Im Gespräch
24.06.2020

Gespräche für ein allfälliges Nebeneinander

Vor zwei Wochen stellten vier Mitglieder der Oltner Kompostgruppe Zelgli ihre Arbeit vor und betonten die Wichtigkeit, einen Teil des Kompostplatzes mit Gartenbereich zu erhalten (v.l.): Susi Werthmüller (Anwohnerin), Anita Huber (Historikerin), Edith Manta (ehem. Werklehrerin) und Paul Dilitz (Koordinator). (Bild: mim)
Die Kompostgruppe Zelgli könnte sich eine reduzierte Kompost- und Pflanzfläche von 300 m² vorstellen. (Bild: mim)

Vor zwei Wochen stellten vier Mitglieder der Oltner Kompostgruppe Zelgli ihre Arbeit vor und betonten die Wichtigkeit, einen Teil des Kompostplatzes mit Gartenbereich zu erhalten (v.l.): Susi Werthmüller (Anwohnerin), Anita Huber (Historikerin), Edith Manta (ehem. Werklehrerin) und Paul Dilitz (Koordinator). (Bild: mim)

Vor zwei Wochen stellten vier Mitglieder der Oltner Kompostgruppe Zelgli ihre Arbeit vor und betonten die Wichtigkeit, einen Teil des Kompostplatzes mit Gartenbereich zu erhalten (v.l.): Susi Werthmüller (Anwohnerin), Anita Huber (Historikerin), Edith Manta (ehem. Werklehrerin) und Paul Dilitz (Koordinator). (Bild: mim)
Die Kompostgruppe Zelgli könnte sich eine reduzierte Kompost- und Pflanzfläche von 300 m² vorstellen. (Bild: mim)

Die Kompostgruppe Zelgli könnte sich eine reduzierte Kompost- und Pflanzfläche von 300 m² vorstellen. (Bild: mim)

Kompostgruppe Zelgli Vor rund zwei Wochen hat die Kompostgruppe Zelgli eine Petition beim Stadtrat eingereicht, damit der Garten trotz des geplanten Kindergarten-Spielplatz-Neubaus erhalten bleibt. Vergangene Woche haben sich Vertreter der Gruppe und der Stadt Olten zum Gespräch getroffen.

Von: Mirjam Wetzstein

Etwas versteckt hinter Bäumen, die an den Pausenplatz anschliessen, befindet sich oberhalb des Sälischulhauses der Garten der Kompostgruppe Zelgli. Bei der Gruppe handle es sich weder um einen Verein noch werde ein klassischer Schrebergarten betrieben, betonte Paul Dilitz, seit sieben Jahren Koordinator, anlässlich der vor zwei Wochen einberufenen Medieninformation. Gemäss Plänen der Stadt Olten soll die Kompostgruppe einem Kindergarten-Spielplatz des Sälischulhauses weichen. «Zwar wurden wir an eine Sitzung eingeladen, aber gemäss den uns vorliegenden Plänen sind unsere Anliegen nicht aufgenommen worden», bedauert Dilitz und fügt etwas frustriert an, dass er nach 30 Jahren Kompostgruppe ein Jubiläumsgeschenk, nicht aber einen Rauswurf erwartet hätte.

Vom Schul- zum Quartierprojekt

Vor rund 45 Jahren sei der Garten oberhalb des Sälischulhauses als Schulgarten angelegt worden, denn die Gartenarbeit gehörte damals zum Unterricht, erinnerte sich Edith Manta, Mitglied der Kompostgruppe und ehemalige Werklehrerin. Dieser Schulgarten benötigte jedoch auch Pflege an den Wochenenden oder während der Schulferien. Lange Zeit hätten sich engagierte Personen ehrenamtlich darum gekümmert bis schliesslich Ende der 1980er-Jahre auch Anwohner aus den umliegenden Quartieren mithalfen.

