Kolumne
26.06.2019

Liebe Iris Schelbert und liebe Marion Rauber

<em>Irène Dietschi</em>, Journalistin. (Bild: Daniela Friedli)

Irène Dietschi, Journalistin. (Bild: Daniela Friedli)

Irène Dietschi

Am 14. Juni sind auch in Olten Hunderte von Frauen (und viele solidarische Männer) für den Frauenstreik auf die Strasse gegangen. Auf dem Kirchplatz wurde getanzt und gesungen, performt und geredet. Das lokale Frauenstreikkomitee hat an Sie beide qua Ihrer Ämter Forderungen übergeben. Sie sagten darauf ins Mikrofon: «Wir sind nicht als Stadträtinnen hier, sondern als streikende Frauen.»

Zwölf Forderungen hat das Oltner OK erarbeitet, Forderungen, wie sie am 14. Juni landauf, landab zu hören und zu lesen waren: bessere Strukturen, um Beruf und Familie zu vereinbaren; eine Elternzeit nach skandinavischem Modell für alle Stadtangestellten; öffentliche Aufträge nur für Firmen, die Lohngleichheit nachweisen. Es sind kluge, durchdachte Vorschläge. Sie aber sagten den Organisatorinnen öffentlich: «Wir finden es schwach, dass ihr für die Über-gabe nicht den Stadtpräsidenten eingeladen habt.»

In Solothurn jubelte die Menge, als die beiden Regierungsrätinnen Schaffner und Wyss die Forderungen an den Kanton entgegennahmen. Der historische Moment vor dem altehrwürdigen Rathaus rührte viele zu Tränen. Auf dem Oltner Kirchplatz trat Schweigen ein, als Sie nach Ihren abgelesenen Reden und der Übergabe der Forderungen sagten: «Wir wollen nicht in die Rolle der Botinnen schlüpfen. Wir vertreten hier nicht die Stadt.»

Liebe Iris Schelbert und Marion Rauber, der Frauenstreik hat eine halbe Million Frauen vereint. Jenseits aller Unterschiede haben sich Angestellte und Chefinnen, Seniorinnen und Mütter für das Gleiche solidarisiert. Sie beide aber, in Ihren hohen Ämtern, könnten in Olten für die Chancen- gleichheit konkret etwas bewirken. Tun Sie es doch!

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