Kolumne
24.04.2019

Osterfrieden

<em>Urs Bloch</em>, Mediensprecher.

Urs Bloch, Mediensprecher.

Urs Bloch

Die warme Sonne treibt uns raus aus der Stadt, immer tiefer in den Frühling hinein. Bannwald –Rumpelhöhe – Homberglücke. Das spröde Laub unter den Füssen knistert bei jedem Tritt. Der Wald ist eine einzige Konzerthalle für Vögel, sie singen und trillern, als gäbe es kein Morgen mehr. Überall verlässt zartes Grün das Braun des Bodens und entkommt der Enge der Äste. Die Blüten der Buschwindröschen bringen Nahrung - den Insekten zum Überleben, den Menschen zum Staunen. Schaut her, wir sind wieder da!

Oben schweift der Blick nach Ifenthal, zur stolzen Katharinenkirche, über Hauenstein hinaus bis zur Wisner Flue und zur Froburg. Die Wiesen sind mit Löwenzahn überzogen, als hätte ein Sämann aus grosser Höhe mit ausladender Bewegung gelbe Punkte über das Grün gestreut. Gäbe es eine Rangliste für bekannte Frühlingsbotschafter, der Löwenzahn wäre weit oben. Seine Pfahlwurzeln reichen bis zu einem Meter tief in den Boden. Diese Blumen lassen sich nicht leicht vertreiben. Vor gut 100 Jahren stachen italienische Immigranten in Trimbach Löwenzahn auf den Feldern, um aus den Blättern Salat zu machen. Das gab zu reden. Die halten sich nicht an die Regeln, die Italiener, hiess es.

Zurück geht’s an Erliflue und Horn vorbei. Die Stalltüren sind weit offen, das Vieh geniesst den Auslauf. Am Waldrand recken die Schlüsselblumen ihre schmalen Hälse. Als Kinder haben wir sie gepflückt und damit das Osternest ausgelegt. Was doch alles passiert ist seit damals. Beim Blick zurück, werfe ich Gutes und Schlechtes in die Waagschalen. Die Schlüsselblumen scheinen sich am Lauf der Zeit nicht zu stören, sie zeigen sich Frühling für Frühling in ihrer grazilen Anmut. Irgendwie tröstlich.

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