Stadt
19.05.2021

«Ende Mai bricht der Sommer an»

Thomas Müller posiert vorschriftsgemäss mit Maske. Er sagt: «Wir kennen Corona und wir können Corona.»  (Bild: Achim Günter)

Thomas Müller posiert vorschriftsgemäss mit Maske. Er sagt: «Wir kennen Corona und wir können Corona.» (Bild: Achim Günter)

Badi Chefbadmeister Thomas Müller spricht über die Umsetzung der Corona-Massnahmen in der Oltner Badi. Und er erklärt, warum das bescheidene Wetter der letzten Wochen durchaus auch Vorteile hat.

Von: Achim Günter

Thomas Müller, was bereitet Ihnen momentan mehr Kopfzerbrechen: Corona oder das Wetter?

Thomas Müller: Sowohl Corona als auch das Wetter. Corona allerdings sicher mehr. Ich gehe jedoch davon aus, dass wir schon bald die Maskenpflicht innerhalb des Badi-Geländes aufheben können. Dann kämen wir dem normalen Badegefühl schon wesentlich näher.

Das Wetter ist auch eher trist. Seit der Eröffnung der Oltner Badi am 5. Mai gab es gerade mal zwei, drei schöne Tage.

Das Wetter ist immer so um diese Jahreszeit. Blickt man Jahre oder sogar Jahrzehnte zurück, so muss man festhalten: Am Eröffnungstag regnet es in der Regel. Aber Ende Mai bricht der Sommer an (lacht).

Kommt es Ihnen und dem Team vielleicht fast gelegen, dass Petrus bisher nicht mitspielt? Es dürfen ja ohnehin maximal 1600 Personen gleichzeitig rein.

1600 Personen gleichzeitig sind relativ viele. Da muss es sehr lange sehr heiss sein, bis diese Zahl erreicht wird. Diese Vorgabe schmerzt uns also nicht besonders. Ausserdem hoffe ich, dass wir diese Vorgabe bald ad acta legen können.

Wie schon im Vorjahr müssen Sie und Ihr Team diverse Pandemie-Massnahmen umsetzen. Welche bereitet Ihnen am meisten Mühe?

Am schwersten einzuhalten ist die Abstandsregel. Nicht unbedingt auf der Liegewiese. Viel schlimmer wäre es, wenn plötzlich zu viele Leute gleichzeitig in der Garderobe wären, sich ein Stau bilden würde und man sich da zu nahe käme. Auch der Gang in die Dusche zählt zu diesen neuralgischen Stellen. Beim Duschen selber wiederum besteht keine Ansteckungsgefahr.

Wie begegnen Sie diesen Gefahren? Gibt es Kontrollen?

Man sollte die Maske tragen. Diese Regel haben wir so kommuniziert. Kontrollieren? Wenn wir ein Nichteinhalten der Maskentragepflicht feststellen, machen wir die Fehlbaren darauf aufmerksam. Aber ich kann nicht in jede Dusche oder jede Garderobe eine Person reinstellen, die kontrolliert. Das funktioniert nicht. Es gibt auch auf der Strasse Verkehrsregeln, und da steht trotzdem auch nicht an jeder Ecke ein Polizist und passt auf, dass diese eingehalten werden. Wir machen Stichprobenkontrollen – so passt das!

Können Sie mit rund einem Jahr Erfahrung sagen, «Wir können Corona»?

Die Badi hat den Vorteil, über sehr viel Fläche zu verfügen. Man kann sich gut ausweichen. In diesem Sommer haben wir zusätzlich die frühere Spielwiese zur Liegewiese umfunktioniert, das heisst wir können das Ganze noch weiter entzerren. Deshalb: Wir kennen Corona und wir können Corona!

Sie haben sich mit den veränderten Gegebenheiten und Anforderungen ein Stück weit arrangiert.

Letztes Jahr war es schon sehr heftig. Man wusste nicht wie umgehen damit. Es erreichten einen irgendwelche Verordnungen und Auflagen, die umgesetzt werden mussten. Beim Wie gab es grosse Fragezeichen. Aber ich denke, wir haben das ganz gut hingekriegt. Die Badegäste waren ebenso zufrieden wie die uns überwachenden Ämter.

Und nun verfügen Sie über die Erfahrungen aus dem letzten Jahr, und alles ist einfacher.

Ja. Die Automatismen haben sich inzwischen eingespielt.

Aber der Mehraufwand ist nach wie vor beträchtlich.

Das ist natürlich so. Wir brauchen mehr Personal beziehungsweise mehr Personalstunden, um zum Beispiel nur schon einmal pro Stunde sämtliche Handläufe und Türklinken zu desinfizieren. Das ist ein ziemlich grosser Aufwand. Und trotz dieser Massnahmen ist eines erfreulich für den Badegast: Wir halten die Preise stabil. Die Gäste werden nicht noch weiter belastet durch eine Preissteigerung.

Das Schwimmerbecken ist wie bereits 2020 aufgeteilt in Bereiche für Schnell- und für Plauschschwimmerinnen. Dazu wird im Kreisverkehr am Rand geschwommen. Vor kurzem hätte so etwas noch völlig absurd geklungen.

Aus Deutschland kannte ich das nicht. Aber als ich als Badmeister in die Schweiz kam, habe ich viele Badeanstalten erlebt, die das von Anfang an so pflegten. Letztes Jahr gab es bei uns im Schwimmerbecken nur zwei Zonen, eine für Schnell- und eine für Plauschschwimmer. Auch diesbezüglich haben wir gelernt, auch durch Hinweise und Wünsche unserer Gäste. Jetzt haben wir in der Mitte zwei Bahnen für Schnellschwimmer. Und die sind begeistert. Links und rechts davon gibt es je eine Zone für die Plauschschwimmer und Aquajoggerinnen. Auch die sind sehr zufrieden.

Besteht denn aufgrund der Rückmeldungen sogar die Chance, dass diese Einteilung über Corona hinaus bestehen bleibt?

Die Wahrscheinlichkeit ist gross.

Was bekommen Sie generell für Rückmeldungen von den Gästen wegen der Corona-Einschränkungen?

Das Feedback betrifft hauptsächlich die Maskenpflicht. Einige sehen nicht ein, wieso Maskentragepflicht besteht auf dem Weg zum Becken und zurück. Die halten das für Humbug. Diese Regel besteht nun aber bei uns. Und solange sich die Corona-Situation nicht markant bessert, bestehen wir darauf. Aber wir hoffen darauf, dass der Bundesrat bald für Lockerungen sorgen wird. Denn eigentlich ist ein Schwimmbad, in dem man sich mit der Maske an die Sonne legt, ja Quatsch. Hätten wir bereits schöne Tage gehabt, hätten wir bestimmt auch schon einiges an Beschwerden bekommen. Insofern ist das Wetter momentan tatsächlich unterstützend. Und nachdem nun die Durchimpfung so flott vorangeht, wird Corona hoffentlich noch dieses Jahr vergessen sein.

Der 62-jährige Thomas Müller amtet seit 2008 als Chefbadmeister in Olten. Er hat sein gesamtes Berufsleben als Badmeister verbracht. 1985 legte er an der Technischen Universität München seine Meisterprüfung ab. Er ist Witwer und wohnt in Walliswil bei Niederbipp. Müller stammt aus Selb in Oberfranken. (agu)

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