Stadt
31.03.2021

Stille Eröffnung mit lauten Fotos

Einst Naturmuseum, jetzt Haus der Fotografie: Die Räume an der Oltner Kirchgasse 10 erhielten neue Böden und Wände sowie Beleuchtung und Beschallung. (Bild: ZVG)
«Emily Scream» (Bild: ZVG)

Einst Naturmuseum, jetzt Haus der Fotografie: Die Räume an der Oltner Kirchgasse 10 erhielten neue Böden und Wände sowie Beleuchtung und Beschallung. (Bild: ZVG)

Einst Naturmuseum, jetzt Haus der Fotografie: Die Räume an der Oltner Kirchgasse 10 erhielten neue Böden und Wände sowie Beleuchtung und Beschallung. (Bild: ZVG)
«Emily Scream» (Bild: ZVG)

«Emily Scream» (Bild: ZVG)

Einst Naturmuseum, jetzt Haus der Fotografie: Die Räume an der Oltner Kirchgasse 10 erhielten neue Böden und Wände sowie Beleuchtung und Beschallung. (Bild: ZVG)
«Emily Scream» (Bild: ZVG)

Haus der Fotografie ­Letzte Woche eröffnete das Haus der Fotografie in Olten seine Pforten. Zwar ohne Pomp, dafür aber mit Herzblut, Tempo und einer imposanten Ausstellung.

Von: Franz Beidler

Seit vergangenem Freitag, 26. März, ist Olten Heimat eines Fotomuseums. Dann nämlich öffnete das Haus der Fotografie an der Kirchgasse 10 seine Türen, wegen der Coronapandemie allerdings ohne Vernissage. «Das schmerzt schon», sagt Co-Direktor Remo Buess über die fehlenden Festlichkeiten. Trotzdem lockte die Auftaktausstellung «Infinite Deep» mit Werken von David Lynch bereits am ersten Tag gegen fünfzig Besuchende an.

Auch wenn ein Fotomuseum schon vor fast zehn Jahren mal im Stadtgespräch war, einen langen Vorlauf hatte das Haus der Fotografie nicht. «Marco und ich sassen im April im ‹Gryffe› beim Kaffee», erzählt Buess vom Frühling 2020. Mit Marco Grob, dem Oltner Starfotografen, und Christoph Zehnder besprach Buess das kommende «International Photo Festival Olten» (IPFO) 2021. Das hatten sie bereits 2017 und 2019 erfolgreich veranstaltet. Die drei kamen auf die Kirchgasse 10 zu sprechen, das ehemalige Oltner Naturmuseum, das jetzt leer stand. Bereits im Mai ging das Dossier an die Stadt. Diese unterstützte das Anliegen und erliess die Mietzinsen. So begann im Herbst der Umbau. «Wir sind Triebtäter», kommentiert Buess das Tempo lachend.

Mit hölzernem Pförtner

Als Wände und Vitrinen im Erdgeschoss weggerissen wurden, kam ein alter, hölzerner Stützpfeiler zum Vorschein. «Das macht den Raum wärmer», war Buess’ Reaktion. Nun grüsst der hölz­erne Pförtner freundlich im Eingang und kontrastiert das moderne Interieur: Neue Wände, neuer Boden, eine schwarz gespritzte Decke sowie eine neue Theke mit angeschlossenem Museumsshop. «Im Umbau stecken viel Eigenleistung und über 100000 Franken», berichtet Buess. Zudem wurden die Toiletten renoviert. Sie sind geschmückt mit Vitrinen voller alter Fotoapparate. «Details sind uns wichtig», bestätigt Buess. Über dem Eingang prangt die Motivation des Teams um das Haus der Fotografie: «Love & Passion».

Ganz eingerichtet ist das Haus der Fotografie aber noch nicht. «An den Wänden im Treppenhaus kommen Tafeln hin», erklärt Buess. Darauf wird die Geschichte der Fotografie abgebildet. «Für die Kulturvermittlung ist so etwas ein wertvolles Werkzeug.»

Bis Ende Jahr steht das Programm

Nach dem Auftakt mit Werken von David Lynch wird das Haus der Fotografie während dem IPFO im Sommer eine dazu passende Ausstellung zeigen. «Was genau, ist noch nicht spruchreif», kommentiert Buess. Ab Oktober wird die Vereinigung fotografischer GestalterInnen (VFG) eine Ausstellung vom Träger ihres Nachwuchsförderpreises gestalten. Und ab November bis Ende Jahr wird Mitinitiator Marco Grob seine Bilder ausstellen. Für das kommende Jahr sind Ausstellungen des Modefotografen Herb Ritts und des Fotojournalisten Steve McCurry im Gespräch.

Der Vertrag mit der Stadt läuft über zwei Jahre. 2023 soll das Kunstmuseum Olten in die Kirchgasse 10 ziehen. «Wir haben eine Option auf Verlängerung», gibt Buess Einblick und fügt an: «Wir nehmen jeden Monat, den wir kriegen.» Ein Fotomuseum in Olten sei ideal. «Die internationalen Gäste am IPFO schwärmen für unser Städtchen», erzählt Buess. Gerade weil Olten eine Kleinstadt sei, herrsche eine viel persönlichere Atmosphäre. «Das ist bestes Standortmarketing», argumentiert er. Als Fernziel schwebt ihm ein permanentes Fotomuseum mit Restaurants und angeschlossenem Campus vor. Nur wo sei noch unklar. «Aber: Wir sind gekommen, um zu bleiben.»

 

«Infinite Deep», David Lynch: «Wir stellen aus, worauf wir Lust haben», sagt Remo Buess, Co-Direktor vom Haus der Fotografie. Nun obsiegte die Lust auf David Lynch. Der amerikanische Regisseur, Fotograf und Musiker gilt als Meister des Surrealen und ist bekannt für eine düstere, schwermütige Bildsprache. «Eher schwere Kost», beschreibt es Buess. Darin einzutauchen, lohnt sich. Denn «Infinite Deep» bietet einen Querschnitt durch Lynchs fotografisches Schaffen aus zwei Dekaden. Die Ausstellung umfasst 120 Werke, die auch von Lynchs Musik untermalt werden. Für das Erlebnis sollten sich Besuchende rund eine Stunde Zeit nehmen. Kuratorin Nathalie Herschdorfer beschert dem Haus der Fotografie mit «Infinite Deep» einen imposanten Auftakt, sind doch Lynchs Fotografien erstmals in der Schweiz ausgestellt. Die Ausstellung ist noch bis am 27. Juni an der Kirchgasse 10 in Olten zu sehen, jeweils Mittwoch bis Sonntag, von 11 Uhr bis 17 Uhr. Sie ist auch über Ostern geöffnet. (fb)

www.ipfo.ch

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