Vereine
21.10.2020

Mit eisernem Willen bis China

Danijel Brankovic ist der neue Trainer des Damen-Fanionteams Whales des Basketballclubs Olten-Zofingen. (Bild: Franz Beidler)

Danijel Brankovic ist der neue Trainer des Damen-Fanionteams Whales des Basketballclubs Olten-Zofingen. (Bild: Franz Beidler)

BasketballClub ­Olten-Zofingen Danijel Brankovic ist der neue Cheftrainer des Basketballclub Olten-Zofingen. Und auch von Baden Basket 54. Sein eiserner Wille ist begehrt.

Von: Franz Beidler

Was zählt, sei der Wille. «Sehe ich etwa aus wie ein Basketballspieler?», fragt Danijel Brankovic rhethorisch? «Wenn die Leute mich sehen, denken sie immer, ich sei Boxer.» Tatsächlich hat Brankovic einen breiten Nacken, eine gedrungene Statur und ist nur durchschnittlich gross. Dennoch leitet der 37-Jährige seit dieser Saison das erste Damenteam des Basketballclubs Olten-Zofingen, das in der zweithöchsten Schweizer Liga NLB antritt. «Mit Wille lassen sich Berge versetzen», erklärt Brankovic, während er seinen Worten mit Gesten Nachdruck verleiht. «Und mit versetzten Bergen lassen sich Kritiker besonders gut strafen», fügt er schmunzelnd an. Beim BCOZ trifft er vorerst jedoch auf keine Kritiker. Das Damenteam Whales, das auf die vergangene Saison hin Brankovics Vorgänger Devis Ledermann zu ihrem Trainer gewählt hatte, wünschte sich auf diese Saison hin «Branka», wie Brankovic in der Basketballszene genannt wird. Der Präsident des Klubs Daniel Frey zögerte nicht und fragte Brankovic an. «Wir kennen uns seit über zwanzig Jahren», erzählt dieser. Selbst wenn Brankovic beim BCOZ auf Kritiker gestossen wäre: Mit dem Saisonauftakt hätte er sie bereits zum Schweigen gebracht. Die beiden Spiele zuhause in Zofingen gegen die Zürcher GC Divac und die Tessiner Riva Basket konnten die Whales für sich entscheiden. Die einzige bittere Pille war der Sechzehntelfinal des Schweizer Cups gegen den STV Luzern. Die Partie gegen den Erstligisten fand noch vor den Meisterschaftsspielen statt und war damit Brankovics erster Ernstkampf mit dem BCOZ. Sie ging mit 57 zu 80 Punkten deutlich verloren. Zum Favoriten in ­diesem Spiel machten sich die Whales indes selbst. Das Team beschloss Ende der letzten Saison heuer eben in der NLB anzutreten. Die Berechtigung dazu erspielten sich die Damen schon in der Saison 2018/19, der letzten vollständigen vor der Coronapandemie. Diese beendeten die Whales auf dem dritten Tabellenplatz.

«Potential für oberes Mittelfeld»

Brankovic rechnet seinem Team gute Chancen aus, die Saison in der NLB im oberen Mittelfeld zu beenden. «Das Potential ist da», analysiert er. Etwa ein Drittel des Teams hat bereits Erfahrung in der höchsten Spielklasse und konnte dort schon Titelgewinne feiern. «Allerdings ist der Kader dünn», gibt Brankovic zu bedenken. Verletzungspech könnte den Whales also die Saison vermiesen. «Wir gehen in jedes Spiel mit breiter Brust und wollen gewinnen», hält der neue Cheftrainer fest. Diesen Sieges­willen wolle er seinen Spielerinnen einimpfen. Verständlich wird das spätestens beim Blick auf Brankovics eigene Geschichte.

«Ein kleiner, dicker Bub»

«Ich war ein kleiner, dicker Bub», ­beginnt Brankovic zu erzählen. Als er im Sportunterricht in seiner Luzerner Grundschule Basketball spielen sollte, traute ihm das niemand zu. Das stachelte Klein Branka an. Er schloss sich dem STV ­Luzern an und lernte alles über Basketball. Ein paar Jahre später hatte ­Brankovic die beiden Juniorinnenteams des STV Luzern übernommen. Da ­äusserte sich ein Trainerkollege ab­schätzig über Mädchenbasketball. ­Brankovic übernahm daraufhin zu­sätzlich das erste Damenteam seines Klubs und gewann prompt die Meisterschaft. In vier Jahren gelang seinem Team der Durchmarsch von der fünften in die zweite Liga. In Luzern wird er bis heute nicht mit seinem Namen, sondern nur mit «Coach» angesprochen. Nach insgesamt neunzehn Jahren bei seinem Stammverein zog Brankovic weiter. Es folgten Engagements in Aarau, wo er seinem Mentor Milenko Tomic assistierte und als Headcoach im Wallis bei ­Hélios Basket in der NLA und Sion ­Basket in der NLB. Ausserdem betreute er seit 2013 immer wieder Nationalteams der Juniorinnen und Junioren und ­begleitete sie an die internationalen ­Turniere. Da kam auch jener Kontakt zustande, der ihn im Sommer letzten ­Jahres nach China reisen liess. Brankovic wurde eingeladen, während zweier ­Monate Basketballcamps in den Pro­vinzen Loudi und Kunming zu betreuen. «Die Kultur, die Leute, das Essen», schwärmt er, «einfach eine super Er­fahrung.»

«Wünschte mir grösseres Vorhaben»

Ein Trainer mit solchem Palmarès weckt Begehrlichkeiten. «Nach China brauchte ich eine Pause», erklärt Brankovic. Nach 25 Jahren ohne Unterbruch im Basketballbetrieb habe er sich ausgebrannt gefühlt. Basketball machte ihm keinen Spass mehr. «Da wurde mir klar, dass ich nicht mehr nur Trainer sein will, sondern mir ein grösseres Vorhaben wünsche.» Im Frühling dieses Jahres wurde Brankovic in Baden fündig. Baden Basket 54, deren erstes Team wie die Whales in der NLB antritt, will in absehbarer Zeit in die NLA aufsteigen. «Ich habe da viele Freiheiten», freut sich Brankovic auf die Aufgabe. Kurz bevor er den Vertrag mit Baden unterzeichnete, rief BCOZ-Präsident Daniel Frey an. Die Whales wünschten sich Branka. «Olten-Zofingen ist eine Herzensangelegenheit», kommentiert Brankovic. Viele der Spielerinnen kenne er noch aus Luzern und Aarau. «Dass sie mich nicht vergessen haben, rührt mich.» Die Präsidenten der beiden Klubs einigten sich auf ein Doppelmandat. Auch der Verband willigte ein. So leitet Brankovic nun Montags und Mittwochs die Trainings des BCOZ und Dienstags und Donnerstags jene von Baden. Am kommenden Donnerstag, 29. Oktober werden in Baden Brankovics Frauschaften erstmals gegeneinander antreten. Er wird dann an Badens Seitenlinie stehen. «Baden hat Priorität.» Die Whales werden von Assistentin Ina Nicosia-Schelker gecoacht. «Ich kann auf sie zählen», sagt Brankovic gelassen. Natürlich werde das ein spezielles Spiel, aber er freue sich darauf. «Das bessere Team soll gewinnen.»

www.bc-olten-zofingen.ch

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