Vereine
01.06.2021

Drahtlos in Kontakt mit der Welt

Udo von Allmen, Kursleiter und Vorstandsmitglied des Funk Clubs Hauenstein, vor seiner Funkanlage in Olten. (Bild: DDO)

Udo von Allmen, Kursleiter und Vorstandsmitglied des Funk Clubs Hauenstein, vor seiner Funkanlage in Olten. (Bild: DDO)

Funk Club Hauenstein Ein Amateurfunker wird «Old Man» genannt. Dabei ist dieses Hobby schon längst auch beim weiblichen Geschlecht – «Young Lady» genannt – angekommen. Udo von Allmen, Kursleiter beim Funk Club Hauenstein, gibt einen Einblick in sein unkonventionelles Hobby.

Von: Denise Donatsch

Auf hoher See, fernab von jeder Zivilisation oder weit oben über den Wolken, wo weder das Internet noch das Telefon funktionieren, dort kommuniziert man noch heute via Funk. Aber auch als Freizeitbeschäftigung wird rege nach drahtlosen Verbindungen gesucht und leidenschaftlich gefunkt. Der Funk Club Hauenstein, welcher im Jahr 2016 gegründet wurde und mittlerweile dreissig Mitglieder zählt, trifft sich normalerweise jeden Donnerstag um 18 Uhr im Restaurant Sonne in Wisen. Dies soll nach der coronabedingten Zwangspause ab Mitte Juni endlich wieder möglich sein. Neben dem fachlichen Austausch und dem Schmieden von Plänen dürfe, so Kursleiter Udo von Allmen, natürlich auch das gemütliche Beisammensein nicht zu kurz kommen.

Der Club verfolgt als zentrales Ziel, seine Mitglieder zu kompetenten Amateurfunkern auszubilden. Ebenfalls hilft er ihnen dabei, sich technisch mit den richtigen Geräten auszurüsten und bei Bedarf eine geeignete Antenne korrekt aufzustellen. «Um Amateurfunker oder -funkerin werden zu können muss im Anschluss an die Ausbildung eine Prüfung beim Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) abgelegt werden», erklärt von Allmen. Dabei würden Kenntnisse im technischen Bereich sowie Gesetzesgrundlagen und Vorschriften geprüft. Nach dieser Prüfung erhält der neugebackene Funkamateur sein weltweit einzigartiges Rufzeichen. Dieses beginnt in der Schweiz mit dem Nationalitätskenner «HB» – dies ist auch bei Flugzeugen, Schiffen und Ballonen der Fall –, gefolgt von der Ziffer 9 oder 3 und drei individuellen Buchstaben. Von Allmens Rufzeichen lautet beispielsweise HB9TPU.

Kontakt mit «Ausserirdischen»

Als Amateurfunker und -funkerin ist man komplett drahtlos mit jedem Punkt auf der Erde wie auch im Weltraum verbunden. Wohin die nächste Verbindung zielt, ist oftmals ungewiss. Es kann eine Person, die gleich um die Ecke wohnt, treffen, aber auch einen Segler mitten auf dem Ozean oder einen kanadischen Farmer. Sogar extraterrestrische Verbindungen sind möglich. Zum Beispiel mit Astronauten der internationalen Weltraumstation ISS. Um herauszufinden, wer am anderen Ende der Leitung ist, braucht man je nach vorherrschenden Bedingungen sehr gute Ohren. Ob die Funk-Bedingungen gut sind, hängt dabei von den Sonnenflecken ab.

Manchmal käme es, so von Allmen, gar zum Mögel-Dellinger-Effekt. Dieser Effekt beschreibt einen kurzzeitigen Totalausfall jeglicher Verbindungsmöglichkeiten bedingt durch Sonneneruptionen. «An Tagen mit schlechten Bedingungen rauscht es stark in der Verbindung, und es ist enorm schwierig, neue Rufzeichen zu verstehen», bemerkt der 61-jährige Mann, der vor 23 Jahren seine Heimat im Berner Oberland verliess und seither in Olten wohnhaft ist. An guten Tagen sei es aber problemlos möglich, in der ganzen Welt herumzufunken, ohne jegliche Verständigungsprobleme.

Auch bei Katastrophen im Einsatz

Siebenmal im Jahr veranstaltet der Funk Club Hauenstein ein Contestwochenende. Dort messen sich die Funkamateure miteinander; dabei soll jedoch der Spass stets zuoberst stehen.

Aber auch in ernsthaften Situationen kann ein gutes Funknetzwerk von grossem Nutzen sein, zum Beispiel bei einem Notfall oder bei Naturkatastrophen. Der letzte bekannte Notruf via Amateurfunk in der Schweiz hat sich im Jahr 2011 im Gasterntal im Berner Oberland ereignet. Am 11. Juli jenes Jahres verunfallte dort ein Pfadfinder aus England. Telefonieren mit dem Handy war von dort aus nicht möglich. Ein zufällig anwesender Funkamateur konnte via Funk die Rettungskräfte organisieren.

Ebenfalls in jenem Jahr gab es am 10. Oktober im Gebiet Kandertal und Lötschental ein heftiges Unwetter, über das landesweit berichtet wurde. Die Verbindung ins ganze Gasterntal und zum dortigen Berggasthaus Heimritz funktionierte für etwa eine Woche nur noch via Amateurfunk, weil die Telefonmasten vom Wasser weggespült worden waren.

www.hb9bc.ch

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