Filmreifer Einsatz für den nicht 0815-Kinogenuss

Der Vorstand des Vereins Kino Lichtspiele (v.l.) Bea Engeli, Emile Stricker, Martin Schmid, Markus und Jacqueline Arnold sowie Markus Wyss setzt sich für Filme jenseits des Mainstreams ein. (Bild: ZVG)

Der Vorstand des Vereins Kino Lichtspiele (v.l.) Bea Engeli, Emile Stricker, Martin Schmid, Markus und Jacqueline Arnold sowie Markus Wyss setzt sich für Filme jenseits des Mainstreams ein. (Bild: ZVG)

Verein Lichtspiele Olten In diesem Jahr feiert der Oltner Kinoverein sein zehnjähriges Bestehen und blickt auf einen turbulenten Start, Filmrisse und einige Umbauten im über 100-jährigen Lichtspiele-Gebäude zurück.

Mirjam Meier

Jacqueline Arnold hat den Tag an den 54. Solothurner Filmtagen verbracht. «Heute wurde die Werkschau der neuen Schweizer Filme gezeigt», erzählt das Vorstandsmitglied beim Gespräch am Abend. Gegen zehn Jahre zeigt sie sich für das Filmprogramm im Kino Lichtspiele am Klosterplatz verantwortlich und besucht dafür die Filmfestivals in Solothurn, Locarno und tageweise in Zürich und Neuenburg. «Ich spreche vor Ort mit den Filmverleihern. Gerade Locarno ist wie eine Börse, bei welcher die verschiedensten neuen Filme zu sehen sind.» Auf die Frage, was denn ein Film haben muss, damit sie ihn im Kino Lichtspiele zeigt, meint Arnold: «Die Story eines Filmes muss nachvollziehbar sein, einen Spannungsbogen haben und den Betrachter zum Nachdenken anregen.»

Filmrollen tragen vor 54 Jahren

Der Oltner Kinobetreiber Koni Schibli überliess das Kino Lichtspiele vor zehn Jahren dem Verein, da sich für ihn die Betreibung von Kleinkinos nicht mehr lohnte. Der Verein mietet die Lokalität seither bei Coop Immobilien. Nach einem Wechsel an der Spitze übernahm, nachdem bereits seine Ehefrau Jacqueline ein Jahr zuvor «reingerutscht» ist, Markus Arnold im 2010 das Präsidentenamt. Damals galt es mit dem neuen Vorstand die Ausrichtung des Kinos zu definieren. Schliesslich entschied sich dieser für den Film als Kernaufgabe. «Wir wollten jedoch keine alten Filme, aber auch keinen Mainstream zeigen. Es sollten Filme in Originalsprache sein, also Filmperlen aus der ganzen Welt», erzählt Jacqueline Arnold, die einst Filmcutterin werden wollte. Bereits als sich das Ehepaar zu Kanti-Zeiten kennenlernte, war Markus Arnold Mitglied in einer Filmgilde. «An den ersten Filmtagen in Solothurn haben wir mitgeholfen, die grossen Filmrollen herumzutragen», erinnern sich die beiden.

Ständige Erneuerungen

In den Anfängen vor zehn Jahren hätten sie noch «Häxli-Bier» gezapft und die Filme auf einem
35 Millimeter-Projektor gezeigt. «Dieser Maschine verdankten wir viele freiwillige Helfer, die sich für die alte Filmtechnik begeisterten. Lustigerweise hatten wir dabei mehr Frauen, die sich an die Abspielung des Filmes wagten», erzählt Jacqueline Arnold lächelnd und fügt an: «Wir haben ab und zu Blut und Wasser geschwitzt, wenn wieder ein Film gerissen ist und es eine halbe Stunde dauerte, diesen zu reparieren. Wir verteilten dann jeweils Wein und Schoggistängeli an die meist sehr verständnisvollen Besucher.» Doch nicht nur die Technik, auch der Innenbereich des über 100-jährigen Lichspiele-Gebäudes hat in den zehn Jahren ein neues und moderneres Gesicht erhalten. Denn kurz nach seinem Amtsantritt traf Präsident Markus Arnold den nicht nur populären Entscheid, mit Unterstützung vom Bundesamt für Kultur, Lotteriefonds und der Stadt Olten eine neue Abspielanlage zu installieren, um künftig alle Filme digital zeigen zu können. Rückblickend sei diese Investition richtig und notwendig gewesen. Etwas später folgten die Renovation der Kinodecke, die Umgestaltung des Eingangsbereichs und die Erneuerung der Lichtanlage. In diesem Jahr wolle Coop voraussichtlich die Fassade des Gebäudes neu streichen und für den Verein stünde die Erneuerung des Teppichs im Obergeschoss und eine neue Bestuhlung an.

Nur durch Ehrenamtlichkeit möglich

Ab und zu werden in Zusammenarbeit mit anderen Organisatoren auch Konzerte oder Spezialanlässe im Arthouse-Kino Lichtspiele durchgeführt. Die Räumlichkeiten können jedoch auch gemietet werden. Und obwohl es von Privaten, dem Bundesamt für Kultur, dem Lotteriefonds und der Stadt Olten unterstützt wird, stellt das Ehepaar klar: Ohne die ehrenamtliche Arbeit der rund 20 aktiven Vereinsmitglieder wäre der Betrieb des Kinos nicht möglich. Jede Vorstellung wird jeweils mit zwei Helfern abgedeckt. Die Liebe zum anspruchsvollen Film hat die Programm-Chefin zudem veranlasst an einigen Tagen pro Woche zwei Vorstellungen zu zeigen. «Bei den gezeigten Filmen geht es nicht darum, dass diese möglichst viele Besucher anlocken sollen, wir zeigen sie auch nur bei einem Besucher. Wir wollen den Leuten einen vielfältigen Blumenstrauss an Filmen präsentierten», erklärt die einstige Lehrerin. Einen älteren Film nochmals zu zeigen sei eher selten, doch im März werde dies mit dem Schweizer Film «Giovanni Segantini – Magie des Lichts» aufgrund der grossen Nach-frage der Besucher geschehen. Das Engagement des sechsköpfigen Vorstands mit den rund 500 Mitgliedern wurde im 2016 mit dem Prix Wartenfels und Ende des vergangenen Jahres mit dem Preis für Filmvermittlung des Kantons Solothurn gewürdigt. «Solche Auszeichnungen sind sehr motivierend und ein Grund, bei mindestens gleicher Qualität weiterzumachen», erzählt Jacqueline Arnold und fügt an: «Durch die Auszeichnung Ende des Jahres war es uns im Januar finanziell möglich, mit einer Jubiläumsfeier den Mitgliedern zu danken und etwas zurückzugeben.»

www.lichtspiele-olten.ch

 

 

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