Stadt
03.02.2021

Auf zu neuen Gemäuern

Katja Herlach (l.) und Dorothee Messer in der Ausstellung «Memory» mit einem Werk von Franziska Furter. (Bild: ZVG)

Katja Herlach (l.) und Dorothee Messer in der Ausstellung «Memory» mit einem Werk von Franziska Furter. (Bild: ZVG)

Kunstmuseum Olten Nach einem halben Jahrhundert in der Schwebe wird das Kunstmuseum ­Olten umziehen. Nun befasst es sich mit den ­eigenen Erinnerungen.

Von: Franz Beidler

Das Kunstmuseum Olten wird neue Räumlichkeiten erhalten. «Wir freuen uns sehr darauf», sagen die Co-Leiterinnen Dorothee Messmer und Katja Herlach. «So nah war das Kunstmuseum einem Umzug noch nie.» Messmer, die dem Museum seit neun Jahren vorsteht, erinnert sich: «2016 machten wir eine Gedenkausstellung für den langjährigen Direktor Paul Meier, der damals verstarb.» Meier leitete das Haus ab 1961 für 22 Jahre. «Während den Recherchen für die Ausstellung stiessen wir auf den Jahresbericht von 1968.» Darin spricht Meier von einem baldigen Neubau und dem Umzug des Kunstmuseums. In den folgenden Jahren sollten allerdings nur zwei Stockwerke im gleichen Gebäude an der Kirchgasse 8 dazukommen. Ansonsten verblieben die räumlichen Verhältnisse des Oltner Kunstmuseums für ein halbes Jahrhundert in der Schwebe.

Dabei kämpfte das Museum stets mit seinen Räumen. «Unser Depot platzt aus allen Nähten», schildert Herlach die Verhältnisse. Sie arbeitet seit 2009 im Kunstmuseum, zuerst als wissenschaftliche Mitarbeiterin, heute als Co-Leiterin und Kuratorin. «Im Depot bleibt kein Platz zum Arbeiten», stellt sie fest. Ausserdem brauche ein Museum Kapazitäten, um sich entwickeln zu können. Messmer ergänzt: «Besonders bei historischen Werken ist die Raumqualität entscheidend.» Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit müssen stimmen. Auch ungünstiger Einfall von Sonnenlicht kann Werke beschädigen. Extreme Wege musste das Museum 1984 bei der Anschaffung einer Skulptur des Künstlerduos Fischli/Weiss gehen. Weil das Werk aus verschiedenen Schaumstoffen nicht durch die Eingangstür passte, zersägten es die Künstler in vier Teile und setzten es im Museum wieder zusammen. «Im Depot haben sich die Teile dann unterschiedlich verzogen und passen heute nicht mehr richtig zusammen», erklärt Herlach.

Im Gemeinderat ohne Gegenstimmen

Umso mehr werden die neuen Räumlichkeiten zur Erleichterung. «Im Lockdown im letztjährigen Frühling stellten wir die Unterlagen für das Gemeindeparlament zusammen», erzählt Messmer. Im vergangenen September segnete dieses das Betriebskonzept und den Raumbedarf ohne Gegenstimmen ab. Mit zehn bis vierzehn Millionen Franken wurde der Preisrahmen definiert. «Wir hegen keine Expansionsgelüste», stellt Messmer klar. Die geplante Fläche von 1600m2 ist zwar knapp 300m2 grösser als der heutige Umfang. Trotzdem wird die Ausstellungsfläche leicht verkleinert. «Mit 1600m2 wird das künftige Museum den nötigen Raum für einen nachhaltigen Betrieb im heutigen Umfang garantieren», erklärt Messmer. Der zusätzliche Platz soll dem Depot und einer Werkstatt dienen. Herlach ergänzt: «Wichtig ist, dass die neuen Ausstellungsräume zeitgemässen Qualitätsansprüchen genügen, sich ebenso für die Präsentation von raumgreifenden Installationen oder Videos wie für Gemälde eignen und auch Veranstaltungen ermöglichen.» Deswegen sind hohe Decken und die Möglichkeit, die Räume abzudunkeln, nötig. Ein Raum soll für Vermittlungsprojekte reserviert sein, und auch die Stiftung für Kunst des 19. Jahrhunderts soll Platz erhalten. Ein Lift wird zudem den Transport der Werke vereinfachen. Und eben auch Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit sollen sich genau regeln lassen. «Für das Kunstmuseum wird der Umzug ein Qualitätssprung», fasst Herlach zusammen. Der Architekturwettbewerb läuft sei Jahresbeginn. Im August werden die jurierten Projektvorschläge im Kunstmuseum präsentiert.

Umzug auch inhaltlich thematisiert

Natürlich sehen Messmer und Herlach den Ergebnissen des Wettbewerbs gespannt entgegen. So haben sie beschlossen, den Umzug auch inhaltlich zu thematisieren. Parallel zur Wettbewerbsausstellung und dem International Photo Festival Olten IPFO zeigen deshalb der Architekturfotograf Iwan Baan und die Künstlerin Daniela Keiser Werke, die Architektur und Fotografie zusammenbringen. Und noch bis Mitte April läuft die Ausstellung «Memory», die sich mit der Erinnerung beschäftigt.

An «Memory» wird auch das Leitbild des Kunstmuseums deutlich: Neben einer Ausstellung gehört auch dazu, dass zusammen mit der Oltner Bevölkerung ein Memoryspiel entstehen soll, das aus Erinnerungen an prägende Orte besteht. «Die Museumssammlung gehört auch den Oltnerinnen und Oltnern», sind sich Herlach und Messmer einig. Gerade die Frage, wie mit Erinnerung und Erbe umgegangen werden soll, beschäftige viele. Das zeigte eine Podiumsdiskussion zum Thema Künstlernachlässe im Januar 2020, die wegen grossem Andrang in den Parlamentssaal im Stadthaus verlegt werden musste. Im Rahmen der Jahresausstellung der Solothurner Künstler/innen soll das Ende Jahr wiederholt werden.

Als Teil von «Memory» ist die Ostschweizer Künstlerin Karin Karinna Bühler ­momentan daran, die Räume der Kirchgasse 8 aufzuarbeiten. Sie recherchiert, was wann wo passierte und stellt die Ergebnisse digital zur Verfügung. Per QR-Code können Besuchende auf dem eigenen Handy in die Geschichte der Räume eintauchen. «Das ist schon auch unsere Art, uns schon mal von den alten Räumen zu verabschieden», bestätigt Herlach. Sie und Messmer unterstützen Bühler bei ihren Recherchen. Und auch die Besuchenden sind eingeladen, sich daran zu beteiligen. «Das Museum ist nicht nur ein Gebäude», sagt Messmer. Es sei eben auch eine Idee, die stets danach frage, was denn für eine Gesellschaft eigentlich erhaltenswert sei. «Und in den neuen Räumen wollen wir auch ein Salon sein, in dem man sich einfach gerne aufhält.»

www.kunstmuseumolten.ch

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