Stadt
30.10.2019

Eine Villa in stetem Umbau

Nives Widauer an ihrem temporären Arbeitsort im Kunstmuseum Olten: «Mein Atelier und mein Wohnort sind seit jeher eins.» (Bild: Franz Beidler)

Nives Widauer an ihrem temporären Arbeitsort im Kunstmuseum Olten: «Mein Atelier und mein Wohnort sind seit jeher eins.» (Bild: Franz Beidler)

Kunstmuseum Olten Die Basler Künstlerin Nives Widauer lädt im Kunstmuseum Olten zu einem Gang durch ihren Kopf, ihre Träume und ihre Eingeweide ein. Die «Villa Nix» wird von einem Buch und der Ausstellung «Das Haus als Spiegel» be- gleitet.

Franz Beidler

Das Bild habe sie heute Morgen erst in einer Oltner Brocki gekauft, sagt Nives Widauer, während sie es mit beiden Händen vor sich hält und etwas gedankenverloren mustert. Die Aufnahme zeigt den Turnverein Olten anno 1906. In fünf Gruppen haben sich die Turner hinter einem Bock und einem Barren angeordnet und blicken starr in die Kamera, wie das bei Schwarzweissfotos aus dieser Zeit üblich ist. «Sehr militärisch», findet Widauer. Was genau die Künstlerin mit dem Bild vorhat, weiss sie noch nicht. Vorerst lehnt sie es wieder an einen der beiden Klappböcke unter der hellen Holz- platte, die ihr als temporärer Arbeitstisch dient. Darauf findet sich eine Auslegeordnung allerlei wun- dersamer Dinge und Dingchen: Eine alte Schreibmaschine, eine Rose in einer Vase oder eine zum Triptychon umfunktionierte Malschachtel stehen da. In der Mitte des Tisches liegt ein Album, der Farbstift noch darin: «Ab nach Wien, bis am 22.10. wieder hier», hat die Künstlerin hineingeschrie- ben. Die gebürtige Baslerin lebt in Wien. Während einer Woche nistete sie sich im Kunstmuseum Olten ein, um in und an ihrer Ausstellung «Villa Nix» weiterzuarbeiten und Besucherinnen und Be- sucher zu empfangen. Mit «Nix is fix» war die Woche betitelt. «Es ist schön, nach dem Aufbau einer Ausstellung an den Ort zurückzukehren», sagt Widauer. «Eigentlich suche ich ja den Austausch.»

Sieben Wohnräume

Die Ausstellung «Villa Nix» wurde von Widauer, dem Kunstmuseum Olten und dem «Centre culturel suisse» in Paris gemeinsam konzipiert. Widauer wandelte die Räumlichkeiten der beiden Häuser in ihre eigenen, zumindest gedanklichen sieben Wohnräume um: Aus dem vieldeutigen «Anticham- bre», dem französischen Vorzimmer, über den Hortus, die Archive oder dem «Schlaf(t)raum» ent- steht die «Villa Nix», in der Werke aus dem gesamten Schaffen von Widauer hausen. Thematisch geordnet manifestieren sich ihre Gedankenräume in der materiellen Welt. Wer durch die «Villa Nix» geht, geht durch Widauers Kopf, durch ihre Träume und ihre Eingeweide.

Was weiss mein Ich im Spiegel?

Es mache ihr nichts aus, Menschen so nah an sich heranzulassen, sagt Widauer. Sie lädt gerne in ihr zu Hause ein. «Mein Atelier und mein Wohnort sind seit jeher eins.» Mit vielen Gegenständen, aus denen Kunst entstanden ist, hat Widauer lange Zeit zusammengelebt. «Ich transformiere Dinge, die mir nahe sind», beschreibt die Künstlerin. So stand auch der Spiegel lange in ihrer Wiener Woh- nung, bevor sie darauf den Philosophen Michel de Montaigne zitierte. «Que sais-je?» ist nun ein- graviert, «Was weiss ich?» Eine Frage, die in Anbetracht des eigenen Spiegelbildes ein eher mul- miges Gefühl hervorruft.

Mit dem nötigen «clin d’oeil»

Genauso ist der Künstlerin aber das Augenzwinkern wichtig, das «clin d’oeil», wie sie es nennt. Das zeigt sich nicht zuletzt am Namen der Ausstellung: «Nix» steht im Lateinischen für «Schnee» oder «schneeweiss» und hat also die gleiche Bedeutung, wie Widauers Vorname Nives. «Umgekehrt steht der Titel aber auch für das Künstlerleben: Da ist nix mit Villa», sagt Widauer lachend. Einen Perspektivenwechsel fordert sie mit vielen ihrer Werke, so auch mit «Das kleine Leiden»: Auf einer Briefwaage, die nur wenige Gramm anzeigt, liegt eine Dornenkrone. Die «Villa Nix» wird von der Ausstellung «Das Haus als Spiegel» mit Werken aus der Sammlung des Kunstmuseums begleitet. Eines der ausgestellten Werke ist eine Schenkung von Widauer an das Kunstmuseum. Zu «Villa Nix» im «Centre culturel suisse» und dem Kunstmuseum Olten erschien ausserdem ein Buch mit gleichnamigem Titel, das als Retrospektive von Widauers Schaffen angelegt ist, denn nur so lässt sich dieses einfangen. Was präsent ist, ist bei ihr in stetem Wandel. Das zeigt ihr Arbeitstisch im «Antichambre»: Angeschrieben ist er mit «Nives Widauers Arbeitstisch, 2019. In Transformation.»

«Villa Nix» und «Das Haus als Spiegel»
noch bis 17. November
Finissage am Sonntag, 17. November um 16 Uhr im Kunstmuseum, Kirchgasse 8, Olten

www.kunstmuseumolten.ch

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