Vereine
10.07.2019

Zwischen den Zeilen lesen

Seit Anfang Juni leitet Saveria Dimasi die Geschäftsstelle der Kinderkrebshilfe Schweiz in Olten. (Bild: ZVG)

Seit Anfang Juni leitet Saveria Dimasi die Geschäftsstelle der Kinderkrebshilfe Schweiz in Olten. (Bild: ZVG)

Kinderkrebshilfe Schweiz Vor rund einem Monat übernahm Saveria Dimasi die Leitung der Geschäftsstelle von Kinderkrebshilfe Schweiz in Olten. In Zukunft will sie die Arbeit des Vereins noch stärker auf die Bedürfnisse von Betroffenen ausrichten.

Franz Beidler

Als Kind habe sie Ärztin, Journalistin oder Detektivin werden wollen. «Meine Mutter riet mir daraufhin, Psychologin zu werden», erzählt Saveria Dimasi mit weicher Stimme und mildem Lächeln. «Sie meinte, da sei von allem etwas dabei.» Wie so oft, kam es anders: Am Montag,
3. Juni dieses Jahres trat Dimasi ihre neue Stelle als Geschäftsleiterin der Kinderkrebshilfe Schweiz in Olten an. «Auch bei dieser Position ist von allen drei Berufen etwas dabei», stellt sie erfreut fest. 1987 haben sich Eltern von an Krebs erkrankten Kindern zur Kinderkrebshilfe Schweiz zusammengeschlossen. Seither organisiert der Verein Freizeitaktivitäten und Ferien, bietet finanzielle Unterstützung und ist mit Elterngruppenteams in Onkologiestationen vor Ort, sodass neue Betroffene Ansprechpersonen finden, die den Schicksalsschlag Kinderkrebs schon durchleben mussten. 2015 gründete Kinderkrebshilfe Schweiz mit sechs anderen Kinderkrebs- organisationen den Dachverband Kinderkrebs Schweiz. «Unser Einzugsgebiet ist nach wie vor die ganze Deutschschweiz», so Dimasi. Der Dachverband übernimmt Sensibilisierungsaufgaben und Öffentlichkeitsarbeit auf nationaler Ebene und setzt sich dort auch für die politischen Interessen der Betroffenen ein. Kinderkrebshilfe Schweiz mit Sitz in Olten kümmert sich dagegen direkt um die Betroffenen. Dimasi versucht so oft wie möglich, direkten Kontakt vor Ort zu haben. Dazu besucht sie regelmässig die Aktivitäten und angebotenen Ferien. «Eigentlich bin ich in einem Teilzeitpensum angestellt», stellt sie lächelnd fest. Mit dem Eigenanspruch, Kontakte zu pflegen und als Ansprechperson präsent zu sein, arbeite sie momentan wohl mehr als Vollzeit.

Vielseitig einsetzbares Talent

«Die direkten Rückmeldungen, die ich im persönlichen Gespräch erhalte, sollen der Leitfaden sein, nach dem wir die zukünftigen Aktivitäten der Kinderkrebshilfe Schweiz ausrichten.» Sie wolle jede einzelne Person spüren lassen, dass sie wichtig ist. Das zwischenmenschliche Fingerspitzen- gefühl, das dabei gefragt ist, reizt Dimasi besonders. «Zwischen den Zeilen lesen können», nennt sie die Fähigkeit, Menschen einzuschätzen. «Jeder Mensch bringt ein Talent mit, das ist meines.» Und es ist eines, das nicht nur gefragt, sondern auch vielseitig einsetzbar ist: «Die Bedürfnisse von Menschen zu erkennen, ist an einer Sitzung, die nicht vom Fleck kommt, ebenso wichtig, wie im direkten Kontakt mit Betroffenen», weiss Dimasi.

Herzensangelegenheit Kinder

Ihre Veranlagung hat sie aber auch geschult. Als Freiwillige arbeitete sie während eines halben Jahres in Sizilien in einem Durchgangsheim für Kinder, die wegen schwierigen familiären Verhältnissen zeitweise keinen Vormund hatten. «Die Arbeit für Kinder und Familien ist für mich eine Herzensangelegenheit», sagt Dimasi. In New York war sie während sieben Monaten in einem Programm für Nachbarschaftshilfe mit Obdachlosen zusammen tätig, ebenfalls ohne Entgelt. «Die Motivation, etwas Gutes tun zu wollen, hatte ich schon immer. Ohne das könnte ich nicht leben.» Sie wolle mit ihrer Arbeit bei der Kinderkrebshilfe Schweiz etwas bewegen. «Als Geschäftsleiterin habe ich natürlich mehr Gestaltungsraum, als bei meiner vorangegangenen Stelle als Projekt- leiterin bei der Stiftung Noiva», freut sich Dimasi. Das sei eine schöne Herausforderung. «Ich freue mich sehr, dass der Vorstand mir sein Vertrauen schenkt.» Erstmals werden die Geschicke der Geschäftsstelle von jemandem geleitet, der nicht selber von Kinderkrebs betroffen war. «Ich kenne aber die Emotionen, die eine Krebserkrankung auslösen kann.» Dimasi verlor ihre Mutter im Kampf gegen Krebs.

Bewährtes belassen

Sie habe sich so weit gut bei der Kinderkrebshilfe Schweiz eingelebt. Potenzial sehe sie bei der digitalen Kommunikation: «Die liegt noch etwas brach», analysiert sie. Ansonsten will sie Bewährtes belassen. «Seit mehr als fünf Jahren läuft zum Beispiel ein Mentoring-Programm», erklärt Dimasi. Dabei würden junge Erwachsene, die den Kinderkrebs besiegt haben, sogenannte Survivors, Jugendliche im Spital besuchen. «Survivors können sich besonders gut in die Situation von Kinderkrebspatienten einfühlen, denn zwischen Menschen, die Ähnliches erlebt haben, besteht oft eine tiefe Vertrauensbasis», zeigt Dimasi auf. Das so wertvolle, ehrenamtliche Engagement der Mentoren sei als Begleitung über einen längeren Zeitraum gedacht. In einem weiteren Projekt bietet die Kinderkrebshilfe Schweiz zusammen mit Kinderspitälern IT-Kurse an. So haben krebskranke Kinder die Möglichkeit, während ihrer Therapiephase das Startmodul der «European Computer Driving Licence» ECDL abzuschliessen. «Allerdings gibt es nicht ein Programm, das für alle passt», gibt Dimasi zu bedenken. Deshalb sei der Austausch so wichtig.
So müsse die eigene Arbeit auch immer wieder hinterfragt werden. Eben zwischen den Zeilen die Bedürfnisse der Menschen zu erkennen, das sei ihr Ansporn.

www.kinderkrebshilfe.ch

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