Vereine
06.03.2019

Ein Leben auf dem Eis

Eislaufclub Olten-Trainerin Katharina Brunner hofft auf ein Ja an der Urne anlässlich der Betriebs- und Subventionsbeiträge für die Sportpark AG. «Ansonsten würde dies auch für uns das Aus bedeuten.» (Bild: mim)

Eislaufclub Olten-Trainerin Katharina Brunner hofft auf ein Ja an der Urne anlässlich der Betriebs- und Subventionsbeiträge für die Sportpark AG. «Ansonsten würde dies auch für uns das Aus bedeuten.» (Bild: mim)

Eislaufclub Olten An der diesjährigen Eisgala vom Samstag, 16. März feiert Katharina Brunner ihr 40-jähriges Jubiläum als Trainerin. Ein Anlass, der sie freudig zurück- blicken lässt, aber angesichts der bevorstehenden Abstimmung auch nachdenklich stimmt.

Mirjam Meier

Vor 40 Jahren nahm Katharina Brunner ihre Trainertätigkeit beim Eislaufclub Olten auf. «Das ist eine ganze Weile her», meint die 62-Jährige schmunzelnd, die mit Janine Bur, die 1995 Schweizer Meisterin wurde und an der Europameisterschaft teilnahm sowie Läuferinnen wie Vera Achana und Sandra Kistler Erfolge als Trainerin feiern konnte. Doch der Eislaufsport habe sich in den vergangenen Jahren immer mehr vom Spitzen- zum Breitensport entwickelt. Den Fokus legt Brunner jedoch nach wie vor auf die Förderung des Nachwuchses. Diese stehe nun auf der Kippe, so Brunner besorgt. «Sollte die Oltner Bevölkerung am Sonntag, 24. März gegen die Betriebs- kostenbeiträge und Subventionen für die Sportpark Olten AG stimmen, würde dies für alle Eissportvereine das Aus bedeuten», betont Brunner, die für ihre Trainingszeit das Eis bei der Sportpark AG mietet. «Wir sind angewiesen auf dieses Angebot, müssen aber bereits heute Einschränkungen in Kauf nehmen. So können wir nur so lange trainieren, wie wir das Eis bezahlen können und das 1. Team des EHC Olten im Rennen bleibt.»

Haltung muss sitzen

«Trotzdem stehen meine Läuferinnen fast das ganze Jahr auf dem Eis», betont Brunner, die neben ihrer Eislauf- auch eine Ballettausbildung absolviert hat. «Das Ballett- sowie auch das Trockentraining gehören zu den Grundlagen, denn bei der begrenzten Eiszeit bleibt kaum Raum, um an der Haltung zu arbeiten.» Im April besucht der Eislaufclub jeweils während zweier Wochen ein Frühlingslager im bernischen Grindelwald und trainiert anschliessend zwei Mal auf dem Eis in Luzern. Nach einer Pause im Juli findet ab dem 2. August das Training schliesslich wieder im Oltner Kleinholz statt. Der Eislaufclub Olten trainiert mehrheitlich während der Mittagspause und drei Mal abends in der Halle oder auf dem Aussenfeld. «Dabei erschweren die immer kürzeren Mittagspausen an den Schulen das ohnehin schon durch unsere Finanzen begrenzte Training», zeigt die Trimbacherin auf.

