder einseitigen Parteien für sich beansprucht werden. Drum tut es gut, sich damit auseinanderzusetzen. Es ist simpel. Heimat ist emotional. Das macht es kompliziert. Meine Heimat ist z.B. dort, wo ich gerne Steuern zahle. Auch mehr. Dort, wo ich mich im gleichen Masse über die Pakete mit Logo von Zalando ärgere wie ich mich über die Standhaftigkeit oder Neueröffnungen von kleinen Läden freue. Da, wo ich Lust habe, mich in drei Vereinen zu engagieren und gleichzeitig rasend werde, ob all dem illegal auf Stadtgebiet deponiertem Abfall. Daheim fühle ich mich da, wo es möglich ist, leidenschaftlich über Politik zu streiten, wo es mir die Sprache verschlägt, wenn jemand eine wachsende Stadt als tote Stadt bezeichnet und ich auf dem Heimweg in dieser mutmasslich toten Stadt denken kann, hier bewegen sich unglaublich viele vife Geister. Heimat ist dort, wo ich den Barbesitzer einen Freund nennen darf. Heimisch, fühle ich mich da, wo unaufgeregte, ehrliche Begegnungen stattfinden. Wo ich mich frei fühle. Aufgehoben fühle ich mich dort, wo Menschen nie aufhören sich zu bilden, neugierig bleiben, sich heraus- fordern lassen, weil ihnen die Zukunft über das eigene Sein hinaus am Herzen liegt. Das macht Heimat zeitlos. Zerbrechlich heimatlos. Das Los der Heimat.

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