Kolumne
30.01.2019

Schritt für Schritt

<em>Urs Bloch</em>, Mediensprecher.

Urs Bloch, Mediensprecher.

Urs Bloch

Nach dem letzten Ton gab es ein verschmitztes Lächeln und die Hand zum Gruss von der Empore der grossen Orgel herab. Ende Jahr spielte Hansruedi von Arx als Organist der Oltner Martinskirche nach weit über 30 Jahren Berufstätigkeit offiziell den letzten Ton. Mit dem selbst gewählten Stück am Ende des Gottesdienstes zog er noch einmal alle Register dieses imposanten Instruments und seines Könnens. Die wenigsten Menschen nehmen in einer Kirche Abschied, meist ist es profaner: Nach dem Apéro im Kreis von Arbeitskollegen geht es mit ein paar Habseligkeiten in der Papier-Tragtasche aus dem Gebäude, in dem man jahrelang seinen Werktag verbrachte. Vielleicht gibt’s noch einen Blick zurück und einen Kloss im Hals. Dabei kommt das Abschied- nehmen nicht erst im Pensions-alter. Kaum sind wir auf der Welt, werden wir abgenabelt und schon bald trinken wir ein letztes Mal von Mutters Brust. Von da an wird das Abschiednehmen zum Schatten, der Zeit unseres Lebens nicht von uns weicht.

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. So manchem Abschied wohnt eine Trauer inne. Doch nicht immer tippt uns «das letzte Mal» auf die Schultern. Häufig ist uns gar nicht bewusst, dass wir etwas zum letzten Mal machen, weil wir den Weg nicht kennen, der vor uns liegt. Zum letzten Mal seinen Nächsten küssen, zum letzten Mal als Kind draussen spielen, den letzten Schluck Rotwein trinken, einen letzten Blick auf die Weiten des Meeres werfen. Hätte der Mensch ein Bewusstsein für solche Momente, es wäre eine sehr grosse Last. Doch das Leben lehrt uns seit dem ersten Schritt, dass es immer wieder einen nächsten gibt. Ist der letzte Ton verhallt, folgt der Auftakt zum nächsten, vielleicht sehr wohlklingenden, Stück.

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