Eine wichtige Lebensschule

Ob sie sich noch an den Tag vor 50 Jahren erinnere, als sie sich den Nachwuchs-Schweizer- meister-Titel geholt habe? «Ja, es war 1969 in Küsnacht und ich bin draussen «Pflicht», die 1988 abgeschafft wurde und «Kür» gelaufen. Es war sehr kalt und ich trug ein braunes Röckchen mit goldigen Pailletten. Dabei habe ich eine Pflichtfigur völlig verhauen», erzählt Brunner schmunzelnd und fügt an: «Heute laufen Zehnjährige dieses Programm.» Sie zeigt damit auf, wie sehr sich der Eislaufsport, dessen Mass-stäbe von Nordkorea, Russland und Amerika mit Vierfach-Sprüngen gesetzt werden, in den letzten Jahren verändert hat. «Bei diesen Nationen hat der Eislaufsport einen ganz anderen Stellenwert, weshalb die Läufer-innen und Läufer inklusive dem Trocken- training und Ballett bis zu zehn Stunden täglich trainieren.» Dass sich der Leistungssport hierzulande immer mehr zum Breitensport verschoben hat, stört Brunner nicht: «Ich hatte meine guten Zeiten. Zudem gebe ich gerne etwas weiter und die Läuferinnen lernen beim Eiskunstlaufen, nach dem Umfallen wieder aufzustehen. Ob Leistungs- oder Breitensport: So oder so ist es eine wichtige Lebensschule.»

Einstecken können

Brunners persönliche Lebensschule war auch kein Zuckerschlecken. Alles begann als Dreijährige mit einem Paar Schlittschuhe, das sie von ihrer Gotte geschenkt bekam. «Mein Vater meinte, dass ich das Fahren richtig lernen solle, weshalb ich Stunden besuchte. Als ich sieben Jahre alt war, hatte er den Eindruck, dass ich nun gut genug auf Kufen bin und wieder aufhören könne. Ich war da anderer Meinung», erzählt die Trainerin, die in Basel aufwuchs, schmunzelnd. Mit zwölf Jahren trainierte Brunner während den Ferien in London und Davos beim Schweizer Eiskunstläufer und Trainer Arnold Gerschwiler. «Wenn man weiterkommen wollte, musste man sich einen Trainer im Ausland suchen. Schweizer Eiskunstläufer sind in London stets geschnitten worden. In Davos fühlte ich mich willkommener, doch das Training fand bei jedem Wetter auf dem Aussenfeld statt. Frei hatten wir nur am Sonntag und zwischendurch am Samstag», erinnert sich Brunner und fügt an: «Es war nicht immer eine lustige Zeit, aber ich wollte Eislaufen und musste deshalb auch einstecken können.» Katharina Brunner ist neben ihrer Trainertätigkeit auch als Technische Spezialistin an Wettkämpfen tätig und bestimmt während dem Lauf, welches Level der Läufer zeigt und welche Figur er präsentiert. Dafür investiert sie bis zu 15 Wochenenden pro Saison. Auf die Frage nach der Faszination meint die 62-Jährige: «Eiskunstlauf ist eine der am schwersten zu erlernenden Sportarten, die künstlerische und athletische Elemente verbindet und Egozentrik und auch eine gewisse Extrovertiertheit verlangt. Darüber, ob die Läuferinnen schliesslich in den Wettkämpfen ihre Leistung abrufen können, entscheidet jedoch ihre mentale Stärke.»

Traditionelle Eisgala

Nachdem der Eislaufclub Olten, der 60 Aktivmitglieder zählt, nach dem Dreitannencup an Wett- kämpfen in Lugano, Laufen, Grindelwald, Moutier und schliesslich an der Schweizer- meisterschaft in Basel teilgenommen hat, stehen Ende März die SIS-Tests in La Chaux-de-Fonds an, wo sich die Läuferinnen für die Schweizer Meisterschaft qualifizieren können. Ausserdem findet am Samstag, 16. März zum 40. Mal die Eisgala unter dem Titel «40 Jahre und kein bisschen leiser» im Oltner Kleinholz statt. Dafür wird seit Januar geübt. Schliesslich werden von den ganz kleinen bis zu den jugendlichen Läuferinnen alle auf dem Eis stehen. Neben Gastläufern wird Brunner als Schlussnummer ihren bekannten «Bolero» zeigen. Und wie geht es danach weiter, falls die Abstimmung für den Eissport positiv ausfallen wird? «Weitermachen!», betont die 62-Jährige.
Die nächsten zehn Jahre? Brunner verwirft schmunzelnd die Hände.

Eisgala
Samstag, 16. März, 18.30 Uhr
Eisstadion Kleinholz, Olten
Eintritt frei

www.eislaufclubolten.ch

 

 

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