Kolumne
26.02.2020

Aschermittwoch

Irène Dietschi, Journalistin. (Bild: Daniela Friedli)

Irène Dietschi, Journalistin. (Bild: Daniela Friedli)

Von: Irène Dietschi

Gitarrenklänge wabern durch die Luft, ein eingängiger Song aus den 70ern. Dann sehe ich sie, die stadtvertraute Gestalt mit der unverkennbaren Hippie-Gestik: Ernst «Erni» Degen ist in der Winkelunterführung wieder einmal am Spielen. Als ich einen Fünfliber in die Instrumentenhülle lege, unterbricht Erni seine Darbietung und streicht übers Holz. Seine Gitarre sei ein Finöggeli, erzählt er. Zartbesaitet, eigentlich nicht für draussen gemacht. Dann fragt er: «Gosch äu a d Faasnacht?»

Es ist Dienstagnachmittag letzter Woche – nur noch wenige Stunden, bis in Olten endgültig die Narren übernehmen. «Ja», antworte ich, «zu den Schnitzelbänken im Stadttheater.»

Als Kind habe ich die Fasnacht geliebt. Ich ging als Clown und Räuberin, später als rassige Zigeunerin mit braungeschminktem Gesicht (was damals noch ging). Meinen ersten richtigen Kuss erlebte ich am Kindermaskenball im Wangner «Bruune Mutz». Tempi passati: Heute sehe ich den Reiz des Verbotenen, ja Archaischen in der Fasnacht kaum mehr. Dafür scheint sie mir zu formell – zu sehr in den Händen der üblichen Verdächtigen und Mächtigen.

Ausser vor ein paar Jahren, als an den Schnitzelbänken der «Erni Degen» auftauchte: Eine der Zünfte hatte sich seine Figur und seine Posen zu eigen gemacht. Ein Dutzend Ernis standen auf der Bühne und rockten, ein Vers besser als der andere. Der Saal tobte. Mir taten vor Lachen die Bauchmuskeln weh.

«Hat dir das damals eigentlich auch gefallen?», frage ich den richtigen Erni in der Winkelunterführung. Er, mit seinem Lächeln: «Oh ja, das war doch lustig!» Nur habe er von der Zunft leider nie eine dieser Erni-Masken bekommen, obwohl er danach gefragt habe. Ob ich vielleicht eine Idee hätte?

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