Vereine
05.06.2019

50 Jahre Hilfe zur Selbsthilfe

Mit Souvenirs zurück aus Haiti: Susanne Furler von Horyzon zeigt die Armbänder, die Frauen in Port-au-Prince herstellten und als Dankeschön an einem der diesjährigen Sponsorenläufe für die Stiftung verteilt werden. (Bild: Franz Beidler)

Mit Souvenirs zurück aus Haiti: Susanne Furler von Horyzon zeigt die Armbänder, die Frauen in Port-au-Prince herstellten und als Dankeschön an einem der diesjährigen Sponsorenläufe für die Stiftung verteilt werden. (Bild: Franz Beidler)

Stiftung Horyzon Seit genau fünfzig Jahren setzt sich Horyzon, die Schweizerische Entwicklungsorganisation für Jugendliche für deren Bildung und Rechte ein. Die Stiftung feiert das Jubiläum am Samstag, 15. Juni in der Geschäftsstelle im Flörli in Olten.

Franz Beidler

Ende Mai sei sie von ihrem ersten Projektbesuch aus Haiti zurückgekehrt, erzählt Susanne Furler und zeigt die handgeknüpften Armbänder. «Die Frauen in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince haben sie hergestellt. Die Armbänder werden an einem der diesjährigen Sponsorenläufe als Dankeschön verteilt», erklärt sie. Seit kapp einem Jahr ist Furler sowohl für die Kommunikation der Stiftung Horyzon zuständig als auch verantwortlich für die Programme in Haiti und Bangladesch. Daneben absolviert die Biologin einen CAS-Studiengang an der ETH Zürich in Entwicklung und Zusammenarbeit. Horyzon setzt sich dieses Jahr seit genau fünfzig Jahren für die Rechte und die Bildung von Jugendlichen ein und arbeitet dazu ausschliesslich mit der «Young Men’s Christians Association» YMCA und der «Young Women’s Christians Association» YWCA zusammen. Neben Haiti und Bangladesch ist die Stiftung momentan auch in Kolumbien und Palästina aktiv. Ihr Jubiläum feiert die Schweizer Entwicklungsorganisation für Jugendliche am Samstag, 15. Juni in der Geschäftsstelle im Flörli in Olten. Dazu wird der kolumbianische Film «Matar a Jesús» gezeigt. «Der Film widerspiegelt den Kontext, in dem wir arbeiten», sagt Furler. Gezeigt wird das Sozial-Drama um 18 Uhr. Vorgängig findet ein Gespräch mit Tanja Vultier, Regional-Koordinatorin für «Peace Brigades International» in Lateinamerika, Horyzon-Präsidentin Marlies Petrig, der Solthurner Regierungsrätin Susanne Schaffner und dem Oltner Stadtpräsidenten Martin Wey statt. Dazu gibt es einen öffentlichen Apéro. Ab 14.30 Uhr stehen die Türen offen. «Man kann jederzeit dazustossen», freut sich Furler auf den Anlass.

Prekäre Situation in Haiti

Für eine Woche war sie in Haiti vor Ort. «Die Situation ist prekär. Im Februar gab es gewaltsame Proteste gegen die korrupte Regierung, die das öffentliche Leben lahmlegte.» Horyzon unterhält seit 2015 ein Zentrum in Port-au-Prince für Mädchen und junge Frauen. Schon vor den Ausschreitungen stand es unter ständiger Bewachung. Hier bietet Horyzon zusammen mit YWCA zwei Programme an, eines für 8- bis 18-Jährige und eines für 18- bis 35-Jährige. «Insgesamt profitieren in Haiti rund 400 Mädchen und Frauen pro Jahr von den Programmen», zeigt Furler auf. Die Mädchen erhalten nicht nur schulische Nachhilfe, sondern finden bei den Mentorinnen Gehör für ihre Themen: Körperhygiene ebenso wie Mobbing und Kinderschwangerschaften. «Viele der Mädchen sind Opfer von Gewalt», weiss Furler. «Wir versuchen ihnen das Wissen über Geschlechtskrankheiten und ihre Rechte zu vermitteln, aber auch das Selbstvertrauen, um Nein zu sagen.»

Zu Führungspersönlichkeiten ausbilden

Im Programm für junge Frauen, das Leadership-Programm, steht vor allem Praktisches im Vordergrund: Lebenslauf und Motivationsschreiben verfassen oder das richtige Auftreten im Gespräch. «Das Ziel ist, die jungen Frauen zu Führungspersönlichkeiten zu entwickeln, damit sie selbstständig arbeiten können», erklärt Furler und verweist auf ein Programm in Bangladesch: Dort würden sich die Frauen in Spargruppen zusammenschliessen, damit eine von ihnen zum Beispiel eine Nähmaschine kaufen und mit den genähten Kleidern Geld verdienen kann. «So werden die Frauen befähigt, sich selbst zu helfen und nicht von Hilfe von aussen abhängig zu sein.»

Ziel: Eine gesellschaftliche Veränderung

«In Bangladesch sind diese Spargruppen besonders erfolgreich», weiss Furler. Von den Work- shops profitierten dort 22’000 Frauen pro Jahr. «Bedenkt man, dass sie ihre Familie unterstützen, kommt man auf rund 60’000 Menschen im Jahr, die von Horyzon profitieren», rechnet Furler vor. Ähnlich wie in Haiti und Bangladesch engagiert sich Horyzon auch in Kolumbien und Palästina. Das Engagement in Kolumbien bemühe sich vor allem um die friedliche Konfliktlösung und jenes in Palästina um die Weidereingliederung von körperlich und psychisch kriegstraumatisierten Jugendlichen. «Generell geht es darum, die Jugendlichen zur Selbsthilfe zu befähigen», sagt Furler. «Die geben das weiter an die nächste Generation. So werden sie Teil einer gesell- schaftlichen Veränderung.» Dabei sei der christliche Hintergrund der Stiftung nicht massgebend. «Wir handeln religionsneutral», hält Furler fest, «und auf der Grundlage der deklarierten Menschenrechte der UNO.» Sie seien der kleinste gemeinsame Nenner aller Menschen.
«Die Menschenrechte sind nicht verhandelbar.»

50-jähriges Jubiläum Horyzon
Samstag, 15. Juni, ab 14.30 Uhr
Horyzon, Florastrasse 21, Olten

www.horyzon.ch

 

 

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