Stadt Olten
07.10.2020

Neuer Schnittpunkt in Sicht

Corona hat im Kunstmuseum Olten nicht nur mit dem Schutzkonzept Spuren hinterlassen, sondern wird teilweise auch mit der ausgestellten Kunst thematisiert. So hat Kuratorin Katja Herlach auf einem der zwei Stühlen von Clare Goodwin, die durch eine Bank von zwei Meter getrennt sind, Platz genommen. (Bild: mim)

Corona hat im Kunstmuseum Olten nicht nur mit dem Schutzkonzept Spuren hinterlassen, sondern wird teilweise auch mit der ausgestellten Kunst thematisiert. So hat Kuratorin Katja Herlach auf einem der zwei Stühlen von Clare Goodwin, die durch eine Bank von zwei Meter getrennt sind, Platz genommen. (Bild: mim)

Kunstmuseum Olten Neben dem Rückblick auf die Corona-Zeit, unterhalten wir uns mit Dorothee Messmer und Katja Herlach über den neuen Museumsstandort und die aktuellen Ausstellungen zum Holz- und Linolschnitt.

Von: Mirjam Wetzstein

Meinrad Peier, dessen Nachlass das Kunstmuseum Olten verwaltet, gab den Ausschlag für die aktuelle Ausstellung, die noch bis am 8. November im Kunstmuseum Olten zu sehen ist. Thematisiert werden das Handwerk sowie die Bedeutung und die Möglichkeiten des Linol- und Holzschnittes. Dies anhand des Werkes des Lostorfer Lehrers, der sein Kunstschaffen stets neben seiner Vollzeitarbeit betrieb. Ihm gegenübergestellt wurden aktuelle Werke von Josef Felix Müller, dem St. Galler Kunstschaffenden, der als junger Wilder mit der Motorsäge seine Holzschnitte anfertigt und das konstante Schaffen von Alois Lichtsteiner, der sein Augenmerk seit über 20 Jahren auf Berglandschaften legt. Mit Scarlet Mara und Selina Zürrer sind zudem junge Künstlerinnen vertreten, die ihr ganz eigenes Schaffen im Bereich Holzschnitt und Druckpresse zeigen. Ergänzt wird die Ausstellung durch eine Sammlungspräsentation mit Holzschnitten aus vier Jahrhunderten.

Ein Mittel zur schnellen Verbreitung

«An der Ende September durchgeführten Verteilaktion der Oltner Kirchgassenschirme liessen wir diese mit einem «Drei-Schirm-Logo» bedrucken», erzählt Messmer. «Natürlich war die erste dafür angefertigte Linoldruckplatte seitenverkehrt. Das ist ein beliebter Fehler beim Druck», fügt Messmer schmunzelnd an und zeigt damit eine Schwierigkeit des Handwerks auf. Aus einem Linol-Stock ein Sujet zu schnitzen ist weniger aufwändig, als die Bearbeitung eines Holzstückes. Dabei wird das stehen gelassen, was schliesslich mit Druckfarbe eingefärbt auch auf dem Blatt erkennbar sein soll. Anhand von Peiers Werk wird ausserdem ersichtlich für was Linol- und Holzschnitte auch noch standen, für die Produktion in hohen Auflagen. Der Lostorfer pflegte denn auch eine intensive Zusammenarbeit mit der Genossenschaftsdruckerei Olten und publizierte dort über Jahre in der sozialdemokratischen Tageszeitung «Das Volk». «Die Drucke waren eine preiswerte Kunst, mit der ein breites Publikum erreicht werden konnte», erklärt Herlach. In der Ausstellung ist jedoch lediglich ein kleiner Auszug des Nachlasses von Meinrad Peier zu sehen, sein Gesamtwerk umfasst über 2000 Sujets sowie Druckstöcke, Zeichnungen und Scherenschnitte.

Viel zu tun während Lockdown

Die aktuellen Ausstellungen am 5. September eröffnen zu können, war für das Kunstmuseumsteam eine Erlösung, bedeutete sie doch endlich die Rückkehr zum normalen Jahresprogramm. So blieben aufgrund von Corona auch die Pforten des Kunstmuseums Olten bis am 12. Mai geschlossen. «Der Lockdown war eine spezielle Zeit für eine Institution wie das Kunstmuseum Olten, die vom Kontakt lebt, sei es mit den Besuchern oder mit den Kunstschaffenden», erzählt Herlach. Das Team habe während dieser Zeit grösstenteils im Homeoffice gearbeitet und sich mittels Zoom-Sitzungen ausgetauscht. «Einige Teammitglieder mussten in neue Arbeitsbereiche eingeteilt werden, was teilweise versteckte Talente zum Vorschein brachte», freut sich die Kuratorin, die gemeinsam mit Yolanda Ludwig und Miriam Edmunds im Lockdown den Blog «Der Lift» ins Leben gerufen hat, in Anspielung darauf, dass das Kunstmuseum Olten wahrscheinlich als eines der wenigen Museen über keinen Lift verfügt. «Dass es für uns während dieser Zeit nichts zu tun gab, war ein Irrglaube, im Gegenteil. Die zukünftige Ausstellung sowie das Jahresprogramm musste entsprechend angepasst und das Personal je nach Weisung neu eingesetzt werden, was teilweise zu Vertragsanpassungen führte, auch im Bereich der Leihgaben», erklärt Herlach. Aber auch im besucherleeren Museum gab es zum Schutz der Kunstwerke Vorkehrungen zu treffen. «Einige Werke mussten abgehängt werden, um sie vor dem Tageslicht zu schützen», erklärt Messmer.

