Stadt
20.10.2021

Neuer Platz für das Wir-Gefühl

«Olten hat das Bedürfnis, als Stadt zusammenzukommen.» Sarah Wimmer, Co-Präsidentin von Pro Kultur Olten vis-a-vis vom Oltner Coop City. (Bild: Franz Beidler)

«Olten hat das Bedürfnis, als Stadt zusammenzukommen.» Sarah Wimmer, Co-Präsidentin von Pro Kultur Olten vis-a-vis vom Oltner Coop City. (Bild: Franz Beidler)

Bilanz Pro Kultur Olten zieht Ende der Saison eine durchzogene Bilanz für die angebotenen Kulturplätze. Nun will der Verein die Wertschöpfung aus der Kultur messen und Olten zusammenbringen.

Von: Franz Beidler

Ein farbiges Rechteck am Boden, etwa drei Mal sechs Meter, daneben ein Schild mit knapper Erklärung: Das ist eigentlich alles, was es braucht, um einen Kulturplatz zu schaffen. «Egal ob bildende Kunst, Musik, Literatur, Tanz oder Theater», beginnt der Text auf dem Schild. Im Rechteck kann alles aufgeführt werden, eine Anmeldung oder Reservation ist weder möglich noch nötig. Den Rest, also die Kultur selbst, machen dann die Kulturschaffenden.

Das ist die Prämisse der beiden Oltner Kulturplätze von Pro Kultur Olten. Zum vierten Mal in fünf Jahren – letztes Jahr wurde das Projekt wegen der Pandemie ausgesetzt – wurden sie heuer markiert, wie jedes Jahr von Anfang Juli bis Ende Oktober. Waren es bei der ersten Austragung im Jahr 2017 noch vier Plätze, sind es seither noch deren zwei: einer vis-a-vis vom Coop City und einer gegenüber der Fachhochschule an der Ecke Von Rollstrasse und Riggenbachstrasse.

«Es ist schwierig, festzustellen, wie und wie häufig die Kulturplätze genutzt werden», sagt Sarah Wimmer. Die 25-Jährige teilt sich zusammen mit Sarah Baschung das Präsidium von Pro Kultur Olten. Zwar fordert das Schild auf, dem Verein Fotos zukommen zu lassen oder die Aktionen über Social Media zu teilen und entsprechend zu kennzeichnen, aber: «Wir erhalten nur sehr wenige Rückmeldungen», sagt Wimmer. In der aktuellen Saison seien es sogar nur zwei Fragen zu den Rahmenbedingungen gewesen. «Wir hatten aber auch sehr schlechtes Wetter im Sommer», gibt die Co-Präsidentin zu bedenken.

Dabei hatte die Saison 2021 eigentlich gut begonnen. Pro Kultur Olten organisiert zur Saisoneröffnung der Kulturplätze jeweils einen Rundgang mit Aufführungen. «Trotz schlechtem Wetter kamen dieses Jahr mehr Leute an den Rundgang als in den Vorjahren», erzählt Wimmer. Sie habe bei den Anwesenden einen Kulturhunger nach den mageren Coronamonaten gespürt. «Aber zuschauen und selber machen sind eben zwei verschiedene Dinge», meint Wimmer.

Grundsätzlich von Idee überzeugt

So stellt sich der Verein die Frage, ob es im kommenden Jahr die Kulturplätze noch geben soll. «Grundsätzlich sind wir von der Idee überzeugt: nämlich niederschwellig Platz für Kultur zu schaffen», stellt Wimmer klar. Es gelte nun herauszufinden, was die Gründe für die mässige Nutzung seien. «Ist tatsächlich kein Bedürfnis vorhanden? Oder sind die Standorte unglücklich gewählt?», formuliert Wimmer zwei mögliche Fragen.

