Stadt
26.01.2022

Ein Roman, ein Denkmal – und nun auch eine Gutenachtgeschichte

Stefan Kainersdorfer.
Die Toulouse-Kunstkarte von Stephan Kainersdorfer. (Bild: ZVG)

Stefan Kainersdorfer.

Stefan Kainersdorfer.
Die Toulouse-Kunstkarte von Stephan Kainersdorfer. (Bild: ZVG)

Die Toulouse-Kunstkarte von Stephan Kainersdorfer. (Bild: ZVG)

Gutenachtgeschichte Rentner Stephan Kainersdorfer lässt für seine Enkelinnen die Geschichte von Kater Toulouse wieder aufleben. Auch ein Bild von Toulouse hat er gemalt.

Von: Achim Günter

Stephan Kainersdorfer erfüllt seine Pflichten als Grossvater gewissenhaft. Hin und wieder liest der 73-Jährige seinen beiden Enkelinnen, drei und fünf Jahre alt, gerne eine Gutenachtgeschichte vor. Dieses Unterfangen stellt sich aber nicht immer als einfach heraus. Kainersdorfer, in Hägendorf geboren und aufgewachsen und seit 40 Jahren in Olten zuhause, wird da auch mal erfinderisch. Auf der Suche nach einer geeigneten Geschichte fiel sein Blick im Bücherregal auf Alex Capus’ Buch «Der König von Olten», dessen Einband der Kater Toulouse ziert.

Kainersdorfers Enkelinnen wollten zu gerne die Geschichte von Toulouse hören. Nun ist aber «Der König von Olten» kein Kinderbuch, und in ihm geht es um weit mehr als nur um den schwarzen Kater mit der weissen Brust. Kainersdorfer entschloss sich, angelehnt an Capus’ Roman beziehungsweise Bezug nehmend auf den echten Toulouse, der ja in Olten sogar in einem Denkmal auf dem Kaplaneiplatz weiterlebt, selber eine Gutenachtgeschichte über Toulouse zu schreiben – auf Schweizerdeutsch.

Der ehemalige SBB-Angestellte, der lange Jahre Radrennen fuhr und auch über zahlreiche Radrennen berichtete, malt seit seiner Pensionierung oft und gern. So malte er auch ein Abbild von Kater Toulouse. Dieses fand in seinem Bekanntenkreis derart viel Gefallen, dass er sich entschied, 500 Kunstkarten mit dem Motiv seines Bildes drucken zu lassen. Diese Kunstkarten sind nun in der Buchhandlung Schreiber erhältlich.

Aber zurück zur Gutenachtgeschichte. Der Rentner ist überzeugt, dass die Kurzgeschichte über den 2017 verstorbenen Toulouse nicht nur seinen beiden Enkelinnen, sondern auch vielen anderen Kindern, Eltern oder Grosseltern Freude bereiten kann. Wir drucken deshalb die Geschichte ab, auf dass die Geschichte des stolzen Katers Toulouse in Olten und Umgebung lebendig bleibe.

 

Toulouse – der König vo Olte

Es esch im Mai vor viele Johre gse, wo z’Olte a dr Hauptgasse es chlises Büsi uf d’Wält cho esch. Es esch es Büebli gsi, wo no witeri Gschwüschterli gha hett. Mit sim choleschwarze Fähli und er ä wisse Bruscht und wisse Töpli isch es bald der Liebling vo allne Chind gsi. Der Toulouse hett immer schön gässe und sini Milch trunke und esch bald einisch e grosse und stolze Kater worde. Är esch viel i dr Stadt umenand gschtrünt, sogar bis über die alti Holzbrugg esch er gloufe. Dört aber esch es ihm z’gfährlich worde. Die Houptstross do esch nüt für ihn gsi. Lieber esch är der Aare no gloufe und hed Änteli verschücht und ou Schwän. Eigentlich esch das bi de Schwän aber ganz anders usecho, als sich der Toulouse dänkt het. Die grosse, wisse Vögel hei vor ihm gar kei Angscht gha und hei ne aagfuchet und mit de Flügel um sich gschlage. Do het euses Büsi aber doch e chli Angscht übercho und esch lislig heizue trottet.

Es andersmol het die Chatz es Müsli gjagt und hets würkli au verwütscht und ine Egge triebe, wo’s nümme wäg het chönne. Do het ne s’Müsli mit truurige Öugli agluegt und au en Träne vergosse vor luter Angscht und sogar i d’Hose gmacht vor Schreck. Jetz hett der Toulouse sälber Beduure gha mit däm chline Gschöpf und ned gwüsst, was är söll mache. Är het d’Öugli zuegmacht zum Überlege. S’Müsli het das gseh und esch schnäll dervogschprunge und bevor er d’Auge wieder uufgmacht het, esch das Müsli niene me gse. Henusode, esch au rächt, het’s Büsi dänkt und esch witer tippelet um en Vogel z’fange. Das esch aber viel schwieriger gse, als em ene Müsli nochezrönne. Die Vögel hei alli chönne flüge und är jo ned. Wo eine vo dene Spatze uf ne höche Boum gfloge esch, het der Toulouse ned lang zögeret und esch uf dä Boum ufekläteret. Jö, esch das höch obe, het är dänkt und es esch em nümme wohl gsi uf däm Boum, wo so höch gsi esch wie en Hüserblock. Der Vogel esch scho lang wiitergfloge gsi, esch s’Büsi immer no uf äm üsserschte Ascht ghocket und het nüm wiitergwüsst. Stundelang esch är dort obe bliibe und het gmiauet. Er het en grosse Hunger gah und viel Durscht. Wo ne denn sini Lüt si cho sueche, het er obe abe briegget: Miiiiiaaaaauuuu! Miiiaaauuu!

Sie hei ne ghört und will niemer so höch ufe het chönne oder welle chlättere, het me der Füürwehr aglütet. Die sin mit der grosse Leitere agrückt und eine vo dene Füürwehrmanne esch bis zu ihm ufeklätteret, hett ne undere Arm gnoh und das ängschtleche Büsi sicher uf en Bode abe brocht. Du Luser, besch wieder do, het sin Frau gseit und well so viel Lärm um ehn umme gseh esch, hei die meischte Lüüt Toulouse verschtande, statt Du Luser. So esch är ändlige zu sim Name choh. Vorher hei alli numme grüft: chum Büs, Büs, chumm Büseli, chumm.