«Mein Einsatz ist für mich selbstverständlich»

In ihren «Medical Camps» behandelt die Handchirurgin Katrin Hagen kostenlos Tausende von Nepalesen. (Bild: Giancarlo Cattaneo)

In ihren «Medical Camps» behandelt die Handchirurgin Katrin Hagen kostenlos Tausende von Nepalesen. (Bild: Giancarlo Cattaneo)

Tibeter-Anlass Heute, Donnerstag, 16. Februar wird im Kino Lichtspiele nicht nur ein Dokfilm über den Aufbau der Tibeter Flüchtlingshilfe durch Toni Hagen gezeigt, sondern seine Tochter Dr. Katrin Hagen gibt vorab auch Einblick in ihre aktuellen «Medical Camps»-Einsätze in Nepal.

Viviane Weber

Die enge Verbindung zu Nepal liegt bei der Engadiner Handchirurgin Dr. Katrin Hagen sozusagen in der Familie. Nicht nur hat ihr Vater, der Schweizer Geologe Toni Hagen, im Auftrag der UNO in den 1950er-Jahren geologische Erkundungsaufnahmen in dem asiatischen Land vorgenommen, sondern 1960/61 als IKRK-Delegierter auch die Tibeter Flüchtlingshilfe in Nepal aufgebaut. «Er hat während seinen Erkundungen in den Berggebieten hautnah miterlebt, wie Tausende tibetische Flüchtlinge über die Grenze kamen und Nepal nicht wusste, wie es diese Situation bewältigen soll», erklärt Tochter Katrin Hagen. Da Toni Hagen das Land und dessen Kultur mittlerweile wie seine Westentasche kannte, wurde er als der richtige Mann erachtet, um eine Flüchtlingshilfe in Nepal aufzubauen.

«Wir hatten nicht viel von ihm»

Von 1953 bis 1961 war Toni Hagen somit praktisch unentwegt in Nepal tätig. «Wir besuchten ihn zwar und verbrachten in den 60er-Jahren zirka acht Monate mit ihm in Nepal, viel von ihm als Vater hatten wir jedoch nicht», bemerkt Katrin Hagen ehrlich. Es sei nicht immer einfach gewesen, vor allem für ihre Mutter. «Schliesslich musste sie die ganze Familie zusammenhalten und praktisch alleine drei Kinder grossziehen», sinniert Hagen weiter. Allerdings seien ihrem Vater die Einsätze für die Uno in Nepal und später auch anderen Ländern wie Bolivien oder Bangladesch damals enorm wichtig gewesen. «Und diese Arbeit liess sich nun mal schwer mit einer Familie vereinbaren.» Auch Toni Hagen meinte in einem Interview mit der deutschen Zeitung «Die Zeit» im Jahr 2003, nur drei Monate vor seinem Tod, dass er das Familienleben vermisst habe.

Stiftung gegründet

In seinen letzten Lebensjahren stärkte der Schweizer Tibet-Experte jedoch die Verbindung zu seinen Kindern. Besonders mit Katrin Hagen unternahm er viele Reisen nach Nepal und zeigte ihr «sein» Land. «Durch ihn konnte ich enorm viele Kontakte knüpfen und lernte die Kulturen und Ethnien besser kennen», bemerkt Hagen. 2001 riefen die beiden gemeinsam die Toni Hagen Stiftung (THS) ins Leben, um Projekte der in Nepal bestehenden Toni Hagen Foundation finanziell zu unterstützen sowie das Erbe des Schweizer Geologen zu wahren. «Meinem Vater war die Erhaltung der ethnischen sowie kulturellen Vielfalt sehr wichtig. Er wollte das Verständnis zwischen den Volksgruppen in Nepal fördern. Zudem lag ihm die Verbreitung von demokratischen Grundwerten am Herzen. Unsere Stiftung setzt sich daher für Projekte ein, die diese Werte vermitteln und in sich tragen», erklärt die Handchirurgin weiter. So unterstützt die Toni Hagen Stiftung die Organisation eines Jugendparlaments in Nepal, sponsert das Nepal Human Rights International Film Festival in Kathmandu oder vergibt auch Stipendien an junge Nepalische Wissenschaftler. «Ausserdem konnte ich durch die Stiftung bereits verschiedene Poster-Ausstellungen mit Bildern von Nepal realisieren oder Film- und Bildmaterial von meinem Vater publizieren.» Ihren zeitintensiven Einsatz für die Stiftung - Katrin Hagen übernimmt alle administrativen Aufgaben selbst, um Spendengelder zu sparen - sei für sie selbstverständlich. «Für meinen Vater war es immer klar, dass ich die Stiftung weiterführen werden. Denn, wenn ich es nicht mache, wer dann?»

Kostenlose medizinische Betreuung

So selbstverständlich wie das Präsidentenamt in der Stiftung scheint für die 68-Jährige auch ihr medizinischer Einsatz in Nepal zu sein. «Durch meinen Vater besass ich die Kontakte und kannte das Land. Deshalb finde ich, dass ich praktisch verpflichtet bin, dieses Netzwerk zu nutzen und vor Ort zu helfen.» Seit 2011 veranstaltet die Engadiner Handchirurgin deshalb mindestens zweimal pro Jahr orthopädische «Medical Camps» in unterschiedlichen Regionen des südasiatischen Binnenstaates. Die Behandlungen sind für die Patienten jeweils kostenlos und die medizinischen Camps werden bei jedem Einsatz in einem anderen Teil des Landes aufgebaut. «Unser nächstes Camp startet in fünf Wochen im Westen von Nepal, einem besonders armutsbetroffenen Gebiet», so Hagen. Für ihren freiwilligen Einsatz wurde ihr im letzten Januar der «SwissAward» in der Kategorie Gesellschaft verliehen. «Das hätte ich niemals erwartet», zeigt sich Hagen erfreut und fügt lachend an: «Solche Medienevents und Shows sind normalerweise nicht meine Welt. Das war völlig neu für mich.» Vorträge und Referate liegen der Ärztin mehr. Daher wird sie auch heute bei der Vorführung eines von Toni Hagen kommentierten Dokfilms im Kino Lichtspiele live dabei sein und als Einleitung von ihren Erlebnissen in Nepal erzählen.

Kino Lichtspiele
Do, 16. Februar, ab 19 Uhr

www.lichtspiele-olten.ch

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