Kolumne
13.11.2019

Zieht Kerzen!

Urs Bloch, Mediensprecher.

Urs Bloch, Mediensprecher.

Urs Bloch

Zugegeben: Die Vorstellung, dass Donald Trump auf dem Robi Olten zum Kerzenziehen auf- taucht, ist ziemlich verwegen. Doch alles der Reihe nach. Vorweihnachtszeit ist Kerzenziehzeit. Durch eingehende Beobachtungen und stundenlange Selbstversuche ist bei mir die Überzeugung gereift, dass Kerzenziehen ein Heilmittel gegen verschiedene menschliche Defizite ist.

So wirkt Kerzenziehen gegen innere Unruhe. Wer nervös wie ein Gummiball eine Kerze herstellen will, für den gibt es zwei Möglichkeiten: Er scheitert grandios mit seinem Vorhaben, denn eine Ker- ze reift nur mit Geduld. Oder aber er wird zunehmend ruhiger. Denn Kerzenziehen ist reine Medi- tation, da könnte ein Zen-Mönch noch profitieren.

Meine Beobachtungen haben mich des Weiteren zur Erkenntnis geführt, dass Kerzenziehen ge- gen Verschlagenheit hilft. Die Schlauen mögen in gewissen Kultukreisen Ansehen geniessen, beim Kerzenziehen sind sie jedoch auf der Verliererseite. «Wenn ich die Kerze etwas länger in den Pott tauche, bin ich doch schneller fertig», denken sie. Weit gefehlt! Das zuvor Schicht für Schicht aufgetragene Wachs schmilzt wieder weg wie Schnee in der Frühlingssonne.

Und schliesslich wäre Kerzenziehen ein geeignetes Mittel gegen Streit. Bekanntlich kann ein Ge- spräch manchen Streit schlichten oder es kommt erst gar nicht zu Unstimmigkeiten, weil man sich zuhört, überlegt und dann antwortet. Wer Kerzen zieht, kommt mit seinem Gegenüber unweiger- lich ins Gespräch. Und weil Kerzenziehen lange dauert, ergeben sich auch tiefgründige Diskussio- nen, bei Kindern wie bei Erwachsenen gleichermassen. Ich bin überzeugt, würden Trump und Khamenei miteinander Kerzen ziehen, unsere Welt wäre eine friedlichere.

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