Damit stellt sich Pro Kultur Olten einer heutzutage beinahe täglichen Herausforderung von Kulturschaffen: jener der Messbarkeit. Wie gut müssen die Ränge eines Theaters gefüllt sein, damit dieses als kulturell wertvoll gilt? Wie gross muss die Leserschaft eines Buches sein? Und ist Kultur nicht auch dann wertvoll, wenn sie nur von jenen erlebt wird, die sie selbst machen? Die Antworten auf diese Fragen entscheiden über Subventionsgelder und damit schlussendlich über die Vielfalt eines professionellen Kulturbetriebs.

Pro Kultur Olten nimmt sich dem Messbarkeitsproblem in einer Arbeitsgruppe an: «Die Arbeitsgruppe Zahlen», erzählt Wimmer. Die Gruppe versucht nachzuzeichnen, wie viel Wertschöpfung aus Kultur entsteht. «Eine Theateraufführung oder ein Buchfestival kommen auch der Gastronomie und dem Gewerbe zugute», argumentiert Wimmer. Wie genau, sei aber schwierig festzustellen. «Vieles basiert auf Freiwilligenarbeit», sagt Wimmer. Darüber würde fast nirgends Buch geführt. «Ausserdem wird Kultur oft zusammen mit Sport budgetiert.» Das im Nachhinein auseinanderzuhalten, sei fast unmöglich. Die Arbeitsgruppe Zahlen hat Vergleiche von Olten zu Baden oder Aarau angestellt. «Andere Städte führen genauer Buch», fasst Wimmer zusammen.

Kulturstammtisch alle zwei Monate

Eine andere der insgesamt vier Arbeitsgruppen, in denen sich Pro Kultur Olten organisiert, ist jene des Kulturstammtischs. «Damit wollen wir erfahren, was den Kulturleuten von Olten wichtig ist», erklärt Wimmer. «Schliesslich soll Pro Kultur Olten etwas machen, das ihnen nützt.»

Entstanden ist der Kulturstammtisch an der Kulturkonferenz, die Pro Kultur Olten im Januar 2020 in der Oltner Schützi durchführte. Die Idee ist abgekupfert von der Kulturlobby Winterthur, die damals ihre Arbeit an der Oltner Konferenz vorstellte. «Dabei sollen die unterschiedlichen Akteure aus dem Kulturbereich zusammenkommen», erläutert Wimmer. «Also zum Beispiel Künstler, Veranstalter, Medienleute oder die Politik», zählt sie auf.

Nun fand Ende September der erste Kulturstammtisch im Mokka-Rubin statt. «Das war ein grosser Erfolg», resümiert Wimmer. Vor allem das Bedürfnis nach mehr Vernetzung sei dabei klar geworden. Neun Personen hätten teilgenommen. Gemeinsam beschlossen sie, dass Pro Kultur Olten einen internen Veranstaltungskalender führen soll. «So können Doppelspurigkeiten vermieden werden», erklärt Wimmer. Würden die einzelnen Anlässe zeitlich aufeinander abgestimmt, profitierten alle davon. «So könnte ein Konzert unmittelbar nach einer Vernissage stattfinden», macht Wimmer ein Beispiel. Auch biete ein gemeinsamer Kalender die Gelegenheit, beim Publikum gegenseitig füreinander zu werben.

Von nun an will Pro Kultur Olten jeden zweiten Monat einen Kulturstammtisch durchführen. Dabei soll von Mal zu Mal ein anderes Vereinsmitglied als Gastgeber fungieren. Der nächste Kulturstammtisch findet am Freitag, 19. November, um 12 Uhr im Kunstmuseum Olten statt, zum Mittagessen. Wer daran teilnehmen möchte, meldet sich per E-Mail an. Es gelten die 3G-Regeln.

«Corona hat vieles lahmgelegt», sagt Wimmer. Das sei aber auch eine Möglichkeit, sich zu hinterfragen. Unter den Mitgliedern von Pro Kultur Olten sei ein Wir-Gefühl spürbar. «Olten hat das Bedürfnis, als Stadt zusammenzukommen.»

www.pro-kultur-olten.ch

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