Vereine
09.10.2019

«Sie sollen denken können»

Devis Ledermann gab seinen Posten als Unihockey-Torwart auf, um die Basketballerinnen des BC Olten-Zofingen zu coachen. (Bild: Franz Beidler)

Devis Ledermann gab seinen Posten als Unihockey-Torwart auf, um die Basketballerinnen des BC Olten-Zofingen zu coachen. (Bild: Franz Beidler)

Die Basketballerinnen des Fanionteams Whales vom BC Olten-Zofingen haben für die kommende Saison einen neuen Trainer gewählt: Devis Ledermann heisst er. Seine Philosophie: Die Autonomie der Spielerinnen.

Franz Beidler

Basketball werde sehr stark nach Systemen gespielt. «Davon wollen wir wegkommen», sagt Devis Ledermann. Seit drei Monaten amtet er als Trainer der Whales, dem ersten Damenteam des BC Olten-Zofingen. «Die Spielerinnen sollen auf dem Feld denken können», erklärt er den Anspruch. «Sie sollen Fehler des Gegners sehen und ausnützen.» Dazu lässt er Grundelemente üben: Zum Beispiel «Give and Go», ein Doppelpass oder «Backdoor», ein Weglaufen im Rücken des Geg- ners, wie einzelne Spielzüge im US-amerikanisch geprägten Basketball heissen. «Diese Spielzüge übt jedes Team jahrelang. Nur sie selbstständig anzuwenden, das lernen die wenigsten», erklärt Ledermann. Die Autonomie der Spielerinnen ist für ihn ein übergreifendes Prinzip. Diese Erkennt- nis hat der 37-Jährige über das letzte Vierteljahrhundert gewonnen, in dem er sich mit Basketball beschäftigte. Etwa 12 Jahre alt sei er gewesen, als er mit dem Körbewerfen begann, «für mich alleine.» Vier Jahre später schloss er sich Boniswil Basket an, spielte aber gleichzeitig auch noch Unihockey in Unterkulm (AG) bei den Tigersharks. Ledermann war Torwart. Mit 21 Jahren wech- selte er von Boniswil Basket zum BCKS Mutschellen, mit dem er damals in der dritthöchsten Schweizer Spielklasse spielte und übernahm zwei Jahre später auch ein Schiedsrichteramt. Als er 26 Jahre alt wurde, hörte er auf, Basketball zu spielen. «Ich hatte keine Lust mehr», kommentiert Ledermann gelassen. Nur als Schiedsrichter stand er noch auf dem Court. Auch kam die erste Anfrage für ein Traineramt: Eine Spielerin von Boniswil Basket überzeugte ihn, das Damenteam seines Jugendklubs zu coachen. Ledermann sagte zu und stieg gleich in der ersten Saison auf. «Das war nicht mein Verdienst», erklärt er. «Für die unterste Liga war das Team einfach zu gut.»

«Ich war das Mädchen für alles»

Insgesamt sieben Jahre sollte er den Posten innehaben und nach einem Abstieg auch wieder den Aufstieg schaffen. «Ich war das Mädchen für alles», erinnert sich Ledermann an seine Boniswiler Zeit. «Mit einer Spielerin zusammen haben wir den ganzen Vereinsbetrieb unterhalten.» Boniswil Basket sei in dieser Zeit von etwa 20 auf rund 70 Mitglieder gewachsen, erzählt er nicht ohne Stolz. Daneben stand er weiterhin als Schiedsrichter im Einsatz. «Ich verbrachte 210 Tage im Jahr in der Halle», erinnert sich Ledermann lachend.

Von Basketball zu Unihockey und zurück

Nach Boniswil coachte Ledermann zwei Jahre die Unihockey-Damen des Team Aarau und stieg in seinem letzten Spiel mit ihnen auf. Dann zog es ihn selber wieder auf den Basketball-Court: «Ich wollte wieder einer im Team sein und nicht jener, der davor steht.» Dazu ging er zu den Herren des BC Olten-Zofingen. Doch nach weiteren zwei Saisons wechselte er nicht nur den Klub, son- dern auch die Sportart und wurde wieder zum Unihockey-Torwart in Unterkulm. «Ohne die Anfrage von den Whales, wäre ich immer noch dort.» Zu Beginn des letzten Juni rief Daniel Frei, der Prä- sident des BC Olten-Zofingen an und lud Ledermann zu einem Probetraining ein. «Ich erklärte den Whales, wie ich arbeiten will.» Nach einem zweiten Probetraining wählten ihn die Spielerinnen zu ihrem neuen Trainer. «Ich hätte nicht jedes Team übernommen», stellt Ledermann klar. Die Whales hätten viel Talent «und viele gute Spielerinnen.»

«Machen, was man kann»

Er sei kein Resultatcoach, sagt Ledermann von sich. Vielmehr misst er sein Team an dessen Auftreten. «40 Minuten lang machen, was man kann», verlangt er, egal ob im Match oder im Training. «Ich weiss, was ich sehen will», sagt er. «Wenn das nicht kommt, dann beenden wir ein Training halt ohne Ball.» Ein Straftraining sei bei zu wenig Einsatz gerechtfertigt. «Es haben nicht zehn Spielerinnen gleichzeitig einen schlechten Tag.» Also müsse das am Willen liegen. Diesen aus den Spielerinnen herauszukitzeln, darin sieht er seine Aufgabe als Coach: «Das Team hat sich ein Saisonziel gesetzt, ich versuche, es dahin zu führen.» Unter den besten Vier wolle man landen. «Wir wollen gewinnen», sagt Ledermann zum Saisonauftakt am Sonntag, 20. Oktober gegen Greifensee Basket. Noch kenne er die einzelnen Teams der Liga nicht gut, eine Ein- schätzung sei daher schwierig. Er bemerkt aber: «Wenn wir bereit sind, unser Spiel abzurufen, können wir vermutlich jedes Team fordern.» Er wolle kontrolliertes und präzises Basketball mit hohem Tempo spielen lassen. Dass die Whales das umsetzten können, daran zweifelt der neue Coach nicht: «Ein so gutes Team wie die Whales hatte ich noch nie.»

Saisonauftakt
BC Olten-Zofingen Whales - Greifensee Basket
Sonntag, 20. Oktober, 13.30 Uhr, BZZ Zofingen

www.bc-olten-zofingen.ch

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