Kolumne
11.12.2019

Samichläuse – echte und falsche

Urs Bloch, Mediensprecher.

Urs Bloch, Mediensprecher.

Von: Urs Bloch

Im Niederamt habe ich den Samichlaus getroffen. Er hat mir ein paar Ratschläge gegeben, nichts allzu Gravierendes, und mich gebeten, ich solle über ihn schreiben. Seine Aufgabe wird auch nicht leichter in Zeiten, da immer mehr Menschen nicht nur Anfang Dezember in die Rolle des Samichlaus schlüpfen. Sie wissen, wie ein richtiges Leben auszusehen hat und lassen uns das bei jeder Gelegenheit mit erhobenem Zeigefinger wissen: richtig essen, richtig reisen, richtig arbeiten, richtig urteilen und so weiter. Die 365-Tage-Samichläuse kennen oft nur Schwarz und Weiss und interessieren sich nicht für all die spannenden Farbtöne dazwischen. Sie haben eine Mission und gehen sowohl links wie rechts der Strasse.

«Hören mir die Menschen überhaupt noch zu?», dürfte sich der Mann im roten Gewand dieser Tage etwas verdutzt fragen. Weis(s)e, alte Männer mit traditioneller Deutungshoheit stehen nämlich unter Generalverdacht. Um die Deutungshoheit wird gerade heftig gerungen. Wer hat argumentativ Oberwasser und wem soll man glauben, wenn man nichts mehr glaubt? Dem Wort von der Kanzel? Es sieht nicht danach aus: In den Kirchen wird der Hall stärker, weil sich die Bänke leeren. Die Menschen zieht es eher in die Konsumtempel. Black Friday als neues Hochamt.

Es gibt sehr kluge Menschen, die kluge Dinge sagen. Und es gibt viele Menschen, die meinen, sie sagen kluge Dinge: Präsidenten, die twittern, unzählige Ratgeber und Therapeuten oder Trolle, die davon leben, via Internet Falschmeldungen zu verbreiten. Es ist zum Lichterketten hochklettern – wer soll da noch den Überblick behalten? «Hoch die Tassen!», proste ich dem Samichlaus deshalb zu und wir trinken auf das einzig Wahre: den gesunden Menschenverstand.

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