Kolumne
12.06.2019

Mann meint es gut

<em>Daniel Kissling</em>, Kulturschaffender und Barkeeper. (Bild: M. Isler)

Daniel Kissling, Kulturschaffender und Barkeeper. (Bild: M. Isler)

Daniel Kissling

Eigentlich hab ich mir ja vorgenommen, hier nicht mehr so viel Politisches zu schreiben. Weniger belehren, den Mahnfinger für eine Weile in der Hosentasche lassen. «Du hörst bei Diskussionen gar nicht zu, weil du sowieso glaubst, alles besser zu wissen», blaffte mich meine Schwester vor einer Weile mal an. Das sass, auch weil sie wohl nicht ganz unrecht hatte damit.

«Mansplaining» nennt man das, wenn ein Mann einer Frau die Welt erklärt. Gut gemeint wahrscheinlich, aber meist ungefragt, meist ohne besondere Qualifikation und nicht selten auch in, drücken wir es nett aus, sehr selbstbewusster Art und Weise.

Gut gemeint sind wohl auch die vielen Voten und Ratschläge, die Männer derzeit zum nationalen Frauen*streik, der diesen Freitag stattfindet, von sich geben. Ob Altlinke, die ihren Genossinnen erklären, was das Wort «Streik» genau bedeutet, ob vermeintliche Feministen, die den Forderungskatalog kritisieren oder sich von Veranstaltungen, an welchen nur Frauen erwünscht sind, diskriminiert fühlen – auch in der Sache der Frau* scheinen sich manche Männer besser berufen.

Natürlich geht das Thema Gleichberechtigung uns alle etwas an. Natürlichen dürfen, ja sollen auch wir Männer uns damit auseinandersetzen und wo gefragt (!) mitdenken und vor allem mithelfen. In Olten beispielsweise unterstützen Männer die Aktionen des Frauenstreikkomitees, indem sie Zelte und Bänke aufstellen, das Essen servieren und danach sauber machen. Mann kann auch bei der Arbeit Schichten von Kolleginnen übernehmen, kann zuhause auf die Kinder aufpassen und somit die Teilnahme möglichst vieler Frauen ermöglichen. Oder: Mann kann auch einfach mal den Schnabel halten.

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