Stadt
27.02.2019

«Das Haus gehört der Bevölkerung»

«Es ist wichtig, dass die Räumlichkeiten möglichst flexibel genutzt werden können», betont Lilo Moser, die Gesamtleiterin der Stadtbibliothek Aarau. (Bild: mim)

«Es ist wichtig, dass die Räumlichkeiten möglichst flexibel genutzt werden können», betont Lilo Moser, die Gesamtleiterin der Stadtbibliothek Aarau. (Bild: mim)

Stadtbibliothek Die von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) verfasste Studie informiert über den Ist-Zustand der Oltner Stadtbibliothek und zeigt Entwicklungsmöglichkeiten auf. Wie sich andere Bibliotheken positionieren, beleuchtet ein Besuch in der Stadtbibliothek Aarau.

Mirjam Meier

Mmorgens um 8 Uhr öffnet sich die schwere Holztüre zum denkmalgeschützten «Hübscher-Haus» aus dem Jahr 1780. Seit 1969 befindet sich die Stadtbibliothek im geschichtsträchtigen Haus im Herzen der Stadt Aarau. Lilo Moser, Gesamtleiterin seit 23 Jahren, erzählt auf dem Weg in ihr Büro im Dachgeschoss, dass die Bibliothek bei ihrem Eintritt 1996 noch auf drei Stockwerke verteilt gewesen sei. Seit dem Umbau vor mehr als zwanzig Jahren erstreckt sich nun alleine der Publikumsbereich behindertengerecht auf vier Stockwerke. Eine angebaute Terrasse bietet zudem in den Sommermonaten Platz für Café-Stunden im Freien. «Grundsätzlich hätten auch wir gerne ein einfacher zu bewirtschaftendes Gebäude, das nicht verwinkelt über insgesamt sieben Stockwerke führt», räumt Moser angesprochen auf die Mehrstöckigkeit ein, die in der von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) verfassten Studie über die Stadtbibliothek Olten als unpraktisch eingestuft wird. Es gebe aber auch Vorteile. «Das Gebäude steht an bester Lage Mitten in Aarau und unsere Besucher lieben den Charme des altehrwürdigen Hauses», hält Moser fest. Dabei zirkulieren sogenannte «Floorwalker» durchs Haus, räumen Medien ein und beantworten Fragen. Zu einem ebenfalls wichtigen Teil der Stadtbibliothek Aarau entwickelte sich das 2002 eröffnete Café Littéraire, das durch einen Pächter betrieben wird. «Das Café baut Berührungsängste ab und bringt Personen in unser Haus, die ansonsten nie eine Bibliothek betreten würden.»

Wandel nach «goldigen» Jahren

Mit diesen räumlichen Veränderungen verzeichnete die Stadtbibliothek Aarau bis ins Jahr 2012 «goldige» Jahre, in welchen Non-Books, wie DVD’s und Hörbücher, für zusätzlichen Aufwind sorgten. «Einst waren Bibliotheken der einzige Ort, um sich Wissen und Informationen zu beschaffen. Dies ist heute, wo die meisten Informationen im Netz kostenlos und mit wenigen Klicks erhältlich sind, nicht mehr der Fall», erzählt die Gesamt-leiterin. Aufgrund der rückläufigen Ausleihzahlen entwickelte sie gemeinsam mit ihrem Team und anderen Bibliotheken an einem Workshop des Schweizerischen Bibliotheksdienstes ein Konzept für die kommenden Jahre und legte dieses im Jahr 2013 der Politik vor. Dabei galt es gemäss Moser sowohl die Kosten für die Neuerungen, als auch die Effizienzsteigerung durch neue Technik und die Auslagerung von Arbeiten aufzuzeigen.

Kinder und Erwachsene an einem Ort

Aarau verfügte jedoch bereits damals im Gegensatz zu Olten über ein grosses Plus, so waren Kinder-, Jugend- und Erwachsenenliteratur stets allesamt in der Stadtbibliothek Aarau zu finden. Anders in Olten, was auch Lilo Moser aus eigener Erfahrung bestätigen kann. «Ich bin in Olten aufgewachsen. Dabei war für mich als lesebegeistertes Kind der Weg vom Meierhof hinunter in die Kinder- und Jugendbibliothek am Zielemp nie ein Hinderungsgrund. Später besuchte ich die Kanti-Bibliothek, bis ich dort nichts mehr fand, das mich interessierte, weshalb ich für längere Zeit keine Bibliothekskundin mehr war», erzählt Moser. Die Zusammenführung von Kinder-, Jugend- sowie Erwachsenenliteratur empfiehlt denn auch die HTW in ihrer Studie.

