08.04.2015

Mehr als blosse Kriegsspielerei

Die vier Gründungsmitglieder des Oltner Airsoft Teams «Delta 46» in voller Montur: (vorne l.) Mikael Brügger, Fabian Deprato, Flavio Plüss und Kilian Schwitter. vwe)

Die vier Gründungsmitglieder des Oltner Airsoft Teams «Delta 46» in voller Montur: (vorne l.) Mikael Brügger, Fabian Deprato, Flavio Plüss und Kilian Schwitter. vwe)

Airsoft Team Delta 46 Der taktische Geländesport Airsoft hat es mittlerweile auch nach Olten geschafft. Warum es bei der bewaffneten Freizeitaktivität viel mehr um Taktik und Teamplay als kriegsverherrlichendes «Geballere» geht, erklären zwei Gründungsmitglieder des Oltner Teams «Delta 46».

Von: Viviane Weber

Natürlich hätten sie häufig mit Vorurteilen zu kämpfen, stellen die beiden Airsoft-Spieler Fabian Deprato und Flavio Plüss, welche 2012 gemeinsam mit ihren zwei KollegenMikael Brügger und Kilian Schwitter den Verein «Airsoft Team Delta 46» gründeten, bereits zu Beginn des Gespräches klar. Schliesslich kann ihr Hobby schneller als andere in eine Schublade gesteckt werden. Denn der Zusammenhang mit realen Kriegssituationen und Waffen lässt sich nicht abstreiten. Hinter ihrem Sport Airsoft stecke jedoch einiges mehr als nur sinnloses «Rumgeballere».

Von Japan bis nach Olten

Airsoft ist ein taktischer Geländesport, bei welchem zwei Teams in verschiedensten Szenarien gegeneinander antreten. Ursprünglich in Japan auf Grund des herrschenden Waffenverbots nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden, verbreitete sich dieNischensportart in den letzten Jahren auch vermehrt in der Schweiz. Seit gut 15 Jahren besteht gar der Schweizerische Airsoftverband SAFS (Swiss Airsoft Federation) , zu dem neben dem Oltner Team Delta 46 bis zu 50 Schweizerische Airsoft-Vereine zählen. Der Name «Delta 46» setzt sich auf Grund der vier Gründungsmitglieder aus dem vierten Buchstaben des griechischen Alphabets und den Anfangszahlen der Postleitzahl von Olten «46» zusammen. Während des Airsoft-Spiels gelten strikte Verhaltensregeln, wie beispielsweise dem Gegner nicht absichtlich auf den Kopf zu schiessen oder Schutzkleidung bestehend aus Uniform sowie Helm und Schutzbrille zu tragen. «Meist verfolgt man als Team während eines Spieles eine Mission, wie beispielsweise eine Kiste zu finden oder eine Flagge als Erster an einem bestimmten Standort auf dem Spielfeld zu platzieren», erklärt Plüss, den die Faszination an dem Teamsport bereits mit 14 Jahren gepackt hat. Bewaffnet sind die Spieler dabei mit sogenannten Airsoftguns. «Diese aus Kunststoff oder auch Metall bestehenden Schiessinstrumente sind realen Pistolen sowie Sturmgewehren nachempfunden. Als Munition dienen uns Kugeln, die aus abbaubarem, zusammengepresstem Mais bestehen. Somit wird das Gelände nicht verschmutzt», erklärt Fabian Deprato. Zudem wird das benutzte Spielgebiet, das sich normalerweise auf abgelegenem, ländlichem Privatbesitz befindet, mit diversen Sicherheitsmassnahmen wie Einzäunungen und Schildern versehen, damit für beispielsweise vorbeigehende Wanderer keine Gefahr besteht. «Auch die Polizei muss bei jedem Training informiert sein, um Missverständnissen vorzubeugen.»

Eigenes Spielgelände gesucht

Trotz dieser Sicherheitsmassnahmen und der umweltfreundlichen Spielmunition hat es das 2012 gegründete Airsoft-Team Delta 46 bis heute noch nicht geschafft, ein eigenes Spielgelände zu finden. Ihre Anträge und Gesuche wurden stets abgelehnt; teilweise ohne stichfeste Begründung. Dies sei wahrscheinlich auf die herrschende Skepsis gegenüber ihrer Sportart zurückzuführen. «Unsere Trainings können wir nur dank des befreundeten Teams «Berserker» aus Wisen (SO) durchführen, welches uns zum Glück ihr Spielfeld zur Verfügung stellt», so Flavio Plüss, der als Präsident des Teams fungiert. Die mittlerweile 12 Mitglieder von Delta 46 geben jedoch nicht auf und versuchen weiterhin eine Bewilligung für ein eigenes Feld zu erhalten. «Schliesslich sind in der Region Olten ausreichend Gelände wie beispielsweise Kiesgruben vorhanden, die nur selten benützt werden und sich perfekt für unsere Zwecke eignenwürden.»

Taktisches Teamplay

Doch worin besteht die Faszination, mit Waffen versehen solche Nahkampfszenarien nachzuspielen? «Für mich besteht der Reiz vor allem im taktische Teil. Wir agieren im Team und legen uns eine Strategie bereit, um unsere Gegner zu überlisten», so Deprato. Ein gesteigertes Aggressionspotenzial sehe er dabei nicht. «Unser Sport ist stark von sogenannten «Ballergames» am Computer zu unterscheiden. Schliesslich kapseln wir uns nicht ab, sondern spielen tagelang an der frischen Luft, betätigen uns körperlich und stärken dadurch unseren Teamzusammenhalt. Ein Realitätsverlust ist daher sicher nicht gegeben», erklären die beiden Gründungsmitglieder weiter. Ähnliches hat auch die von der Uni Zürich 2009 veröffentlichte Lizentiatsarbeit unter dem Thema «Airsoft. Eine psychologische Untersuchung» ergeben. Nach der Befragung von 210 Airsoftspielern wurde festgestellt, dass diese auf Grund ihres Sportes keine erhöhte Aggressivität aufweisen. Auch eine übermässige Kriegs- oder Militärverherrlichung ist beim Oltner Team nicht zu bemerken. Keines der zwölf Mitglieder verfügt über einen höheren militärischen Grad oder ist als Berufssoldat tätig. Der Spass am Spiel steht bei ihnen im Fokus.

Saison startet

Trotz nach wie vor fehlendem Spielgelände freut sich das Team Delta 46 auf die startende Saison nach der Winterpause. «Von April bis Oktober trainieren wir alle zwei Wochen in Wisen mit dem Berserker-Team und tragen gelegentlich auch Freundschaftskämpfe gegen andere Vereine aus.» Wer sich selbst ein Bild der etwas anderen Sportart machen will, hat bereits am Sonntag, 12. April die Chance nach vorgängiger Anmeldung einem Trainingskampf beizuwohnen.

 

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