Stadt
08.09.2021

Die WM als Vehikel für mehr Selbsthilfegruppen

Sieben der neun Spielerinnen und Spieler, welche die Schweiz in Berlin vertreten werden. Silvia Lerch ist die Zweite von rechts. (Bild: ZVG)

Sieben der neun Spielerinnen und Spieler, welche die Schweiz in Berlin vertreten werden. Silvia Lerch ist die Zweite von rechts. (Bild: ZVG)

Parkinson-Tischtennis-WM Vom 9. bis 11. September findet in Berlin die zweite Parkinson-Tischtennis-Weltmeisterschaft statt. Dabei sein wird auch eine Oltnerin.

Von: Achim Günter

An diesem Wochenende wetteifern in Berlin Spielerinnen und Spieler aus der ganzen Welt an der zweiten Parkinson-Tischtennis-WM um Medaillen. Erstmals wird dabei auch eine Schweizer Delegation vertreten sein, angeführt von der Oltnerin Silvia Lerch. Die Strahlkraft des Schweizer Teams soll mithelfen, die weltweite Bewegung «PingPongParkinson» auch in der Schweiz zu verankern.

PingPongParkinson? Dahinter verbirgt sich eine aus den USA stammende Bewegung. Sie verfolgt das Ziel, die Gründung von Selbsthilfegruppen von Parkinsonbetroffenen zu fördern, die sich zum Tischtennisspielen treffen. Eine solche Selbsthilfegruppe gibt es bisher in der Schweiz nicht. Die Teilnahme der neun Schweizerinnen und Schweizer an der WM in Berlin «soll gluschtig und vor allem auch Mut machen», erklärt Lerch.

Die 48-Jährige hofft, dass sich möglichst viele Parkinsonbetroffene an den WM-Teilnehmern orientieren und sich trotz ihrer körperlichen Einschränkungen für das Mitmachen in einer Selbsthilfegruppe entscheiden werden. Lerch, die zu Schulzeiten bereits während dreier Jahre Tischtennis gespielt hatte und seit 2015 mit der Diagnose Parkinson lebt, würde sich sehr freuen, wenn es in Kooperation mit lokalen Tischtennisclubs demnächst auch ein Angebot in der Region Olten gäbe.

Neurologen empfehlen Tischtennis für Parkinson-Erkrankte als ideale Sportart. Laut Lerch aus zwei Gründen: Zum einen öffneten die beim Tischtennis ausgeführten Bewegungen die Körperhaltung; die Gefahr einer vornehmlich vornüber gebeugten Körperhaltung, wie sie Parkinson-Erkrankten oft eigen ist, werde so gemindert beziehungsweise verzögert. Zum anderen verlangsame die schnelle Sportart den Abbau kognitiver Fähigkeiten. Beim Tischtennis müssen Strategien entwickelt oder der Gegner gelesen werden – das Gehirn bleibt länger fit. Parkinson geht mit einer erhöhten Gefahr einer Demenzerkrankung einher.

Unter professioneller Anleitung trainiert

Die Parkinson-Tischtennis-Weltmeisterschaft steht unter der Schirmherrschaft des Welt-Tischtennis-Verbandes (ITTF). Die erste WM-Austragung fand im Frühjahr 2019 in New York statt. Lerch wurde durch Facebook darauf aufmerksam und sagte sich: An dieser WM will ich künftig auch teilnehmen. Die zweite WM sollte ein Jahr darauf in Berlin über die Bühne gehen, wurde aber wegen Corona in den Herbst 2021 verschoben.

Silvia Lerch ergriff die Initiative für die Teilnahme an der WM in Berlin für sich und Gleichgesinnte vor mehr als einem Jahr. Sie konnte sogar eine ehemalige NLA-Tischtennisspielerin und heutige NLA-Trainerin für das Projekt gewinnen. Karin Opprecht, Trainerin des TTC Rapid Luzern, leitet seither regelmässig Trainings der angehenden WM-Teilnehmer. «Wir haben extrem von diesen Trainings profitiert», schwärmt Lerch. Ob sich die Anstrengungen in der WM-Vorbereitung in Form von Edelmetall auszahlen werden? Die Schweizer treten gemäss Lerch in der deutschen Hauptstadt jedenfalls mit Ambitionen an. «Eine Medaille – egal welche» soll her.

Gespielt wird in knapp zehn verschiedenen Kategorien. Neben der «klassischen» Unterteilung in Frauen, Männer und Mixed spielen auch die Tischtenniserfahrung und der Schweregrad der Erkrankung eine Rolle bei der Einstufung. Die meisten Schweizer WM-Fahrer gehören dem von Lerch 2018 gegründeten Verein «move4ypd» an. Dessen Vereinsaktivitäten richten sich an junge und junggebliebene Parkinsonkranke. Eine Altersgrenze gibt es nicht. «Der Verein spricht Leute an, die Mut mitbringen und die Freude haben an unseren Veranstaltungen», so Lerch.

Qualifizieren für die WM mussten sich die neun Schweizer Berlin-Fahrer nicht. Bedingung ist einzig eine durch einen Arzt diagnostizierte Parkinson-Erkrankung. Blutige Tischtennis-Anfänger finden sich aber ebenso wenig in der Schweizer Delegation wie ehemalige Vereinsspieler.

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