Im Gespräch
16.09.2020

Von Bonvivants und Reportern

Am Donnerstag, 1. Oktober bespricht das Café Littéraire «Hintergrund der Liebe» von Helen Wolff. (Bild: ZVG)

Am Donnerstag, 1. Oktober bespricht das Café Littéraire «Hintergrund der Liebe» von Helen Wolff. (Bild: ZVG)

Café Littéraire Am Donnerstag, 1. Oktober findet in der Buchhandlung Schreiber um 18.30 Uhr das nächste Café Littéraire statt.

Das Café Littéraire ist ein lockerer Treffpunkt für Literaturfreundinnen und -freunde mit einem Faible für neue Entdeckungen. Am Donnerstag, 1. Oktober bespricht die Runde «Hintergrund für Liebe» von Helen Wolff und «Doppelte Spur» von Trojanov Ilija.

Deutlich autobiographischer Roman

In Helen Wolffs «Hintergrund für Liebe» machen ein Mann - nicht irgendein Mann – und eine Frau - nicht irgendeine Frau – eine Reise – nicht irgendeine Reise. Eine Reise, zu einer Zeit, in der nicht viele sich die Mühe machen konnten, um in die Sommerfrische zu fliehen. «Hintergrund für Liebe», der Roman eines Sommers, entstanden 1932/33, erzählt die Geschichte des Beginns einer grossen Liebe während einer Flucht auf Zeit aus den kippenden Verhältnissen in Deutschland: «Hie Cointreau, hie Pernod rufen die Plakate - Hitler und Hindenburg sind weit». Der zwanzig Jahre ältere Mann, ein Bonvivant und Ladies’ Man, muss von der jungen Frau, die mit ihm im Auto nach Südfrankreich reist, erst verlassen werden, damit er begreift, was in dieser Beziehung wirklich zählt. Sie verzichtet auf ihn, zieht sich nach Saint-Tropez in ein winziges Häuschen im Schilf zurück. Der Mann trifft sie zufällig wieder und ist beeindruckt von ihrer Kraft und Unabhängigkeit. Doch leicht macht sie ihm den Beginn eines gemeinsamen Lebens nicht. Sie fordert von ihm grundsätzliche Veränderungen in seiner Haltung und eine Rückkehr zur Einfachheit. Am Schluss hat die junge, mittellose Frau dem älteren, wohlhabenden Mann den Hintergrund für Liebe, den er ihr zum Geschenk machen wollte, einfach aus der Hand genommen, radikal verändert und ihm zurückgeschenkt. Marion Detjen ergänzt diesen autobiographischen Roman Helen Wolffs mit einem Essay, der die Situation Kurt und Helen Wolffs in den ersten Jahren ihres gemeinsamen Lebens und Arbeitens schildert.

Journalisten und Whistleblower

Ein ganz andere Geschichte erzählt Ilija Trojanov in «Doppelte Spur». Der investigative Journalist Ilija wird innerhalb weniger Minuten von zwei Whistle­blowern des amerikanischen und des russischen Geheimdienstes kontaktiert. Ein großer Coup? Eine Falle? Er lässt sich auf das Spiel ein. Zusammen mit Boris, einem amerikanischen Kollegen, folgt er der doppelten Spur nach Hongkong, Wien, New York und Moskau. Die ge­leakten Dokumente eröffnen einen ­Abgrund von Korruption und Betrug. Auch die Staatspräsidenten Russlands und Amerikas sind involviert. Was darf man glauben? Mit welcher Absicht werden Lügen ­verbreitet? Sind die beiden Reporter nur ein Spielball der Geheimdienste? ­Literarisch virtuos spielt Ilija Trojanov in diesem Roman mit Fakten und Fiktionen und führt uns vor Augen, wie sehr wir durch Fake News zu Komplizen der Macht werden. ZVG


Café Littéraire
Zu «Hintergrund für Liebe» von Helen Wolff und «Doppelte Spur» von Ilija Trojanov
Donnerstag, 1. Oktober, 18.30 bis 19.45 Uhr
Buchhandlung Schreiber, Kirchgasse 7, Olten

www.bibliothekolten.ch/cafe-litteraire

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