Mit neuem Schwung zu den nächsten Büchern

Am Donnerstag, 23. Januar findet das Café Littéraire zum dritten Mal in der Buchhandlung Schreiber statt. Alt-Stadtbibliothekar Christoph Rast freut sich über den neuen Schwung, den der Literaturzirkel aufgenommen hat. (Bild: mim)

Am Donnerstag, 23. Januar findet das Café Littéraire zum dritten Mal in der Buchhandlung Schreiber statt. Alt-Stadtbibliothekar Christoph Rast freut sich über den neuen Schwung, den der Literaturzirkel aufgenommen hat. (Bild: mim)

Café Littéraire: Am Donnerstag, 23. Januar findet das dritte Café Littéraire in der Buchhandlung Schreiber in Olten statt. Ein Gespräch mit Gründer und Alt-Stadtbibliothekar Christoph Rast über hitzige Diskussionen, Bauchentscheidungen und Neuanfänge.

Mirjam Wetzstein

Bei der ersten Durchführung im November am neuen Standort in der Buchhandlung Schreiber habe sich die Gruppe zuerst an das veränderte Ambiente gewöhnen müssen, erzählt Alt-Stadtbibliothekar Christoph Rast rückblickend. Vor 13 Jahren gründete er das Café Littéraire als Anlass der Stadtbibliothek Olten. Monatlich werden seither in der Gruppe zwei Bücher besprochen. Dabei handle es sich grösstenteils um Neuerscheinungen, aber keine Bestseller. «Am Café Littéraire sind alle herzlich willkommen, die gerne Bücher haben», so Rast und betont, dass es sich beim Oltner Café Littéraire keinesfalls um einen elitären Club, sondern um ein offenes Forum handle.

Der Neustart

Im Oktober des vergangenen Jahres verkündete Rast in einer E-Mail an die regelmässigen Teilnehmer, dass er das Café Littéraire künftig nicht mehr durchführen werde. «Dieser einsam getroffene Entscheid meinerseits stiess auf ein breites negatives Echo. Die Leute bemängelten zu Recht, dass ich diesen Schritt traf, ohne ihn jemals in der Gruppe diskutiert zu haben», erzählt Rast. «Ich hatte das Gefühl mit der Veranstaltung festgefahren zu sein. Zudem schien mir der Zeitpunkt mit einer neuen Leiterin in der Stadtbibliothek passend für einen Schlussstrich, auch um vielleicht einen Neuanfang zu ermöglichen», fügt der 69-Jährige an, bei dem bis Ende 2014 während fast 40 Jahren die Fäden in der Stadtbibliothek zusammenliefen. Aufzuhören mit dieser negativen Stimmung kam schliesslich für Rast nicht infrage. Doch in der Stadtbibliothek sei es schwierig geworden, am Dienstagabend ausserhalb der regulären Öffnungszeiten, die Räumlichkeiten zu nutzen, erzählt Rast. Durch das unkomplizierte Hand bieten vonseiten der Buchhandlung Schreiber wurde schliesslich ein neuer Durchführungsort gefunden. «Wir treffen uns nun jeweils am Donnerstagabend von 18.30 bis 19.45 Uhr während des Abendverkaufs im ersten Stock», erzählt Rast, der die lebendige und inspirierende Atmosphäre des Cafés inmitten von Büchern schätzt.

Neue Gesichter willkommen

Am Café Littéraire würden sowohl regelmässige Besucher als auch hin und wieder neue Gesichter teilnehmen. «Zwischen 10 und 20 Personen sind es jeweils», erzählt Rast. Einen harten Kern in der Gruppe zu wissen sei zwar schön, aber auch nicht völlig unproblematisch, erklärt der Literaturliebhaber. «Für Fremde ist es nicht nur einfach, in den bestehenden Kreis einen Zugang zu finden», weiss Rast, der jeweils auch die Moderation der Gesprächsrunde übernimmt. Trotzdem würde sich der Organisator sehr über neue Gesichter und vor allem auch jüngere Besucher freuen. Für das Café Littéraire ist keine Anmeldung nötig und die Teilnahme an der Diskussion freiwillig. Man könne jeweils auch nur zuhören.

Hitzige Diskussionen

Die zwei zu lesenden Bücher werden jeweils im Vorfeld von Rast ausgewählt. «Wir haben anlässlich des Neustarts darüber diskutiert, ob die Literaturauswahl nicht alternierend von verschiedenen Personen getroffen werden soll, doch dies war nicht erwünscht», erzählt Rast, der jedoch auch Vorschläge aufnimmt. Jeweils im Vorfeld liest der 69-Jährige verschiedene Kritiken, um schliesslich gestützt auf seine langjährige Berufserfahrung zu entscheiden, welche Titel sich für die Gruppe eignen. «Nicht selten äussern Anwesende basierend auf einem Buchthema auch persönliche Meinungen und Erlebnisse, was spannend ist und manchmal auch zu etwas hitzigeren Diskussionen führt», erzählt Rast. So auch bei Charles Lewinskys «Der Wille des Volkes». Die Gruppe diskutierte angeregt, ob tatsächlich ein totalitäres Regime in der Schweiz möglich ist. Schrecklich fanden sie den allwissenden Überwachungsstaat. Unvorstellbar, dass in der einst zutiefst demokratischen Schweiz nun aus Parteiräson gemordet werde. Beklemmend fand die Gruppe vor allem, dass der Kriminalroman von Charles Lewinsky nicht im nächsten Jahrhundert, sondern fast im Hier und Jetzt spielt.

Mit neuem Schwung ins 14. Jahr

Am nächsten Café Littéraire am Donnerstag, 23. Januar wird das Buch «Drei» von Dror Mishani besprochen. Erzählt wird die Geschichte von drei Frauen, die alle etwas anderes suchen, jedoch denselben Mann finden. «Eine quere Geschichte und wieder einmal ein Buch eines israelischen Schriftstellers», so Rast über seine Wahl. Carmen Buttjer erzählt im zweiten Buch «Levi» die Geschichte eines Kindes und dreier Männer, die lernen, mit dem Tod zu leben. «Das Buch wurde sogar von pädagogischen Fachpersonen als eindrucksvoll bezeichnet», so Rast. Der Organisator ist zufrieden, dass die Literaturrunde mit dem Standortwechsel neuen Schwung aufgenommen hat. Im Herbst möchte er deshalb die traditionelle Bücherpräsentation erneut durchführen.

Nächstes Treffen:
Café Littéraire
Donnerstag, 23. Januar, 18.30 Uhr, 1. Stock, Buchhandlung Schreiber

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