Vereine
24.03.2021

Vom Gheid aus in den Himmel

Die Welt von oben, ohne Motorenlärm: Die Segelfluggruppe Olten startete am vergangenen Wochenende in die neue Flugsaison. (Bild: Franz Beidler)
"Die Kameradschaft ist ein wichtiger Teil des Segelfliegens." Christian Heimlich, Präsident Segelfluggruppe Olten. (Bild: Franz Beidler)

Die Welt von oben, ohne Motorenlärm: Die Segelfluggruppe Olten startete am vergangenen Wochenende in die neue Flugsaison. (Bild: Franz Beidler)

Die Welt von oben, ohne Motorenlärm: Die Segelfluggruppe Olten startete am vergangenen Wochenende in die neue Flugsaison. (Bild: Franz Beidler)
"Die Kameradschaft ist ein wichtiger Teil des Segelfliegens." Christian Heimlich, Präsident Segelfluggruppe Olten. (Bild: Franz Beidler)

"Die Kameradschaft ist ein wichtiger Teil des Segelfliegens." Christian Heimlich, Präsident Segelfluggruppe Olten. (Bild: Franz Beidler)

Segelfluggruppe Olten Am vergangenen Samstag startete die Segelfluggruppe Olten im Gheid in die neue Flugsaison. In Zukunft will der Verein die Segelfliegerei noch umweltfreundlicher und attraktiver machen.

Von: Franz Beidler

Samstagnachmittag auf dem Oltner Flugfeld Gheid: Am Ostende steht das Windenfahrzeug der Segelfluggruppe Olten. Immer wieder zieht die Winde Segelflugzeuge per Kunststoffseil über die Piste. Sobald sie genug Tempo erreichen, heben sie ab und gleiten davon. Dann schwebt das Kunststoffseil an einem Fallschirm zu Boden. Spaziergänger, von der Frühlingssonne nach draussen gelockt, beobachten den Betrieb, trotz der teils starken Bise. Im Gegenwind heben Segelflugzeuge leichter ab.

Eine Woche zuvor hätten sie den Saisonstart wegen schlechtem Wetter verschieben müssen, erzählt Christian Heimlich beim Kaffee im Klublokal neben dem Flugfeld. Heimlich ist seit drei Jahren Präsident der Segelfluggruppe Olten. Zwei Kontrollflüge mit einem Fluglehrer hat er an diesem Samstag bereits absolviert. «Die müssen alle Piloten der Segelfluggruppe zum Saisonstart machen», erklärt er. Obwohl Heimlich selber auch Fluglehrer ist, «mit viel Begeisterung», fügt er an.

«Als Kind wollte ich Pilot werden», erzählt der Lostorfer. Mit 16 Jahren nahm er an einem Wettbewerb der Oltner Segelfluggruppe teil: Der Papierflieger, der am weitesten fliegt, gewinnt einen Segelflug. «So kam ich zu meinem ersten Flug», erinnert sich der 36-Jährige. Nach einem Schnuppertag trat er dann der Segelfluggruppe Olten bei. Er blieb ihr treu, obwohl er heute in Biel wohnt. «Es ist ein Nach-Hause-kommen», beschreibt er das Vereinsleben im Gheid. «Wir sind eine grosse Fliegerfamilie.»

So wie Heimlich geht es vielen der 55 Mitglieder. Sie sind in der Region Olten aufgewachsen und leben heute von der Innerschweiz bis zum Röstigraben verteilt. «Das Fliegervirus bringt uns zusammen», sagt der Präsident. Das älteste Mitglied ist 90 Jahre alt, das jüngste 15. «Alle bringen sich auf ihre Art ein», erklärt Heimlich: «Wir haben Leute aus praktisch allen Berufsgattungen und Branchen. Das macht den Austausch unglaublich spannend und ermöglicht dank dem breiten Wissen, viele Projekte in Eigenregie umzusetzen.»

Als «individuellen Teamsport» bezeichnet Heimlich das Segelfliegen. Während in der Luft der Pilot alleine am Steuer sitzt, ist am Boden Teamwork gefragt.

Ein Restaurant, zwei Hangars, neun Flugzeuge

So betreibt die Segelfluggruppe Olten das Flugfeld Gheid mit einem Restaurant, das gleichzeitig als Klublokal dient, und zwei Hangars, inklusive Werkstätten für die neun vereinseigenen Segelflugzeuge. «Neben den jährlichen Unterhaltsarbeiten an den Flugzeugen haben wir im vergangenen Winter eine der Werkstätten komplett neu eingerichtet», erzählt Heimlich. Seit dem Herbst hätten die Mitglieder zahlreiche Arbeitstage in das Vorhaben gesteckt. «Alles ehrenamtlich», bestätigt der Präsident. «Die Kameradschaft ist ein wichtiger Teil des Segelfliegens.»

