Aufhören

Daniel Kissling, Kulturschaffender und Barkeeper. (Bild: M. Isler)
Daniel Kissling, Kulturschaffender und Barkeeper. (Bild: M. Isler)

«Manchmal hab ich das Gefühl, du willst gar nicht aufhören», seufzt meine Freundin. Mit dem Feuerzeug hab ich nicht nur meine Zigarette angezündet, sondern auch ihre Sorge um meine Gesundheit. Oder sie an letzte Nacht erinnert, an meinen Hustenanfall, der sie aus dem Schlaf gerissen hat. «Ganz auf-hören nicht, aber reduzieren, weniger, das auf jeden Fall, wenn wir zusammengezogen sind», beteure ich, beschwichtige ich, hoffe ich.

Ich bin im Aufhören etwa so gut wie in Pünktlichkeit. Ich nehm es mir vor, aufrichtig, setze mir Deadlines und Ultimaten und ... muss mich später doch entschuldigen, dass es wieder nicht ganz gereicht hat. Dementsprechend Respekt habe ich vor Kollege Straumann. Einfach aufhören, den Hut nehmen, wenn die Party noch in vollem Gange ist, anstatt warten, bis die Barkeeper die Stühle auf die Tische stellen. Das hat Applaus verdient, erst recht, wenn man(n) seinen Platz für junge Talente frei macht.

Gerade das Scheinwerferlicht verlassen die Wenigsten freiwillig. Schlecht gealterte Musiker klammern sich ebenso an Mikrofone wie Politiker im Pensionsalter sich an ihre Sessel. Wobei das biologische Alter manchmal weniger aussagt als die Dauer eines Engagements. Das Wort «amtsmüde» steht nicht umsonst im Duden. Das Lenken eines Fahrzeuges im übermüdeten Zustand ist übrigens eine Straftat. Für das Lenken von Ländern und Städten gilt das leider nicht.

«Aufhören, wenn es am Schönsten ist», rief mir ein Gast nach, als ich letzthin kurz vor 23 Uhr aus dem Coq eilte. Ich verriet ihm nicht, dass der Kiosk um 11 schliesst und ich nur ging, um auf dem Heimweg noch Zigaretten kaufen zu können. «Zwei Päckchen wie immer?», fragte der Verkäufer. «Heute nur eins», antwortete ich.

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