Kolumne
19.06.2019

Bello und die Lasagne

<em>Urs Bloch</em>, Mediensprecher.

Urs Bloch, Mediensprecher.

Urs Bloch

Was machen eigentlich Hundehalter mit ihren Tieren den ganzen Tag? Ich weiss es nicht, weil ich keinen Hund halte. Aber eines weiss ich: Hundehalter unterrichten ihre Tiere nicht im Lesen. Sonst wüssten diese, was es bedeutet, wenn irgendwo auf ihrem täglichen Spaziergang «Hier kein Hunde-WC» steht. Meine jahrelangen Beobachtungen haben mich zur festen Überzeugung gebracht, dass Hunde ein solches Schild weder lesen noch verstehen können.

Ja, lesen müsste man können. Das ist auch in Zeiten der Bilderflut manchmal praktisch. So liest man schon am Morgen unter der Dusche, dass der Inhalt einer Tube «strahlendes Blond und perfekte Geschmeidigkeit» verspricht. Da bin ich wohl die falsche Zielgruppe und nehme deshalb das nächste Gebinde. «Do good, and good will come your way», heisst es hier. Das ist doch mal ein Start in den Tag.

Später beim Zubereiten der Lasagne tönt es handfester: «Ohne Vorkochen» lese ich auf der dunkelblauen Packung mit den Teigblättern aus Italien. Eine Zeile darunter steht «Ingen Förkokning». Alter Schwede! Die Zutaten-Tabelle auf der Teigwarenpackung gibt es ausserdem auf Englisch, Finnisch, Norwegisch, Portugiesisch und Spanisch.

Ich stelle mir vor, wie in all diesen Ländern irgendwo eine Frau oder ein Mann an den Töpfen steht, um für die Familie eine Lasagne vorzubereiten. Und jedes dieser Gerichte würde wohl ein bisschen anders schmecken, obwohl wir sie alle als Lasagne bezeichnen. Auch wenn unsere Küchen anders aussehen und das Essen unterschiedlich schmeckt, verbindet uns etwas: Das Bedürfnis nach Bildung, nach Hygiene und der Wunsch, täglich etwas auf dem Teller zu haben. Darum, und nur darum, geht es den allermeisten Menschen auf diesem Planeten. «Ingen Förkokning».

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