Auf diese Weise gestaltet der Verein auch die Fliegerausbildung. «Unsere Fluglehrer beziehen keinen Lohn», erklärt Heimlich. «Wir wollen das Segelfliegen so zugänglich wie möglich machen.» Auf rund 4000 Franken schätzt er die Kosten bis zur eigenen Fluglizenz. «Je nachdem, wie viele Flugstunden jemand benötigt.» Wer dranbleibe, schaffe das in ein bis zwei Saisons.

Die grössere Hürde sei üblicherweise die Zeit. «Die Ausbildung ist intensiv», weiss Heimlich. Neben den Stunden im Cockpit büffeln die Flugschüler über den Winter Theorie: Wetterkunde, Aerodynamik, Flugplanung oder Flugzeugbau. Insgesamt neun Fächer beinhaltet die Ausbildung.

Mehr als hundert Flugstunden pro Jahr

Wer die Fluglizenz geschafft hat, wird offiziell zum Klubmitglied. «Auf etwa zwölf Flugstunden pro Jahr sollten alle Piloten mindestens kommen», sagt Heimlich. Die meisten Mitglieder fliegen mehr. «Manche kommen auf mehr als hundert Flugstunden.» Daneben leisten alle Mitglieder etwa sechs Arbeitstage pro Jahr ehrenamtliche Arbeit.

Denn nach den Wartungsarbeiten der Flugzeuge über den Winter, kommt mit dem Saisonstart im März der Frühlingsputz von Klublokal und Hangars. Ausserdem durchlaufen alle Piloten ein Sicherheitsseminar. «Diese Saison zum Thema Schleppflug», berichtet Heimlich. Ebenfalls vor dem Saisonauftakt findet der Pilotenrapport statt: «Da geben wir Informationen zur neuen Saison weiter: Von Neuerungen beim Flugmaterial bis hin zu veränderten Lufträumen.» Dann beginnt die Saison für die Piloten mit den Kontrollflügen.

Lodrino, Zweisimmen und Samedan

Die Segelfluggruppe veranstaltet das Jahr hindurch drei Fliegerlager: im Frühling in Lodrino im Tessin, im Sommer dann in Zweisimmen und Ende August in Samedan im Graubünden. Für jeweils zwei Wochen betreibt der Verein dann auf einem Flugfeld vor Ort täglich seine Flugzeuge. «So können wir in allen Gebieten der Schweiz fliegen», erklärt der Präsident. Während manche Mitglieder nur ein paar Tage mitkämen, nutzten andere die Lager als ihre Familienferien. «Am Abend sitzen wir dann alle zusammen und kochen gemeinsam Paella oder Raclette.»

Auch in Olten führt die Segelfluggruppe jährlich ein Lager durch, im laufenden Jahr von 22. Mai bis 6. Juni. «Wir treffen uns jeweils am Vormittag im Gheid zum Briefing und besprechen Wetter und Luftraum», beschreibt Heimlich den typischen Tagesablauf. Danach werden die Flugzeuge verteilt. «Wir schauen, dass alle auf ihre Kosten kommen.» Etwa dreissig Starts würden in einen Tag passen. Die kürzesten Flüge dauern wegen schlechter Thermik nur fünf Minuten, die längsten bis zu neun Stunden. «Die führen dann bis in die Alpen, nach Frankreich oder nach Deutschland.» Am Abend treffe man sich wieder im Klublokal zum gemeinsamen Feierabend-Trunk.

In Zukunft plane die Segelfluggruppe ihre beiden Bodenfahrzeuge mit Elektrofahrzeugen zu ersetzen und so den Flugbetrieb noch umweltschonender zu gestalten. «Wir haben auch schon über Elektro-Segelflugzeuge oder einen Elektro-Schlepper diskutiert», verrät der Präsident. Die könnten dann ohne Winde und praktisch lautlos per Elektromotor starten. «Wir wollen am Puls der Zeit bleiben, um unser Hobby so attraktiv und kostengünstig wie möglich zu gestalten.» Zudem ist der Vorstand daran, Modelle zu entwerfen, wie sich Flugschüler ihre Flugstunden bei der Segelfluggruppe durch Mithilfe am Flug- und Baubetrieb verdienen können. «Für Junge, die weniger Geld, dafür etwas mehr Zeit haben. Denn Segelfliegen soll für alle möglich sein.»

www.sgolten.ch

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