Stadt
24.05.2022

Gibt es in Olten bald eine Katharina Muff-Schule?

Mitglieder des elfköpfigen Komitees überreichen dem Oltner Stadtrat für Bildung und Sport, Nils Löffel, das Dossier. (Bild: ZVG)

Mitglieder des elfköpfigen Komitees überreichen dem Oltner Stadtrat für Bildung und Sport, Nils Löffel, das Dossier. (Bild: ZVG)

Olten Das neue Oltner Schulhaus Kleinholz soll bei seiner Einweihung 2024 nach einer weiteren Oltner Pionierin für Frauenrechte, der Gärtnerin und Rednerin Katharina Muff benannt werden. Diesen Vorschlag hat das neue Komitee «Oltnerinnen sichtbar machen» am Montag dem Stadtrat übergeben.

Für das Komitee «Oltnerinnen sichtbar machen» ist es für die Stadt Olten eine grosse Chance, das neue Schulhaus im Kleinholz nach dieser «mutigen, hart arbeitenden Frau, Politikerin und Mutter» zu benennen. Die Stadt Olten könne damit erinnern und bewusst machen, dass die gleiche Schulbildung wie auch die politische und wirtschaftliche Gleichstellung der Frauen erkämpft werden musste. Und sie könne den heutigen Schülerinnen und Schülern zeigen, dass der Zugang zur Bildung für alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, gepaart mit persönlichem Willen auch unter erschwerten Startbedingungen der Schlüssel zu einem erfolgreichen Berufs- und Privatleben, zur Integration in die Gesellschaft, sei.

Die beeindruckende Lebensgeschichte von Katharina Muff-Arenz (1868-1951) stehe exemplarisch für den Kampf für die Chancengleichheit von Frauen in Politik, Beruf und Bildung im frühen 20. Jahrhundert. Mit der damals nur rudimentären Schulbildung für Mädchen in Rechnen, Schreiben und Lesen im Gepäck, hatte sich die 17-jährige Tochter einer armen, kinderreichen Kleinbauernfamilie aus dem luzernischen Altbüron nach Olten aufgemacht, um bei einer angesehenen Oltner Arztfamilie als Hausmädchen zu arbeiten. Später war sie Serviertochter auf der Frohburg. Zentrum ihres Erwachsenenlebens ab 1890 war das Quartier Kleinholz, wo sie zeitlebens mit ihrer Familie wohnte und arbeitete. Am Hausmattrain führte Katharina Muff mit ihrem ersten, früh verstorbenen Mann Heinrich Arenz während 30 Jahren eine Gärtnerei und war als Samenhändlerin auf Märkten unterwegs. In der Oltner Arbeiterinnenbewegung schärfte sie ihren Blick für soziale Probleme der Frauen und eignete sich mit sozialistischer Literatur mehr Wissen an. Sie gründete 1911 den ersten Arbeiterfrauenverein, die spätere SP-Frauengruppe. Zudem half sie weiteren Frauengruppen ins Leben und vernetzte diese miteinander. Katharina Muff trat als talentierte und mitreissende Rednerin auf und hielt Bildungsvorträge. Sie war zu ihrer Zeit die bekannteste Kämpferin für die Gleichstellung von Frau und Mann im Kanton Solothurn. Das Frauenstimmrecht erhielt sie zeitlebens nicht. Sie war mit den jüngeren Oltner Frauen, welche den Kampf bis 1971 weiterführten – Trudi Witta-Humm, Maria Felchlin und Lilian Uchtenhagen – bekannt und für diese ein Vorbild.

Das Komitee besteht aus Historikerinnen, Lehrerinnen, Gemeinde- und Kantonsrätinnen, Quartierbewohnerinnen und weiss auch die Enkelin der Pflegetochter der zu Ehrenden in ihren Reihen. Auch wenn es bisher in Olten üblich war, die Schulen nach den Quartieren zu benennen, spreche vieles dafür, neue Wege zu gehen. sar