Kolumne
23.01.2019

Mehr als das

<em>Daniel Kissling</em>, Kulturschaffender und Barkeeper. (Bild: M. Isler)

Daniel Kissling, Kulturschaffender und Barkeeper. (Bild: M. Isler)

Daniel Kissling

Ich sitze zu Hause am Esstisch, starre auf mein Handy und bin wütend. Den Grund dafür ganz offen genannt: Parkplätze.Beziehungsweise das neue Oltner Parkplatzreglement, welches anfang Februar zur Abstimmung steht. Die Debatte ist emotional. Würde sie in einer Beiz geführt, es würde wahrscheinlich geschrien und geflucht. Auf Facebook werden stattdessen wütende Smilies verteilt und Grossbuchstaben verwendet. Und ich ärgere mich mit, vor allem natürlich über jene, die nicht meiner Meinung sind. Und tippe meinen Ärger in die Kommentarspalten.

Irgendwann aber halte ich inne. Parkplätze. Wir empören uns über Parkplätze. Dass sie vielleicht bald einen Franken pro Stunde kosten könnten oder eben nicht. Wir werfen uns gegenseitig Schlagworte wie «Fake News» und Propaganda und Meinungsdiktatur an den Kopf wegen Parkplätzen. Die Reglementsgegner beschuldigen den Stadtrat, das Wahlvolk zu belügen wegen Parkplätzen. Wir Reglementsbefürworter unterstellen dem Referendumskomitee Egoismus und Lobbyismus wegen Parkplätzen. Verfolgt man die Diskussion, so könnte man fast auf die Idee kommen, es sind Parkplätze, welche über Oltens Gedeih oder Verderben ent-scheiden würden.

«Empört euch!», schrieb der französische Widerstandskämpfer und Diplomat Stéphane Hessel in seinem gleichnamigen Bestseller 2010 und forderte damit die Gesellschaft auf, nicht einfach hinzunehmen, was schief läuft auf der Welt, sondern dagegen auf-zustehen. An Parkplätze beziehungsweise an deren Reglementierung in einer Kleinstadt am Jurasüdfuss hatte Hessel dabei wohl eher nicht gedacht. Überflüssig ist sie deswegen aber nicht. Dass wir uns trotzdem darüber aufregen, zeigt, dass mehr dahinter steckt. Darüber müssen wir reden – auch nach der Abstimmung noch.

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