Stadt
22.09.2021

«Hobby und Botschaft fliessen zusammen»

Albert Blum-Kolb lebt seine Leidenschaft fürs Imkern seit kurzem im Oltner Klostergarten aus. (Bilder: Achim Günter)
Idyllisch: Die fünf Bienenvölker leben in einer ruhigen Ecke des Klostergartens.

Albert Blum-Kolb lebt seine Leidenschaft fürs Imkern seit kurzem im Oltner Klostergarten aus. (Bilder: Achim Günter)

Albert Blum-Kolb lebt seine Leidenschaft fürs Imkern seit kurzem im Oltner Klostergarten aus. (Bilder: Achim Günter)
Idyllisch: Die fünf Bienenvölker leben in einer ruhigen Ecke des Klostergartens.

Idyllisch: Die fünf Bienenvölker leben in einer ruhigen Ecke des Klostergartens.

Kapuzinerkloster Seit gut anderthalb Monaten leben fünf Bienenvölker im Oltner Klostergarten. Deren Imker Albert Blum-Kolb ist sehr glücklich über den Standort – auch aus theologischen Überlegungen.

Von: Achim Günter

Der Morgen, an dem wir uns treffen, ist verregnet. So wie oft in diesem Jahr. Wetter für Regenwürmer oder Schnecken. Nicht aber für Bienen. Um letztere jedoch dreht sich ein Grossteil unseres Gesprächs. Um die Bienen des Oltner Klostergartens.

Ja, im Oltner Klostergarten leben fünf Bienenvölker. Anfang August sind sie hier eingezogen. Selbstverständlich mit dem Segen der im Kloster wohnenden Kapuziner. Hingebracht wurden die Bienen vom Imker Albert Blum-Kolb. Mit ihm treffen wir uns zum Gespräch. Der 63-Jährige ist ein spannender, lebhafter, wortgewandter Gesprächspartner.

Der Bauernsohn aus dem Luzernischen liess sich erst zum Agronomen ausbilden, ehe er mit Anfang 30 seine wahre Berufung als Mann Gottes fand. Er hängte eine theologische Ausbildung an und arbeitete fortan als Seelsorger und Gemeindeleiter in der Katholischen Kirche. Das Imkern hat der dreifache Vater für sich entdeckt, als er mit seiner Familie von 1992 bis 1997 als «Agrotheologe», wie er schmunzelnd berichtet, in Bolivien lebte. Eigentlich war es aber vielmehr eine Wiederentdeckung, hatte doch Blum-Kolbs Vater ebenfalls bereits Bienen gehegt und seinen Sohn damals daran teilhaben lassen. Nach einer längeren Pause begann der Theologe 2013 wieder zu imkern.

Bis zu seiner Frühpensionierung in diesem Sommer arbeitete Blum-Kolb als Gemeindeleiter in Strengelbach und Zofingen. Mit dem Ende seiner Berufskarriere entschloss er sich auch zu einem Wohnortswechsel. So kam er Anfang August nach Olten – und mit ihm seine fünf Bienenvölker. Diese hatten bis anhin den Balkon des Pfarrhauses Strengelbach bevölkert. Seit dem 3. August brechen Biene Maja und Co. ab dem Klostergarten zu ihren täglichen Nahrungstouren auf. Übrigens auch an diesem Morgen zahlreich, trotz des Nieselregens.

2022 solls erstmals Klosterhonig geben

Inzwischen geht auch Blum-Kolb im Kloster ein und aus. Letzte Woche hielt er mit seiner Frau für die Brüder einen Vortrag über die Bienen und die Imkerei. Momentan bereitet er seine Bienenvölker auf den Winter vor, nährt sie mit Futtersirup. Die letzte Ernte eingebracht, also Honig abgeschöpft, hat der 63-Jährige im Juli, noch in Strengelbach. Den ersten Oltner Klosterhonig produzieren wird er erst 2022. Er hofft auf zwei Ernten, etwa Ende Mai/Anfang Juni und dann nochmals im Juli.

Der Familienvater produziert mit seinen fünf Völkern für den erweiterten Eigengebrauch. «Ich gehe damit nicht auf den Weltmarkt», sagt er. «Und ich habe auch keine Lust, auf Weihnachtsmärkten herumzutingeln.» Es sei für ihn einfach Leidenschaft. «Eine, bei der sich die Theologie und die Agronomie treffen.»

Blum-Kolb wurde auf seinem Werdegang von vielen verschiedenen Kongregationen geprägt. Am besten kann er sich wohl mit den Franziskanern identifizieren. Das Schöpfungsbetonte der Franziskaner sei für ihn als ausgebildeter Agronom schon sehr lange zentral. Der Theologe erwähnt in diesem Zusammenhang die grosse Ökumenische Versammlung 1989 in Basel, auf der die Landeskirchen das Ziel definiert hatten, sich künftig gezielt für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. Im Kirchenjahr legt man vom 1. September bis zum 4. Oktober in der sogenannten Schöpfungszeit ein besonderes Augenmerk darauf. In diesem Zeitraum sollen «in der Kirche die Schöpfungszusammenhänge bedacht und gefeiert werden», wie sich Blum-Kolb ausdrückt. Eine klassischer Schöpfungszusammenhang sei der Erntedank, ein anderer der Bettag.

Die Bienen seien überdies ein Indikator für den Zustand der Welt. Er zitiert zwischendurch auch mal seinen Namensvetter Albert Einstein, um die Bedrohung der Schöpfung zu veranschaulichen: «Wenn die Bienen sterben, leben wir noch vier Jahre.» Und schon die Bibel sei voller Stellen, in denen Bienen oder Honig erwähnt würden. In Klöstern gehöre die Bienenhaltung vielerorts seit Jahrhunderten dazu.

Über die neue Heimat seiner Bienen ist Blum-Kolb auch deshalb sehr glücklich. «Der Standort ist wunderbar, denn hier fliessen Hobby und Botschaft zusammen.» Die Botschaft, die ist dem Theologen ganz besonders wichtig. Kurz zusammengefasst lautet diese: Die aktiven Bienen lobpreisen die Schöpfung, basierend auf der franziskanischen Interpretation der Schöpfungstheologie, der auch die Kapuziner nachleben.

Ein schwieriges Jahr für die Bienen

Aber auch für die eher profanen Bedürfnisse der Bienen hält Blum-Kolb deren neue Heimat für ideal. «Sie haben dort ihre Ruhe. Und das Nahrungsangebot ist heutzutage in der Stadt fast besser als auf dem Land.» Die Bienen ernähren sich von Blüten und Nektar – 2021 unter erschwerten Bedingungen. Wie beurteilt denn der Imker das Wetterjahr? «Bei uns hier war es ein verregnetes Jahr. Es gab sehr viel Niederschlag zu jenen Zeiten, in denen die Bienen den Nektareintrag machen und es Honig geben sollte.» Honig habe deshalb – etwa im Gegensatz zum ausgezeichneten Vorjahr – kaum produziert werden können. Das Wetter sei sogar so schlecht gewesen, dass sich für die meisten Imker die Frage stellte: Wie überleben die Völker?

Der Austausch mit anderen Imkern ist Blum-Kolb sehr wichtig. Man habe nie ausgelernt. Und manchmal geht es auch einfach nur darum, eigene Selbstzweifel zu beseitigen. So trat er denn auch bereits dem Oltner Bienenzuchtverein bei. Kein Zweifel: Albert Blum-Kolb und seine Klostergarten-Bienen sind gekommen, um zu bleiben.

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