Engagement der Anwohner

«Die Kompostgruppe Zelgli ist im Jahr 1990 aus der von der Gemeinde finanzierten Kompost-Offensive entstanden», erzählte Anita Huber, Mitglied und Historikerin. Dabei begleitete der damalige Oltner Umweltberater René Estermann die Entstehungsphase der Kompostplätze, um diese nach und nach den Anwohnern zu übergeben. Noch heute handelt es sich bei der Kompostgruppe um ein niederschwelliges Angebot für Anwohner. Zwei mal wöchentlich haben diese jeweils am Dienstag von 17 bis 17.30 Uhr und am Samstag von 13.30 bis 14 Uhr die Möglichkeit, ihren Kompost vorbeibringen. Dieser wird von Zeit zu Zeit von den momentan 17 Mitgliedern der Kompostgruppe von der einen in die andere Box umgefüllt, um schliesslich wertvollen Dünger zu erhalten. Die Kompostgruppe Zelgli hat in 28 Jahren rund 1.2 Mio. Liter Dünger gewonnen und rund 5’000 ehrenamtliche Arbeitsstunden geleistet. Die Gründe, wieso Mitglieder bei der Kompostgruppe mitwirken würden, seien unterschiedlich: Das Interesse am natürlichen Kreislauf, der soziale Kontakt oder auch das Krafttraining als Ausgleich zur Büroarbeit. Zudem, und dies ist gemäss Paul Dilitz und Anita Huber ein wichtiges Zückerchen für das Mitwirken in der Kompostgruppe, erhalten die Mitglieder die Möglichkeit, ein eigenes Pflanzbeet zu betreuen.

Aufruf für ein Nebeneinander

Genau dieses Zückerchen für die Mitglieder wäre bei der aktuellen Planung des neuen Kindergarten-Spielplatzes der Stadt in Gefahr. «Wir lehnen den Spielplatz nicht grundsätzlich ab und verstehen auch den Bedarf», betont der Koordinator. Die Gruppe könnte sich einen Kompromiss vorstellen. «Es wäre sicherlich möglich, die Pflanzplätze zu verkleinern und die Kompostboxen zu reduzieren», so der Koordinator. Nicht möglich sei es jedoch, nur noch die Kompostboxen zu betreuen. Zu diesen brauche es einen Gartenbereich, auch um den Kreislauf aufrecht zu erhalten. Einen Alternativplatz für die Kompostgruppe erachtet Dilitz hingegen als schwierig: «Wir haben heute eine nährstoffreiche Erde und mit zwei Brunnen ist auch ausreichend Wasser vorhanden. Zudem müsste die Kompostanlage für die Anwohner im Quartier sein.» Und Anita Huber fügt an: «Ausserdem bietet der seit 30 Jahren bearbeitete Boden einen Lebensraum für diverse Insekten.» Anwohnerin und Mitglied Susi Werthmüller befürchtet, dass die Hausverwaltung nicht bereit sei, für das Quartier einen Grünabfallcontainer zu stellen und dieser somit im Kehricht landen würde.

Ein Nebeneinander wird geprüft

Die Kompostgruppe hat am 10. Juni ihre Petition an den Stadtrat übergeben und forderte darin, dass der Quartierkompost Zelgli und 50 Prozent der Pflanzgärten erhalten bleiben. «Wir hoffen, dass eine Diskussion entsteht», meinte Dilitz. Die wurde inzwischen aufgenommen. Vergangene Woche kam der Koordinator mit dem Stadtrat Thomas Marbet und der Stadträtin Iris Schelbert-Widmer sowie Kurt Schneider, dem Leiter der Direktion Bau, zusammen. Stadträtin Iris Schelbert-Widmer erläuterte, warum die Schule den Spielplatz benötigt und Kurt Schneider erzählte vom Pausenplatz/Schulgartenprojekt, das sich noch in der Projektentwicklung befinde. Den Einwand, dass es sich bei der Gartenanlage, um für die Mitglieder kostenlose Pflanzplätze handle, wollte Dilitz nicht stehen lassen. «Die Gruppe führt den Kompost inklusive Gärten in ehrenamtlicher Arbeit, damit der Kreislauf funktioniert.» Man verblieb mit Hausaufgaben. «Ich habe am vergangenen Wochenende der Stadt unseren Minimalbedarf von 300 m² Pflanzfläche mitgeteilt», so Dilitz. Die Stadt wird nun mit dem Planungsbüro Kukuk prüfen, ob ein Gartenanteil in dieser Grösse im Spielplatz-Projekt integriert werden kann.

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