Die Kunst thematisiert das aktuelle Zeitgeschehen

«Als der Bundesrat knapp eine Woche vorher beschloss, dass die Museen doch bereits wieder ab Mitte Mai eröffnen dürfen, war dies zwar erfreulich, stellte uns aber auch vor Herausforderungen», erklärt Messmer. Beispielsweise musste rasch eine Lösung gefunden werden, wie der Empfangstresen mit einem Plexiglas versehen werden kann. «In einem Bilderrahmen, den wir an der Decke befestigt haben, fanden wir schliesslich eine kreative Lösung», erzählt Messmer schmunzelnd. Gerne erinnert sich indes Herlach an die erste Veranstaltung nach der Wiedereröffnung zurück: «Die Leute kamen zahlreich und schön angezogen. Mich hat es sehr berührt zu sehen, dass sich sie sich so sehr über die Veranstaltung gefreut und sich extra dafür rausgeputzt haben.» Doch nicht nur mit den Massnahmen - Veranstaltungen können nur nach einer Anmeldung besucht werden - hat das Kunstmuseum sich mit dem Thema Corona auseinandergesetzt. «Wir haben zwei Stühle, die durch eine zwei Meter lange Bank getrennt sind von der Künstlerin Clare Goodwin und zwei Masken, die von Künstlern gefertigt wurden, gekauft», zeigt Herlach auf. Ausserdem hat das Kunstmuseum drei Arbeiten vom Trimbacher Kunstschaffenden Andreas Hofer, der während des Lockdowns jeden Tag das Zwiegespräch zwischen dem Mensch und dem Computer im Homeoffice festhielt, in der Sammlung aufgenommen. Zusätzlich thematisiert auch der Personenzahlenzähler beim Eingang das aktuelle Zeitgeschehen.

Ein guter Impuls für die Stadt

Während des Lockdowns wurde jedoch auch weiterhin an den Vorlagen im Hinblick auf den neuen Museumsstandort gearbeitet. «Gemeinsam mit Stadtschreiber Markus Dietler, der Baudirektion und dem Architekturbüro jomini & zimmermann haben wir den Raumbedarf im Hinblick auf ein neues Museumsgebäude sowie ein Betriebs-, Museums- und Sammlungskonzept erarbeitet», erklärt Messmer. Über den Parlamentsentscheid Ende September, dass das Kunstmuseum künftig im einstigen Naturmuseum an der Kirchgasse 10 mit einem Anbau angrenzend an den dahinterliegenden Spielplatz untergebracht werden soll, freuen sich sowohl Messmer als auch Herlach. «Diese zentrale Lage ist für uns wichtig und ich denke, dies wird auch ein guter Impuls für die Stadt sein», so Herlach. «Wir möchten am neuen Standort klein aber fein werden», betont Messmer. Dies bedeute, dass die Institution nicht wachse, aber bessere qualitative Grundbedingungen wie beispielsweise optimale klimatische Verhältnisse für die Werke, haben soll. Nachdem in den letzten Jahren die Ausstellungsfläche aus Mangel an Arbeitsflächen stets verkleinert werden musste, wünschen sich die beiden diese zurück und eine Werkstatt und angemessene Depots. «Wenn wir einen Lift und Werkstätte haben, erspart uns dies viel Zeit und Energie im Ausstellungsauf- und -abbau», betont Messmer. Das neue Kunstmuseum soll bis 14 Mio. Franken kosten dürfen. Die Wettbewerbsvorbereitung beginnt nach den Herbstferien. Über den Baukredit wird das Volk voraussichtlich 2022 abstimmen.

Veranstaltungen:

Künstlergespräch mit Alois Lichtsteiner, Scarlet Mara, Josef Felix Müller und Selina Zürrer, Dienstag, 20. Oktober, 19.15 Uhr

Gespräch über Meinrad Peier und seinem Bezug zu Olten mit Peter Heim und Peter Killer, Dienstag, 27. Oktober, 19.15 Uhr

Zudem gibt es Abendkurse für Linolschnitt

Mehr Infos unter: www.kunstmuseumolten.ch

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