Die Bibliothek soll ein Treffpunkt sein

«Die Umsetzung des neuen Konzeptes erforderte Vertrauen. Die Bevölkerung soll das Haus für ihre Bedürfnisse nutzen. So vermieten wir unsere Räumlichkeiten für verschiedenste Anlässe», erzählt die Leiterin und fügt schmunzelnd an: «Einmal haben wir die Stadtbibliothek Aarau für einen Kindergeburtstag über Nacht vermietet. Die Bibliothek soll ein Treffpunkt sein, ein Ort, um ohne Konsumationszwang mit kostenlosem WLAN die Freizeit zu verbringen.» Daneben finden verschiedenste Veranstaltungen, organisiert durch die Stadtbibliothek, den Förderverein oder durch zahlreiche Freiwillige, statt: Die Badi-Bibliothek mit einem ausgewählten, neuen Bücherbestand, «Gigampfe, Värsli stampfe» für Babys, Gamen am Mittwochnachmittag für Jugendliche, Schreibkurse, Erzählnacht, Geschichten in verschiedenen Fremdsprachen und ein Generationenprojekt mit einem Lesementoring zwischen Senioren und 2. bis 3. Klässlern, um nur einige zu nennen. Neben der aktiven Belebung wurden auch in der Bibliothek mit minimierter Literatur, die grosszügig präsentiert wird, sowie durch räumliche Umgestaltungen Veränderungen vorgenommen. «Wo möglich, haben wir versucht, Räume so einzurichten, dass sie vielfältig nutzbar sind», erklärt Moser und zeigt auf die Bücherkisten auf Rollen in der Mitte des Raumes und den an der Decke montierten Beamer.

Technik vereinfacht Betrieb

Beim Gang hinunter ins Erdgeschoss ist mittlerweile Betrieb im Haus eingekehrt. Während in den Büros im Dachgeschoss seit längerem gearbeitet wird, hat sich bereits eine Gruppe eingefunden, die einen Raum für Englisch-Stunden gemietet hat. «Die Bibliothek öffnet zwar offiziell erst um
10 Uhr, aber wir sind ja ohnehin da und zeigen uns deshalb gerne flexibel. Ausserdem haben Kunden, die selbstständig Bücher zurückgeben oder ausleihen möchten, ebenfalls bereits Zutritt», erzählt Moser und demonstriert, wie einfach mit der RFID-Technologie Medien mit einer Kundenkarte selbstständig abgeholt und zurückgegeben werden können. Daneben stehen im Telliquartier und am Bahnhof Rückgabekästen, die rege genutzt werden. Für die Leerung der Kästen arbeitet die Stadtbibliothek mit dem Hauslieferdienst «Voilà», einem Arbeitslosenprojekt, zusammen. Die Öffnungszeiten seien ein sehr wichtiges Thema, betont Moser, die jeweils in den Wintermonaten die Bibliothek für sieben Tage öffnet. Möglich wird dies durch die Mithilfe von Studenten. Auch für die verschiedenen Aufgaben und Veranstaltungen sind personelle Ressourcen nötig. So verfügt die Stadtbibliothek Aarau über ein Kernteam mit 13 Personen, die sich 750 Stellenprozente teilen. Dazu kommen zwei Lernende, eine Praktikantin sowie Studentinnen und Studenten. Im Vergleich dazu wirkt der Stellenetat in Olten von drei Vollzeitstellen verteilt auf vier Mitarbeitende geradezu lächerlich. Moser betont: «Unser Team leistet extrem viel. Trotzdem gilt es nach Pensionierungen zu optimieren. Wir sind noch immer Bibliothekare, aber Tastsache ist, dass wir nicht mehr Leute benötigen, die katalogisieren, sondern Personen mit einem Flair fürs Eventmanagement und einem technischen Verständnis.» Dass dieser Wandel der Stadtbibliothek Aarau einen Anstieg an Besuchern und Ausleihzahlen beschert, freut Lilo Moser sehr, trotzdem müssten die Bedürfnisse der Nutzer stets im Auge behalten und die Angebote entsprechend angepasst werden.

www.stadtbibliothekaarau.ch

 

 

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